Gedankenreise, 15.08.2013

Liebe Leser,

ich möchte euch auf eine kleine Gedankenreise mitnehmen. Stellt euch folgendes vor:
Ihr möchtet Urlaub machen. Ihr wisst, euch steht eine spannende, tolle Zeit voller neuer Erlebnisse bevor; sie wird euch bereichern und Einfluss auf euch nehmen, ebenso wie ihr einen Eindruck hinterlassen werdet.

Ihr macht euch im Vorfeld natürlich Gedanken. Viele Fragen schwirren durch den Kopf, die es zu klären gilt. Wo soll die Reise hin gehen? Was für ein Urlaub soll es werden? Möchtet ihr Spannung und Abenteuer, Wege gehen, die noch kaum ein Mensch vor euch gegangen ist?
Möchtet ihr einen entspannten Urlaub, bei dem ihr wieder zu euch selbst findet, der euch die Möglichkeit gibt, wieder abzuschalten und sich auf das Wesentliche zu besinnen?
Oder wollt ihr fremde Menschen kennen lernen, Neues ausprobieren und einmalige Aufregung erleben?
Ob Einsamkeit oder unter Menschen, ob Ruhe und Entspannung oder Nervenkitzel und Aufregung – ein Urlaub bedeutet immer eine Auszeit. Nette Abwechslung. Genau das, was ein Mensch ab und zu benötigt, um sich ganz und gar zufrieden zu fühlen, da sonst die Tretmühlen des Alltags allzu sehr anfangen zu knirschen.

Je nach Auswahl der Urlaubsart stellt sich dann die nächste Frage: Wo soll es hingehen? Lieber hoch in den Norden, wo es etwas kühler ist, wo aber zum Beispiel lange Sandstrände an der Nordsee auf einen warten, wo man sich skandinavische Winde um die Nase wehen lassen und einsame, wunderschöne Fjorde besichtigen kann?
Möchte man in die Berge, wo man den Blick in die Weite schweifen lassen kann, unberührte Natur das Herz erfreut und man bei langen Wanderungen – und gemütlichen Pausen auf der Alm – wieder zu sich selbst findet?
Oder soll es in den Süden gehen, ab an warme Sandstrände und in die Sonne, wo man an einer gepflegten Urlaubsbräune arbeiten
(ich selbst würde eher die Farbe eines Krebses annehmen, wenn ihr mich fragt)
und ab und an den großen Zeh ins Meer stupsen kann?

Okay. Stellt euch vor, die Urlaubsart und auch das ungefähre Ziel würden feststehen. Beispielsweise: Ein typischer Strandurlaub im Süden. Die grobe Richtung lässt bestimmte Erwartungen entstehen und ermöglicht es, im Kopf eine ungefähre Vorstellung davon zu entwickeln, was man bis zum letzten Moment alles in seinen Koffer packen muss – wohl wissend, dass man sowieso immer irgendetwas vergisst. Relativ schnell steht fest, wie ihr in den Urlaub fahrt. Zum Beispiel mit dem guten alten Auto.

So weit, so gut. Und jetzt stellt euch vor, ihr macht etwas ganz verrücktes. Anstatt ganz konkret zu planen, wo es hingehen soll, anstatt über irgendwelche Portale oder Vermittlungsbüros eine Unterkunft zu buchen, euch mithilfe eines Routenplaners den Weg anzuschauen und einzuprägen, lasst ihr den Urlaub einfach auf euch zu kommen. Ihr packt den Kofferraum voller Sachen, von denen ihr denkt, dass sie im Urlaub nützlich sein könnten. Ihr packt euch ein bisschen Verpflegung für die Fahrt ein, die manchmal ganz schön lang werden kann, überprüft noch einmal, ob ihr auch nichts vergessen habt, und dann setzt ihr euch ins Auto. Ziel? Urlaub im Süden. Konkreter wird es nicht. Und dann fahrt ihr los. Die bestimmten Erwartungen im Kopf lassen die Urlaubsstimmung in euch ausbrechen, und voller Freude macht ihr euch auf den Weg. Doch wie genau ihr ankommt – das entscheidet der Bauch. Je nach Lied, das gerade im Radio läuft, ganz spontan aus einer bestimmten Regung heraus oder weil die eine Ausfahrt besser aussieht als die andere, bringt euch euer treues Auto immer weiter vorwärts. Unterwegs erlebt ihr dadurch viele Überraschungen. Ein paar Stationen habt ihr festgelegt, ein paar kleine oder große Städte, Sehenswürdigkeiten, die ihr unbedingt besichtigen möchtet. Vielleicht ist auch eine Übernachtung in einem hübschen Hotel möglich. Euer Ziel werdet ihr erreichen, aber ob heute oder morgen, das ist egal. Denn es ist ja euer Urlaub, wieso solltet ihr euch da diesen Stress machen? Jeden Tag lasst ihr offen auf euch zu kommen. Und je weiter ihr kommt, desto klarer werden auch eure Vorstellungen. Ihr werdet es spüren, wenn ihr schließlich am Ziel angekommen seid, und das kann genau da sein, wo ihr es euch in eurem Kopf ausgemalt habt – oder vielleicht sogar ganz woanders. Doch die Hauptsache ist doch, angekommen zu sein. Und der Weg? Der war schon ganz wichtig und bereichernd für den Urlaub. Eine wirklich spannende Reise, die euch hoffentlich an der einen oder anderen Stelle überraschen konnte. Wichtig ist nur, offen dafür zu sein.

Vielleicht fragt ihr euch jetzt, was ich mit diesem Eintrag bezwecken möchte. Die Gedankenreise, die ich gerade mit euch durchlebt habe, ist die – zugegebenerweise sehr metaphorisch angehauchte – Antwort auf eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Und zwar die Frage nach der Art und Weise, wie ich schreibe. Ob ich schon von Anfang an genau weiß, was ich wann, wo und wie schreiben werde. Ob mir schon beim ersten Satz klar ist, wie der letzte lauten wird, ganz überspitzt gesehen, oder ob ich mich an den Schreibtisch setze, mein Netbook aufklappe, wahlweise auch einen Stift in die Hand nehme und einfach anfange zu schreiben.

Schreiben ist für mich wie eine Auszeit vom Alltag, denn ich tauche in eine andere Welt ein. Und dabei verfahre ich so wie bei jenem spontan angehauchten Urlaub. Die Art des Urlaubs bestimmt das Genre. Das grobe Ziel bestimmt das Ende der Geschichte. Und mein Vehikel – nun, das ist mein Stil. Den kann ich natürlich nicht großartig beeinflussen, aber das möchte ich auch gar nicht. Bestimmte Erlebnisse baue ich ein, „Sehenswürdigkeiten“, die unbedingt dazugehören. Und der Rest? Der entwickelt sich fast wie von alleine. Wenn ich beginne zu schreiben, dann habe ich meine Charaktere schon im Kopf, doch sie entwickeln sich im Laufe der Zeit ebenso sehr, wie meine Vorstellungen sich entwickeln und durchaus auch verändern können. Dabei kann ich mich selbst manchmal ziemlich überraschen, und das sind die wirklich tollen Momente. Wenn alles zu starr ist, nicht bereit für Veränderungen, dann gibt es auch wenige Überraschungen. Und die möchte ich anderen ebenso bescheren wie mir. Das macht wirklich Spaß!

Also. Falls sich jemand von euch diese Frage gestellt hat: Nun wisst ihr, wie ich schreibe. Für jene, die sich diese Frage noch nicht gestellt haben: Jetzt müsst ihr es auch nicht mehr.

Ich beginne eine Gedankenreise, mit einem groben Ziel, das immer konkreter wird. Spontanität, Tagesform und Bauchgefühl beeinflussen den Weg.
Ich finde, das ist ein tolles Gefühl, insbesondere da man heutzutage im Alltag nicht immer diese Möglichkeit hat. Ich möchte es noch oft erleben, sehr oft.
Nun aber genug von mir und meinen Gedankenreisen!

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend.

Eure Emma

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