Fortsetzung, 18.08.2013

Liebe Leser,

schon ist es wieder soweit. Es ist Sonntag und somit Zeit für die Fortsetzung der Geschichte von Lina und Eric. Das ist nun schon das vierte Mal. Unglaublich, wie die Zeit vergeht!
Ich bin mir noch immer nicht ganz sicher, wie ich die Geschichte nennen soll.
Habt ihr eine spontane Idee? Ich weiß, das ist wahrscheinlich ein bisschen früh dafür. Ihr habt ja noch nicht viel davon lesen können. Doch solltet ihr einen spontanen Einfall haben, so teilt ihn mir gerne mit. Ich bin ganz gespannt!

Ich habe ein sehr schönes Wochenende hinter mir, mit ganz viel Erholung. Und das allerbeste: auch morgen, den Montag, habe ich noch frei! Ich habe mir aus einer Laune heraus einen Tag Urlaub genommen und darüber freue ich mich nach wie vor sehr. Vor allem kann ich diese Zeit so gut nutzen! Ich mache derzeit riesige Fortschritte bei meinem aktuellen Projekt (und nein, das ist nicht die Geschichte um Lina, sondern eine andere). Irgendwann erzähle ich euch mal davon. Jetzt geht es jedoch ausschließlich um die kleine, blonde, zurückhaltende junge Frau, die ihre Geschichte zaghaft mit euch teilen möchte, und deshalb lasse ich sie jetzt auch sprechen.

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich über Rückmeldungen!

Habt noch einen schönen, erholsamen Sonntag und lasst euch von den grauen Wolken nicht die Laune trüben!

Eure Emma

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– Drei –

Der Tag verging langsam. In einem weiteren Fach stand Eric wieder neben ihr und setzte sich – Warum nur, warum? – ohne ein Wort darüber zu verlieren neben sie. Kein einziges Mal starrte er sie so an wie am Morgen in Deutsch, doch seine Nähe spürte sie dennoch überdeutlich. Sie roch ihn, hörte ihn atmen, schreiben, reden, wenn der Lehrer ihn ansprach. Das ein oder andere Mal bildete sie sich auch ein, dass er sie in ein Gespräch verwickeln wollte, doch sie schaute jedes Mal verkrampft auf ihren Schoß, bis sie spürte, dass sein Blick sich von ihr abwandte.
Was ist nur los mit ihm? Merkt er nicht, dass ich nichts mit ihm zu tun haben will?
Als um 16 Uhr ihre letzte Stunde vorbei war, ließ Lina sich beim Zusammenpacken ihrer Sachen besonders viel Zeit. Plötzlich hatte sie es gar nicht mehr eilig, den Raum zu verlassen. Schließlich reizte sie weder eine nette Nachmittagsverabredung, noch freute sie sich darauf, nach Hause zu gehen.
Wie üblich wählte sie einen langen Umweg. Während sie langsam durch die sengende Hitze des Nachmittags schlenderte, ließ sie ihren Blick über die Häuser und Läden schweifen, ohne wirklich etwas wahr zu nehmen. Dunkle Schweißflecke bildeten sich unter ihren Armen und an ihrem Rücken. Sie war wie üblich viel zu warm angezogen. Lina schnaubte auf – als hätte sie eine andere Wahl, als wäre ihr Kleidungsstil nur ein Fehlgriff in den Kleiderschrank gewesen! Je näher sie dem Wohnhauskomplex kam, in dem sie wohnte, desto schwerer und kleiner wurden ihre Schritte. Immer größer wurde ihr Widerwille, und dennoch trieben ihre Füße sie unweigerlich immer näher nach Hause.
Ihr stand noch ein langer Tag bevor.

„Hallo Schatz. Und, wie war dein erster Schultag?“ Eva Jansen drückte ihrem Sohn einen Kuss auf die Schläfe. In einem grauen Zweiteiler gekleidet, kam sie gerade von ihrer Arbeit in einer Anwaltskanzlei. Obwohl er schon neunzehn Jahre alt war, war Eric diese Begrüßung nicht unangenehm. Er war so aufgewachsen und liebte seine Mutter immer noch genauso innig wie vor zehn, zwölf oder fünfzehn Jahren.
„Ach, ganz in Ordnung.“ Eric säbelte lustlos an der Pizza herum, die er sich nach dem Heimkommen in den Backofen geschoben hatte.
„Das klingt ja nicht sehr begeistert.“, stellte Eva fest und nahm sich einen Streifen.
„Hmmmm.“, brummte er.
„Ist irgendetwas Besonderes passiert?“
„Nicht wirklich…“
„Na komm, erzähl!“, forderte sie ihn auf.
Er zögerte. „Ach, weißt du… da ist dieses Mädchen –“
„Findest du nicht, dafür ist es ein bisschen zu früh, du Schürzenjäger?“, unterbrach Eva ihn schmunzelnd, verstummte aber, als sie seinen ernsten Blick sah.
„Nein, es ist nicht so wie du denkst“. Dann berichtete er von seinen Eindrücken.
Jetzt war es Eva, die zögerte. „Vielleicht hatte sie einfach nur einen schlechten Tag. Du sagtest, sie hatte Ringe unter den Augen. Vielleicht war sie nur müde. Du solltest dir nicht so viele Gedanken machen, wenn du sie noch gar nicht näher kennen gelernt hast. Warts ab, morgen ist sie schon ganz anders. Mädchen in dem Alter können kompliziert sein, glaub mir, ich spreche aus Erfahrung.“ Sie lächelte ihm aufmunternd zu. „So, und jetzt muss ich erst einmal aus diesen Klamotten raus. Verdammt warm, dieser Stoff.“
Eric blieb alleine im Esszimmer sitzen. Auch wenn er es nicht laut aussprach, zweifelte er an den mit Sicherheit nett gemeinten Worten seiner Mutter. Schließlich hatte sie nicht in Linas Augen gesehen. Außerdem störte es ihn, dass sie ihn als Schürzenjäger bezeichnet hatte. Er wusste, dass sie mit dieser Aussage nicht allzu weit von der Wahrheit entfernt lag, zumindest was seinen unmittelbar vergangenen Lebensstil anging, doch das, so hatte er es sich vorgenommen, sollte sich nun grundlegend ändern.
Eric dachte über seinen ersten Tag an der neuen Schule nach. Sie war nichts Besonderes, nicht vergleichbar mit der in den Staaten. Natürlich viel kleiner, aber vielleicht auch gemütlicher. Übersichtlicher.
Seine Mitschüler hatten ihn, wie erwartet, behandelt wie einen Exoten: der „Staatenjunge“, dessen Eltern aufgrund der Arbeit mal eben nach Amerika gingen. Abgesehen davon waren sie alle recht nett.
Bis auf Lina.
Er seufzte auf. Wieder waren seine Gedanken bei ihr gelandet.
Wäre sie nur ihm gegenüber so abweisend gewesen, hätte er das ganze vielleicht auf Schüchternheit geschoben. Doch ihm war relativ schnell aufgefallen, dass niemand sich wirklich um sie kümmerte. Oder war es genau anders herum, und sie kümmerte sich um niemanden?
Ach, das ist doch alles völliger Blödsinn. Ich denke schon wieder viel zu viel nach. Es ist erst ein einziger Tag vergangen. Mutter hat Recht, ich sollte abwarten. Vielleicht sieht es morgen schon ganz anders aus. Eric runzelte die Stirn. Ja, vielleicht….

Am nächsten Morgen war Lina schon früher an der Schule als nötig. Sie hatte die halbe Nacht nicht schlafen können.
Wenigstens war er nicht gekommen.
Sie blätterte durch eines der Schulbücher, ohne auch nur einen Satz oder ein Bild wahrzunehmen. Ihre Augen starrten ins Leere. Sie hatte es sich auf einer der Bänke vor der Schule bequem gemacht.
Gerade war der erste Schwung Schüler im Gebäude verschwunden, weil das letzte Läuten den Beginn der ersten Stunde angekündigt hatte. Lina musste erst zur dritten Stunde los, doch es hatte sie nichts mehr in der Wohnung gehalten. Als sie viel zu früh unter der Dusche gestanden und versucht hatte, ihre Lebensgeister zu erwecken, hatte sie es kaum abwarten können, den beengten vier Wänden zu entfliehen. Und nun saß sie hier. Freiwillig früher vor der Schule, eine Sache, die vielen anderen Schülern im Traum nicht einfallen würde.
Lina lachte bitter auf.
Obwohl es erst acht Uhr morgens war, war es schon so warm, dass man auch bequem ohne Jacke draußen sitzen konnte, ohne zu frieren. Schon seit Tagen wartete die ganze Stadt auf ein Gewitter, das die drückende Schwüle beenden würde, doch bisher hatte es noch auf sich warten lassen.
Lina legte das Buch zur Seite. Sie interessierte sich eh nicht wirklich dafür. Ihre Gedanken schweiften immer wieder ab.
Obwohl sie wie üblich versuchte, nur an das Hier und Jetzt zu denken und in der Gegenwart zu leben, kam nun langsam die Zeit, in der ihr nichts anderes übrig blieb, als in die Zukunft zu schauen.
Natürlich würde sie gerne studieren. Am liebsten Psychologie, da war sie sich sicher, doch sie sah nicht auch nur die geringste Möglichkeit, wie sie das schaffen sollte. Studieren kostete Geld, und zum Studieren musste man oftmals ausziehen
(oh ja, ausziehen, mein allergrößter Wunsch!)
und das war gerade bei dem Studienfach eine Hauptvoraussetzung. Um Psychologie studieren zu können, musste sie weit weg von Zuhause. Obwohl sie es sich strengstens verbat, begann ihr Herz bei der Vorstellung vor Aufregung zu klopfen.
Der Geruch der Freiheit war einfach zu verlockend.
Eine kleine Gruppe Siebtklässler ging an ihr vorbei Richtung Stadt. Auch sie schienen gerade dem Geruch der Freiheit nachzugeben, wohl wissend, dass ihnen eine Menge Ärger bevorstand, wenn man sie erwischte.
Lina seufzte tief auf. Damit waren diese kleinen Racker deutlich mutiger als sie.
Studieren kostete Geld. Sie arbeitete zwar schon seit einer ganzen Weile in einem kleinen Laden, der tagsüber Kaffee ausschenkte und abends auch das ein oder andere alkoholische Getränk, Zeitlos genannt, doch, Trinkgeld hin oder her, das dort verdiente Geld würde sie nicht mal ein Semester über die Runden bringen. Auch auf Bafög würde sie verzichten müssen, denn dafür brauchte sie die Hilfe ihrer Mutter und von Ihm, und das war mindestens genauso aussichtslos, wie der Versuch, um ein kostenloses Studium zu betteln.
Und, nicht zuletzt, war der Numerus Clausus für Psychologie geradezu astronomisch hoch. Sie war gut, aber so gut?
Nein, liebes Herz. Du hättest Dich nicht freuen sollen. Dadurch wird es nur noch schlimmer zu akzeptieren, dass ein Psychologiestudium eben genau das bleiben wird, was es immer war: ein Traum. Eine Spur von Trauer huschte über ihr Gesicht bei dem Gedanken. Und das hast Du nun davon, dass Du jetzt schon an die Zukunft denkst. Es macht Dich nur noch trauriger. Denk an heute. Denk an diese Woche. Denk an den warmen Tag. Bleib einfach im Hier und Jetzt.
Doch obwohl sie sich mit aller Macht dazu zwang, ihre Gedanken in der Gegenwart zu halten, war da doch eine leise Stimme, die ihr sagte, dass es dennoch Zeit wurde, sich Gedanken über die Zeit nach der Schule zu machen. Immerhin hatte ihr letztes Schuljahr begonnen, nur allzu bald würden die allerletzten Klausuren, die Abiturprüfungen bevorstehen, und danach…?
Ja, danach?

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