Advent, Advent, 01.12.2013

Hallo liebe Leser!

Ich wünsche euch einen frohen und besinnlichen ersten Advent!
Habt ihr es euch schon schön gemütlich und weihnachtlich gemacht? Ich schaue gerade auf das flackernde erste Licht des Adventskranzes. Heute wartet das erste Stück Stollen auf mich – selbstgebacken, wenn auch nicht von mir – ebenso wie das erste Kläppchen im Adventskalender.
Toll!
Aber nicht nur wegen dieses eigentümlich weihnachtlichen Gefühls, das sich nun endgültig eingestellt hat, bin ich so glücklich.
Auch die weihnachtliche Dekoration, die seit vergangenem Donnerstag steht, sicherlich aber noch ausbaufähig ist, ist nicht der einzige weitere Grund, der mich beflügelt.

Nein, der Grund, warum dieser ganz spezielle erste Advent so besonders schön ist, ist das Ende der Verlosung, die vor drei Wochen begonnen hat!

Heute kann ich euch endlich, eingehüllt vom flackernden Duft der Kerzen, der Tannennadeln und des dampfenden Kaffees, den Gewinner dieser Verlosung verkünden!

Neun Leute haben sich beteiligt, mehr als ich erwartet hätte, und alle neun haben sehr persönliche und schöne Beiträge geleistet. Mit so viel Kreativität habe ich nicht zu rechnen gewagt! Es gab Gedichte, kleine Geschichten und sogar ein Bild. Zu diesem Bild muss ich an dieser Stelle übrigens ein paar Worte loswerden, denn diese Arbeit darf nicht unerwähnt bleiben!
Gezeichnet wurden Lina und Eric und natürlich der Elfenanhänger. Meiner Meinung nach kann man die vorherrschenden Emotionen wunderbar erkennen: Erics Verliebtheit, Linas Unsicherheit, hin- und hergerissen zwischen Trauer und Freude. Und die Kette – nun, sie ist ganz genau so, wie ich sie mir vorgestellt habe.
Ich liebe dieses Bild!
Falls ihr es noch nicht kennt müsst ihr unbedingt auf meiner Facebook-Seite vorbeischauen und dort bei den Teilnehmerbeiträgen danach suchen. Bei der Gelegenheit könnt ihr euch all die anderen, tollen Beiträge durchlesen!

Danke an dieser Stelle an jeden einzelnen, der sich bei der Verlosung beteiligt hat! Ich bin froh, dass ich nicht die alleinige Entscheidung treffen musste, wer der Gewinner ist, denn das wäre mir sehr, sehr schwer gefallen!

Am Ende gewann diejenige, die auch als Erste an der Verlosung teilnahm: Baerenstarke Lamas Essen! Ihre sehr kreative Geschichte mit dem Titel „Die kleine Elfe vom Rosenstrauch“ konnte die meisten Stimmen erzielen und hat somit verdient gewonnen!
Hier könnt ihr den Siegerbeitrag noch einmal lesen und in die Welt der kleinen Elfe eintauchen:

„Die kleine Elfe vom Rosenstrauch
Sie hatte lange geschlafen, sehr lange, aber gerade jetzt war sie erweckt worden. Emma, die kleine Elfe, wusste noch nicht, was sie aufgeweckt hatte.
Sie saß verdutzt am Rosenstrauch und rieb sich die Augen. Wie lange hatte sie hier gelegen, auf dem feuchten Lehmboden? Emma hatte keine Ahnung.
Noch in Gedanken, spürte sie ein warmes Gefühl auf ihrer Brust. Ein vertrautes Gefühl…Es war der kleine Anhänger, perlmuttfarbend, glänzend, der an ihrer langen Kette hing. Oma hatte ihr diesen Anhänger geschenkt mit den Worten: Verlier nie dein Lachen, denn es gib dir Kraft, dir und den Menschen, die dein Lachen spüren können. Der Anhänger stellte eine kleine Elfe da, die Sternenstaub versprühte.
Emma musste grinsen. Sie konnte sich wirklich nicht vorstellen, dass ihr pfurznäsiges Lachen jemanden Kraft schenken konnte. Schließlich war sie eine 333 jährige Jungelfe, die immer wieder aus den Latschen kippte. Diesmal, war sie mehr als nur aus den Latschen gekippt und lag wohl schon etwas länger hier, denn das Moos auf ihrem Kleid, wollte beim abreiben einfach nicht weichen.
Als sie sich reckte und streckte, fielen tausende bunte Punkte von ihr herab. Scheinbar hatten sich lästigen Quälgeister auf ihrem Kopf breit gemacht. Kein Wunder, das sie davon wach geworden war. Da half nur eins, das wusste sie aus Erfahrung. Sie pflückte junge Rosenblütenblätter vom Strauch und zerrieb diese auf ihrem Kopf. Die Quälgeister sprangen herunter und flüchteten in alle Richtungen. Leider rannten sie dabei auch in die langen Stiefel, die Emma trug. Emma sprang auf, riss ihre Stiefel von den Füßen und schüttelte sie wild.
Die bunten Quälgeister fielen heraus und mit ihnen segelte ein Stück Papier auf den Boden.
Emma nahm das Papier und faltet es auseinander. Dort stand in kleinen Buchstaben: Du bist nicht allein. Als sie diese Wörter las, fiel ihr wieder ein, warum sie auf dem Boden gelegen hatte. Sie war gefallen. Sie war vom Stern gefallen.
Man hatte sie, weil sie eine Prüfung abzulegen hatte, auf die Erde geworfen und dort sollte sie mindestens ein Lebewesen Glück schenken. Wie sie das allerdings schaffen sollte, hatte man ihr nicht gesagt. Die kleine Elfe nahm ihre wenigen Habseligkeiten und auch noch ein paar Rosenblätter mit und machte sich auf den Weg.
Emma traf eilige Menschen, die sich auf merkwürdige Weise fortbewegten. Sie hätte ihnen folgen können, aber diese schienen sie nicht zu brauchen. Manchmal ließ sie sich ein paar Tage bei Menschen nieder und teilte ihre Zeit. Dann wanderte sie weiter, weil dies nicht der richtige Ort, noch die richtige Zeit zu seien schien, um ihr Glück zu verschenken.
Schließlich, als sie die Hoffnung schon fast aufgegeben hatte, regte sich ihr Anhänger auf ihrer Brust und fing an zu glühen. Vielleicht war dies ein Zeichen? Emma sah sich um, konnte aber weit und breit niemanden sehen. Sie ging ein paar Schritte, aber da war nichts. Als sie sich umdrehte, sah sie in zwei Augen, die durch ein Gebüsch schauten.
Was immer es war, es war fürchterlich schmutzig. Im ersten Moment konnte Emma nicht sagen, was dies für eine Kreatur war. Es war ein Tier mit langem Hals, mit einer Art Pelz und dunklen Augen.
Emma bewegte sich von dieser Kreatur weg und das Lebewesen schien ihr zu folgen. Im gesicherten Abstand folge das Tier der kleinen Elfe. Irgendwann wurde Emma dies zu bunt und sie setze sich auf dem Boden, denn sie war für heute eigentlich genug gelaufen und sie musste endlich ihre Stiefel ausziehen.
Als Emma soll still das saß, kam die Kreatur näher und schnüffelt an ihr. Emma legte all ihre Habseligkeiten ab, wie auch die Rosenblätter. Das Tier kam erneut nähr und schnappte sich ein paar Rosenblätter und aß sie gierig auf. Die junge Elfe erkannte, dass das Tier Hunger hatte und ließ das Tier bereitwillig die Rosenblätter fressen. Emma freute sich, dass sie der Kreatur etwas geben konnte und lachte fröhlich. Sie nannte die Kreatur Happy.
Die junge Elfe freute sich Happy heute einen vollen Bauch geschenkt zu haben und sah damit ihr Ziel Glück verschenkt zu haben, erreicht.
Sie hatte aber nun Sorge um Happy und bat den Rat der Elfen, Happy mit nach Hause bringen zu dürfen.
Emma hatte Glück verschenkt und verließ die Erde, im Gepäck war ein Tier, was an ihrer Seite bleiben sollte.“

(by Baerenstarke Lamas Essen)

Herzlichen Glückwunsch, liebe Baerenstarke Lamas Essen!

Alle anderen erhalten, passend zur Weihnachtszeit, kleine Trostpreise von mir. Ihr alle habt ein riesiges Dankeschön verdient! Ich bin unglaublich froh, euch zu haben!
Nun schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf die vergangenen drei Wochen zurück. Die Verlosung hat mir ganz viel Spaß gemacht und ich bin traurig, dass sie schon vorüber ist. Die nächste befindet sich jedoch bereits in Planung, und ich hoffe, dass ihr wieder zahlreich mitmachen werdet!

Bis dahin jedoch wünsche ich euch allen einen wunderschönen Start in die Adventszeit! Genießt die Zeit, nascht etwas, und macht es euch gemütlich. Vielleicht mit dieser Zusatzfortsetzung, die es zur Feier des Tages gibt? 🙂 Damit möchte ich mich für eure Teilnahme an der Verlosung – und für den enormen Anhängerzuwachs in den vergangenen Tagen bedanken! Ihr macht mich sehr, sehr glücklich!

Viele Liebe Grüße,

eure Emma

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Es war drei Uhr am nächsten Tag, als Eric es nicht mehr aushielt. Sascha und Sally hatten sich nach dem Essen eine Weile zurückgezogen, während er, von Stunde zu Stunde unruhiger, durch das ganze Haus gewandert und Kleinigkeiten hier und da für die Party vorbereitet hatte. Doch nun wurde ihm das Warten zu viel.
Kurzentschlossen warf er seine Jacke über und schnappte sich die Autoschlüssel.
Nun, dann wäre er eben eine Weile eher da. Na und? Was schadete es schon? Er hatte eh nichts mehr zu tun, also konnte er ebenso nach dem Gast schauen, der ihm an diesem Abend am wichtigsten war.
Außerdem hatte er trotz allem Angst, dass sie nicht mitkommen wollen würde. Immerhin hatte er ihr kaum eine Wahl gelassen. Natürlich hatte er das kurze Aufflackern in ihren Augen gesehen und er war sich sicher, dass es Aufregung gewesen war – aber bei Lina wusste er nie so genau.
Nein, es schadete auf keinen Fall, so früh hinzufahren.

Als es klingelte, erstarrte Lina. Sie war alleine, ihre Mutter und Stefan hatten das Haus verlassen
(natürlich ohne ein Wort zu sagen)
und waren noch nicht wieder zurückgekehrt. Sie würden mit Sicherheit nicht schellen. Wer konnte es also sein?
Mehr aus Gewohnheit denn aus Neugierde erhob sie sich schließlich. Während sie durch den Flur schlurfte, drehten sich ihre Gedanken einzig darum, so schnell wie möglich wieder in ihr Zimmer zurückzukehren und unter die Wolldecke zu krabbeln. Es war so kalt…
Vermutlich lag es daran, dass sie nicht richtig über ihr Tun nachdachte, weshalb sie die Tür öffnete, ohne durch den Spion zu schauen oder die Kette zu überprüfen.
Kaum hatte sie sie geöffnet, zuckte sie zurück.
„Lina!“ Entsetzt blickte Eric sie an. Was er sah, traf ihn vollkommen unvorbereitet. Dennoch konnte er schnell genug reagieren, als sie wortlos die Tür zuschlagen wollte. Schnell schob er sich durch den Spalt.
Lina stolperte, noch immer wortlos, zurück. Ihr Blick huschte unruhig hin und her.
Er ist nicht da. Er kann nicht sehen, dass Eric hier ist…
Hin und her gerissen zwischen dem Bedürfnis, in ihr Zimmer zu rennen und sich an Erics Brust zu werfen, schlang sie ihre Arme fest um ihren Körper.
„Was ist passiert?“ Eric konnte es nicht fassen. Ihren fröhlichen Gesichtsausdruck vor Augen, den sie vorgestern noch gehabt hatte, starrte er in ihr blasses, hohlwangiges Gesicht. Ihre Haare waren wirr, als hätte sie den halben Tag damit verbracht, sie zu raufen, und ihr schmaler Körper steckte in schwarzer Kleidung. Alles an ihr wirkte dunkel. Hose, Pullover, Augenringe, Miene. Als er einen Schritt auf sie zu machte, wich sie noch weiter zurück. Ihm wurde ganz kalt.
„Was tust du hier?“, fragte sie schließlich. Die Absicht, kühl zu klingen, scheiterte am Zittern ihrer Stimme.
„Ich war schon eher fertig. Ich wollte schauen, ob du nicht schon Lust hast mitzukommen.“ Auch Eric klang unbeabsichtigt zittrig. Allerdings schwankte seine Stimmung zwischen schlechtem Gewissen
(warum habe ich nicht gestern nach ihr gesehen?)
und Wut
(was ist passiert?).
Als er ihren Blick auffing, schlug sie ihre Lider sofort nieder und wendete sich ab. „Ich… ich habe es mir anders überlegt. Ich komme nicht mit. Bitte, geh.“
Als sie mit unsicheren Schritten in Richtung ihres Zimmers stolperte, schaute er ihr für einen Moment perplex nach.
Was war geschehen?
Entschlossen lief er ihr schließlich hinterher. Er würde sich nicht einfach so abservieren lassen.
„Lina!“ Als er ihr ins Zimmer folgte, bemerkte er als erstes das Durcheinander. Bei keinem seiner bisherigen Besuche war auch nur an einem Fleckchen etwas verrückt gewesen, das Bett tadellos gemacht. Nun jedoch lagen Bettwäsche und Laken zusammengeknüllt in einer Ecke und eine fleckige, speckige Matratze lag nackt und anklagend im kahlen Nachmittagslicht.
Lina stand, ihm den Rücken zugewandt, am Fenster.
„Hey, was ist denn los?“ Vorsichtig trat er auf sie zu. Als er hinter ihr stand, merkte er die Anspannung, die aus jeder ihrer Körperporen troff. Vorsichtig legte er seine Hände auf ihre Schultern.
Sie zuckte kaum merklich zusammen. Gerade wollte er sie wieder loslassen, als sie sich leicht gegen ihn lehnte. Nun schlang er vorsichtig, aber fest seine Arme um ihren Körper.
In Lina drehte sich alles. Sie wusste, dass sie ihn wegschicken musste, doch schon den ganzen Tag hatte sie immer wieder mit dem Gedanken gespielt, wie es wäre, wenn jemand da wäre, der sich kümmerte, der sie endlich auffing in ihrem nicht enden wollenden Sturz in die Tiefe. Als sie leise seufzend ihren Kopf an seine Brust lehnte, sah er ihre Tränen.
Er hielt es kaum noch aus. Es machte ihn fast wahnsinnig, dieses Leid zu sehen, ohne zu wissen, woran es lag. Er drehte sie zu sich herum. „Lina, was ist passiert?“
Der Ernst in seiner Stimme ließ sie zu ihm aufblicken. Das Grün ihrer Pupillen schimmerte gespenstisch in ihrem bleichen Gesicht. Es war, als wäre nicht mehr genügend Blut in ihr, um ihre Wangen zu färben.
Sie war eiskalt.
Lina wusste, nun musste sie es ihm sagen. „Wir können-“
Sie brachte es nicht über die Lippen. Schaffte es nicht, den Satz zu Ende zu bringen. – nicht mehr befreundet sein. All ihre Gedanken, all die Geschehnisse der letzten 48 Stunden schrien ihr zu, es endlich zu Ende zu bringen, doch stattdessen blieben ihr die Worte im Hals stecken.
Sie senkte ihren Blick.
„Nicht.“, bat Eric sie jedoch sanft und hob ihr Kinn an. Forschend blickte er tief in sie hinein.
Sie spürte die Wärme, die er ausstrahlte, spürte seinen Herzschlag, roch seinen Geruch, der ihr schon so bekannt geworden war, und merkte wie ihr innerer Widerstand immer geringer wurde.
„So ist es besser.“, stellte er schließlich fest. „Was wolltest du gerade sagen?“
Lina schüttelte nur den Kopf.
Eric warf einen Blick über seine Schulter zu der halbgeöffneten Tür. „Sind wir alleine?“
Kopfnicken.
„Ich mache trotzdem die Tür zu.“ Vorsichtig führte er sie zum Sessel, auf den sie sich auch sofort dankbar sinken ließ
(nicht, ohne kaum merklich zusammen zu zucken).
Ihre Beine waren sehr wackelig und schienen sie kaum tragen zu wollen.
In zwei Schritten war Eric bei der Tür, schloss sie, und war ebenso schnell wieder an ihrer Seite. Als er neben ihr hockte, griff er ihre Hand. „Was ist passiert?“
Blind starrte sie an die Wand. „Nichts…“
Ein leises, humorloses Lachen entfuhr ihm. „Klar.“ Er ließ einmal seinen Blick durch ihr Zimmer wandern. Er fühlte die klamme Bedrängung, die Enge, die drückende Stimmung dieser Wohnung. Eisige Entschlossenheit erfasste ihn. „Weißt du was? Wir packen jetzt ein paar Sachen und dann kommst du mit.“
Ihr Herz blieb stehen. „Wie… wie meinst du das?“
„Na, wir verschwinden von hier. Raus aus dieser engen Wohnung! Wir fahren zu mir.“
Sie versuchte, ihm ihre Hand zu entziehen, doch er fasste sie noch fester.
„Lina.“ Er klang nun so ernst, wie er es noch nie in ihrer Nähe getan hatte. „Wenn du nicht freiwillig mitkommst, werde ich dich aus dieser Wohnung heraustragen. Das ist mir vollkommen egal. Aber du wirst ganz sicher nicht hier bleiben! Ich habe doch gesagt, dass ich dich heute abhole.“
Ihre unglücklichen Augen versetzten ihm einen Stich. Niemals, hatte er sich geschworen, wollte er der Grund für ihre Misere sein, doch jetzt fühlte es sich ganz danach an. Zähneknirschend schob er diesen Gedanken beiseite.
„Ich bin weder geduscht noch umgezogen.“, warf sie leise ein.
„Na und? Dann duscht du eben bei uns. Weißt du was? Du könntest sogar baden! Was hältst du davon?“
Baden…Lina war versucht, tief aufzuseufzen. Das war eine mehr als verlockende Vorstellung. Einfach im warmen Wasser liegen… in dieser Wohnung gab es keine Badewanne. Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wie oft sie dies schon bedauert hatte. Unzählige Male.
Eric, der ihr Verlangen gesehen hatte, stand schon auf und begann, durch ihr Zimmer zu tigern.
„Hast Du irgendwo eine Tasche? Einen Rucksack?“ Als er ihre Schultasche sah, leerte er sie kurzerhand aus. „So.“, stellte er zufrieden fest.
Lina beobachtete ihn nur stumm. Ihr Widerstand war quasi winkend davon gerannt.
„Also, was möchtest du mitnehmen?“ Fragend blickte er sie an, während er neben dem Schrank stehen blieb.
Als Lina nur hilflos die Schultern zuckte, riss er die Schranktür auf und blickte auf die magere Auswahl an Kleidung. Rechts hing ihr Arbeitsoutfit. Er musste kurz schmunzeln, als er daran dachte, wie er ganz zu Beginn den halben Abend im Zeitlos verbracht hatte, nur in der Hoffnung, von ihr bedient zu werden. Sie hatte ihn zickig abblitzen lassen. Er konnte sich noch deutlich daran erinnern, wie gut ihr die Kleidung gestanden hatte. Irgendwann würde er ihr davon erzählen.
Eric wählte schließlich zwei Oberteile und eine Hose, fischte aus dem Karton, der auf dem Boden stand, nicht ohne kurz zu schlucken, Unterwäsche und warf die Schranktür wieder zu. Als er sich zu ihr umdrehte, sah er, dass sie schon stand.
Hilflos, mitten im Raum. Er spürte ein Ziehen im Bauch, als er sie dastehen sah, so schmal und zerbrechlich und blass.
Wie konnte sie nur so lange überleben? Sie sieht aus, als würde sie jederzeit unter der tonnenschweren Last des Lebens zusammen brechen. Warum hat das niemand vorher bemerkt? Warum sollte es niemand bemerken? Eric lag sehr richtig mit der Annahme, dass sie es bisher vor jedem mehr oder minder geschickt versteckt hatte. Dennoch war es ihm rätselhaft, wie auch nur der letzte Trampel all das ganze Elend, das man sah, wenn man nur einmal in ihre Augen blickte, übersehen konnte.
Nach einem kurzen Zögern trat er schluckend auf sie zu und drückte ihr den Rucksack in die Hand. „Hier. Pack noch deinen Waschbeutel ein. Ich weiß nicht, was du da alles brauchst.“
Als sie ihn nur reglos anschaute, hob er seine Augenbrauen. „Was ist?“
Während eine Mischung aus Dankbarkeit und Angst sie durchflutete, merkte sie, dass sie wieder kurz vor einem Zusammenbruch stand.
Nein, nicht vor Eric!, war alles, was sie denken konnte, während heiße Tränen sich hinter ihren Lidern sammelten. Es war nicht auszuhalten. Sie war in den letzten Stunden schon so oft zusammengebrochen, für ein weiteres Mal fehlte ihr die Kraft. Und dann auch noch vor ihm! Sie drehte sich rasch um und verließ den Raum, einen verwirrt dreinschauenden Eric hinter sich lassend.

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