Freundschaft, 31.10.2013

Liebe Leser,

den heutigen Blogeintrag möchte ich drei ganz besonderen Freundinnen widmen. Nicht, weil die Fortsetzung etwa so gut zu ihnen passt – nein, in den vergangenen Wochen haben sie mich immer wieder zum Lachen bringen können, obwohl mir danach zuletzt nicht allzu oft war. An dieser Stelle möchte ich euch danke sagen!
Diese drei ganz besonderen Menschen kenne ich seit der Oberstufe; seitdem haben wir viele schöne gemeinsame Stunden miteinander verbringen können. Ganz viel Gelächter, unzählige Spiel-, Cocktail- und Singstarabende, viele Flaschen Höherprozentiges und eine ganze Menge gemeinsamer Erfahrungen und Insiderwitzen haben uns so sehr zusammengeschweißt, dass wir uns nach wie vor regelmäßig sehen, auch wenn unsere (beruflichen) Wege uns in unterschiedliche Himmelsrichtungen verstreut haben.
Wenn wir uns wieder sehen, ist es, als hätten wir uns nicht zuletzt vor 4 Wochen, sondern höchstens vor vier Tagen das letzte Mal gesehen.
Und ist nicht gerade das der Aspekt, der Freundschaft ausmacht? Man sieht sich wieder und fühlt sich zu hundertfünfundzwanzig Prozent wohl, man ist man selbst und sagt nach jedem Treffen: „Mensch, ich freu mich aufs nächste Mal!“? Da sind keine Brücken, keine Barrieren, trotz der unterschiedlichen Lebenswege haben wir uns nicht auseinanderentwickelt.

Ihr drei Lieben: Danke, danke, danke! Danke für Günther, für das Salz, für Majas Blumenwiese und Hundesperma. Danke für das gemeinsame Lachen, die vielen tollen Stunden. Danke, dass ich euch habe, denn ihr bedeutet mir unglaublich viel.
Ich freue mich so sehr euch zu haben, freue mich über die gemeinsame Vergangenheit und noch mehr auf die Zukunft, denn ich weiß ganz genau, dass ihr dort immer ein fester Bestandteil sein werdet. Und ja, immer sagt man normalerweise nicht so ohne weiteres, aber an dieser Stelle kann ich das reinen Gewissens tun!

Wenn ihr also diese Zeilen lest, dann fühlt euch ganz besonders fest umarmt, denn während ich sie geschrieben habe, haben die Gedanken an euch ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert.

Ich wünsche euch allen – nicht nur meinen lieben drei Freundinnen – ganz viel Spaß beim Lesen der heutigen Fortsetzung. Vielleicht haben euch meine Worte auch an eine besondere Freundschaft denken lassen? Hoffentlich ist das so, und ihr könnt nun genauso lächeln wie ich es tue!

Habt noch einen schönen Tag!

Eure Emma

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– Neun –

In der folgenden Woche erschien Lina wieder in der Schule. Natürlich hatte Eric zunächst befürchtet, dass sie sich ihm gegenüber wieder distanziert verhalten würde, und auch Lina hatte mit dem Gedanken gespielt dies zu tun, doch als er sich neben sie im Deutschraum auf seinen Platz fallen ließ, begrüßte sie ihn mit einem – wenn auch etwas widerstrebenden – „Guten Morgen“.
Er strahlte sie an. „Hey!“
Während nach und nach alle Schüler in den Raum plätscherten und sich auf ihre gewohnten Plätze verteilten, blickten Lina und Eric sich für eine Weile schweigend in die Augen.
Angst durchwühlte Linas Innerstes, während sie befürchtete, dass Eric den Einblick, den er in ihre Privatsphäre erlangt hatte, für seine Zwecke nutzen und womöglich auch gegen sie verwenden würde. Selbst wenn er am Donnerstag im Café nett zu ihr gewesen war, hatte sie die Entschlossenheit in seinen Augen nicht übersehen.
Jeder halbwegs vernünftig denkende Mensch würde erkennen, dass ich die blauen Flecken nicht durch einen Treppensturz erlangt habe. Außerdem weiß er nun, wie ich wohne. Mein Gott, er hat meine Mutter kennen gelernt…
Eric merkte das Stirnrunzeln, das ihre Züge verdüsterte und wie ihr Blick verschlossen wurde. Er räusperte sich. „Also, wie war dein Wochenende?“
„Okay.“
„Ahja. Meins war auch okay, danke der Nachfrage.“
Sie lächelte nicht. Bei Gott, sie würde nicht zulassen, dass sie lächelte. Dennoch zuckte es um ihre Mundwinkel herum.
Herr Lehmann betrat den Raum, und während ein letztes Stühle- und Gemüterrücken Ruhe in den Raum brachte, lehnte Eric sich noch näher an sie heran. „Hör zu Lina, ich habe nachgedacht.“
Aha. Dass du das kannst, denke ich mir. Reglos schaute sie ihn an.
„Diese ganze Freundschaftsgeschichte -“
(Oh ja, bitte, mach einen Rückzieher, bitte!)
„… ich hoffe dass ich dir damit nicht zu nahe getreten bin oder dass ich dich überrumpelt habe oder so.“
Mehr nicht? Ihr Blick veränderte sich kaum merklich. „Welch abwegige Idee.“
Eric öffnete seinen Mund, um etwas auf diese merkwürdige Antwort zu erwidern, als Herr Lehmanns Stimme ihn unterbrach. „Herr Jansen, wenn sie genug Süßholz geraspelt haben, können sie etwas für die Allgemeinheit tun und ihre Hausaufgaben vorlesen! Vielleicht ist ihnen dann nicht mehr so langweilig!“
Mit feuerrotem Kopf – Himmel, wann war er das letzte Mal rot geworden, in der Grundschule? – kramte er sein Heft heraus und tat wie ihm geheißen.

Er wird rot. Wie niedlich, schoss es Lina sarkastisch durch den Kopf. Sie lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück und blendete seine volltönende, dunkle Stimme weitestgehend aus. Ein Seufzen unterdrückend dachte sie über diese ihr vollkommen neue Situation nach. Tatsächlich war er so hartnäckig wie sie es befürchtet hatte. Und das von Anfang an.
Zum wahrscheinlich hunderttausendsten Mal dachte sie an ihre Begegnung am Donnerstag und diesen verhängnisvollen Moment der Schwäche, in dem sie zugelassen hatte, dass er sich zu ihr hinter die Mauer drängte.
Dabei hatte sie gar keine Wahl gehabt, nicht wahr?
Während sie sich durch den Tag schlug, nahm ihre ehrliche Verwirrung nur noch zu. Sie fühlte sich, als würde sie über einen tiefen Abgrund tänzeln, einen schmalen Grat bestreiten, den sie jederzeit hinunterrutschen konnte.
In die gähnende Leere.
Du wirst einfach langsam verrückt. Verrückt und paranoid. Kopfschüttelnd vertrieb sie sich die Stunden, während jede Faser ihres Körpers nach einer Erlösung von diesem unendlichen, unerträglichen Druck schrie.
Anstatt nach Hause zu gehen, steuerte sie direkt ihren geheimen Rückzugsort an, ihre Bank. Zu sehr musste sie ihre Gedanken ordnen, als dass sie sich von ihrem Alltagsgefängnis hätte einengen lassen können.
Marina war auch nicht sonderlich hilfreich gewesen. Nach dem minimalen Pflichtsmalltalk, der Erkundigung nach ihrem Verbleib und dem Überreichen sämtlicher nötiger Mitschriften, hatte sie es nicht mehr länger ausgehalten und, auf ihren Fußballen wippend, einen minuziösen Bericht jenes Partyabends verlangt, als Lina mit Eric alleine gewesen war. Frustriert hatte Lina einlenken müssen – sie kannte Marina zur Genüge und wusste, dass diese erst nachgeben würde, wenn ihr Gegenüber ihr das gäbe, was sie wollte – und die wichtigsten, erzählbaren Dinge zusammengefasst. Im Anschluss kam Lina dann noch in den Genuss, einem nicht an Details mangelnden Bericht von Marinas Erfolgserlebnis mit ihrem Schwarm zu lauschen. Noch eine ganze Weile später klingelten ihre Ohren und brannten ihre Finger von unzählig geflüsterten und geschriebenen Botschaften.
Als Lina am späten Abend schließlich in die Wohnung zurückkehrte und ohne große Umwege ihr Bett ansteuerte, wusste sie, dass ihr Leben sich dringend ändern musste.
Sie war es leid, zwischen Leben und Vertuschen zu jonglieren, war es leid, sich stetig wie eine Außenseiterin zu verhalten. Während ein Teil von ihr sich nach dem fast vergessenen Gefühl von Geborgenheit sehnte, wollte der andere Teil einfach nur davonrennen. Flüchten vor dem, was ihr Alltag war und was sie nun schon so lange in seinen grauenhaften Klauen hielt, dass lediglich ein letzter Funken Hoffnung, genährt durch den Traum von einer besseren Zukunft, sie vor dem Durchdrehen bewahrte.

Am nächsten Morgen erwartete er sie schon in seinem Auto. Unsicher, ob sie sich eher freuen oder ärgern sollte, kuschelte sie sich tief in den Sitz und starrte durch das Fenster auf die noch verschlafen wirkende Straße.
„Ich hatte heute keine Lust, zu Fuß zu gehen und dachte mir, dir geht es sicher ähnlich.“, erklärte Eric gut gelaunt, während er an dem Thermostat herumdrehte. Die eisigen Minus zehn Grad hatten ihre Zähne bitterlich klappern lassen.
„Ja, ich fürchte du hast Recht.“, gab sie deshalb auch wahrheitsgemäß zu.
„Tja, bald sind Ferien. Hast du schon etwas bestimmtes vor?“ Er warf ihr einen schnellen Seitenblick zu.
„Nein. Oder doch, ja. Lernen.“ Sie zuckte betont lässig mit ihrer linken Schulter. „Hast du schon angefangen?“
„Himmel, nein. Ab Neujahr geht‘s los. Du etwa?“
„Och… erst vor ein paar Monaten…“ Ihre Stimme wurde immer leiser, dennoch machte Eric vor Schreck fast eine Vollbremsung.
„Was?“
„Ja. Man kann nie früh genug beginnen, weißt du doch.“
Mit schmerzvoll verzogenem Gesicht betrachtete er sie. „Du regst mein schlechtes Gewissen deutlich an. Das machst du doch extra.“ Auf ihr fieses Grinsen hin murmelte er ein leises „Hexe“, wodurch Lina von einem so heftigen Lacher geschüttelt wurde, dass Eric vor Schreck diesmal tatsächlich fast einen Fußgänger rammte. Dieses Geräusch hatte er noch nie aus ihrem Mund gehört.
Und während er sie betrachtete, vergnügt wie sie war, merkte er mit erschreckender Gewissheit, dass er sich irgendwie, irgendwann, in dieses mysteriöse Mädchen verliebt hatte.

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