Hasi Palau, 27.02.2014

Hallo ihr Lieben!

Sagt mal, ist heute wirklich schon Donnerstag? Ist tatsächlich eine Woche vergangen? Ich kann es kaum fassen, wo bleibt nur die Zeit?

Hab ich euch eigentlich schon erzählt, dass ich mich vergangene Woche bei den ersten Verlägen mit meinem aktuellen Manuskript beworben habe? Wahrscheinlich nicht, oder? Es ist eine unglaublich aufregende Sache für mich. Es wird real, der Schritt, vor dem ich mich so lange geziert habe, ist getan und ab jetzt wird alles leichter fallen.
Oh man!!

Zudem ist es ja so, dass mein ganzes Linaskript bei ein paar Personen zum Testlesen liegt. Ein paar Rückmeldungen vorab habe ich schon bekommen, sehr konstruktiv und gut umsetzbar für mich. Die ausführlichen korrigierten Versionen habe ich jedoch noch nicht. Ich hoffe sehr, dass ich bis Mai/Juni fertig werde und das Ganze dann bei Amazon als Buch und ebook anbieten kann. So ist mein Plan – was ich dann wirklich machen und umsetzen kann ist die andere Frage! Aber jetzt wisst ihr schonmal, wie es so weiter gehen soll.

Bis Ende Mai wird es auch noch Fortsetzungen von Lina geben. Oh je, und dann?

Ich bin heute furchtbar müde, am liebsten würde ich mich nur einkuscheln und rumdösen. Aber ich war schon in der Stadt und habe mir den kleinen, lächerlichen Auflauf am Rathaus angesehen. Das war wirklich ein Witz – die Rheinländer könnten bestimmt nicht aufhören zu lachen, wenn sie das gesehen hätten. Aber wir sind nunmal keine Karnevalshochburg hier. Von daher…

Ich hoffe ihr habt einen schönen Tag, ebenso frühlingshaft wie bei mir und mit vorwitzigen zwitschernden Vögeln.
Ich werde mich jetzt noch ein bisschen an meine Korrekturarbeit machen, die darf ich schließlich auch nicht vernachlässigen.

Euch jedenfalls ganz viel Spaß mit der neuen Fortsetzung – und für all die Jecken dort draußen viel Spaß beim Feiern und Verkleiden – Hasi Palau, wie man es bei uns so schön nennt!!

Alles Liebe,
eure Emma

****************************************************************

– Fünfzehn –

Wieder einmal schaute Lina starr ins Leere, als Eric den Raum betrat. Sie war nun schon drei Tage im Krankenhaus und hatte sich seitdem – abgesehen von ihren Gängen ins Badezimmer – nicht aus dem Bett bewegt. Schon spürte er wieder diese hilflose Frustration, die ihn fast augenblicklich in den Griff nahm.
„Hey, Lina“, begrüßte er sie vorsichtig, doch viel mehr als ein kurzes Nicken in seine Richtung brachte sie nicht zustande. So ging es nun schon die ganze Zeit. Seit jenem Augenblick, als er die Wahrheit erfahren hatte, schien Lina sich mehr und mehr in sich zurück zu ziehen. All seine nervöse Energie, all seine hilflose Wut machten Eric rastlos, und das sogar so sehr, dass er dabei fast vergaß, Lina die Zeit zu geben, die sie brauchte. Furchtbares war geschehen, und es würde sicherlich weitergehen, wenn sie nicht etwas dagegen taten, doch Eric bekam nicht einmal den Hauch einer Chance, mit Lina über ihre Zukunft zu sprechen. Nicht einmal über die nächsten Tage.
Er verstand es ja, doch gleichzeitig wollte er es nicht verstehen. Konnte es nicht. Er hatte bisher mit niemandem darüber gesprochen, selbst mit seiner Mutter nicht. Natürlich wollte sie wissen, warum Lina im Krankenhaus war, doch er konnte es ihr einfach nicht sagen. „Vertrau mir bitte, ich werde es dir früh genug erklären“, hatte er sie gebeten, in dem Bewusstsein, dass er dadurch alles nur noch schlimmer machte. Wie auch nicht, er selber würde durch so eine hinhaltende Bemerkung ebenfalls mit Misstrauen und Neugierde reagieren. Es wäre einfacher gewesen, sich eine Geschichte auszudenken, doch er wollte seine Mutter nicht anlügen, und rechnete es ihr hoch an, als sie ihn kurz in den Arm nahm und ihm zuflüsterte, dass sie sich sicher sei, er würde das Richtige tun.
Eric hatte schlucken müssen.
Wie sollte er das Richtige tun, wenn er selber mit der Situation überfordert war?

Die Zeit verging wie im Flug. Wieder einmal hatte er einen langen Tag hinter sich. Bevor er zur Schule gegangen war
(ja, tatsächlich, einige Kurse fanden noch statt)
hatte er Lina schon im Krankenhaus besucht. Zudem war vieles zu erledigen gewesen, in den letzten Tagen hatte er einiges liegen lassen. Das einzige, was ihn die ganze Zeit über motiviert hatte, war die Tatsache, dass Lina sich langsam erholte, zumindest physisch.
Zuletzt war er noch eine ausgiebige Runde joggen gewesen, hatte sich immer weiter angepeitscht, bis er die nervöse Energie, die seit einiger Zeit stets durch seinen Körper pulsierte, einigermaßen beruhigt hatte. Noch immer spürte er die Wärme in seinen Muskeln, die sich nur langsam verflüchtigte, während er mit hallenden Schritten den Krankenhausflur hinab ging. Mittlerweile war es sechs Uhr. Die Tasche mit den Schulbüchern – Lina wollte anfangen, etwas Sinnvolles mit ihrer Zeit zu tun – hing schwer an seiner Seite. Eric befürchtete, dass sie schon heute Abend damit beginnen wollte.
Wehe, brummelte er innerlich, das ist so ziemlich das Letzte, auf das ich nun Lust habe! Dennoch, das wusste er jetzt schon, würde er ohne zu murren mit ihr auch das allerletzte Buch wälzen, wenn er sie dadurch ablenken konnte. Außerdem war dies das erste Anzeichen von Lebensenergie, das sie von sich gab. Typisch Lina, dass dieses sich ums Lernen drehte.
Als er ihre Zimmertür erreichte, klopfte er zwar kurz an, wartete aber nicht auf eine Antwort – wie üblich. In der Erwartung, Lina wie bisher im Bett liegend in ihrem Einzelzimmer vorzufinden, blieb er verdutzt stehen, als er einen Mann über ihr Bett gebeugt sah.
Der Anblick traf ihn unvorbereitet.
Selbst wenn er nicht damals schon einmal an der Haustür der Martins eine zweifelhafte Bekanntschaft mit ihm gemacht hätte – der wutverzerrte Ausdruck in dem der Tür zugewandten Gesicht, der nur kaum von Überraschung verdeckt wurde, sowie Linas zusammengekauerte Gestalt hätten es sofort verraten.
Polternd ließ Eric die Büchertasche fallen und trat mit geballten Fäusten auf den Mann
(nein, das Monster)
zu.
„Aber Hallo!“, knurrte Stefan und wandte Lina ganz den Rücken zu.
Erics Blick huschte kurz zu ihr hinüber, sodass er sah, wie sie langsam die Augen schloss. Dieser Hauch von Bewegung, diese winzige Regung fachte seinen seit Tagen unterdrückten schwelenden Zorn an, bis erste züngelnde Flammen entstanden und seine Eingeweide brannten. Am liebsten hätte er sich auf ihn gestürzt. Zu gern hätte er gespürt, wie Stefans Nase unter seinen Fingerknöcheln brach, hätte ihm voller Freude Schmerzen und noch viel mehr Schmerzen zugefügt…
… doch nicht jetzt. Nicht, wenn Lina anwesend war.
„Verschwinde hier. Sofort!“, würgte er stattdessen mühsam beherrscht zwischen zusammengepressten Zähnen hervor.
Stefan lachte kalt auf.
Er lachte! Eric konnte sich kaum noch zurückhalten.
„Ist es nicht meine Aufgabe, dies zu sagen?“ Langsam kam Stefan näher, ein überhebliches Grinsen auf den Lippen.
Eric hätte ihm so vieles an den Kopf werfen können, die schlimmsten Schimpfworte kamen ihm in den Sinn
(geschweige denn von dem Impuls, ihm die Eingeweide herauszureißen),
aber er begnügte sich mit einem „Dafür wirst du büßen!“
Stefans Augen blitzen auf, als wollte er sagen „Im Leben nicht!“. Als er Eric passierte, zitterte dieser am ganzen Leib.
„Ich wollte sowieso gerade gehen. Was gesagt werden musste, wurde gesagt.“ Stefans Atem streifte Erics Wange, als er näher kam. „Das passiert, wenn man mir mein Mädchen wegnehmen will“, zischelte er kaum hörbar in Erics Ohr, lachte ein weiteres Mal kalt auf, und ehe Eric reagieren konnte, war er schon durch die Tür verschwunden.
Für einen winzigen Moment wollte er hinterher rennen, wollte seine Beherrschung vergessen. Hat er gerade mir die Schuld für dieses Desaster gegeben?
Seine Muskeln zuckten erwartungsvoll, seine Kräfte ballten sich… doch trotz allem war es ihm wichtiger, zu Lina zu gelangen. Mit zwei langen Schritten war er an ihrem Bett.
„Alles okay mit dir?“
Die Worte hallten in Linas Kopf, als befände sie sich in einem großen, leeren Raum. Ob alles okay mit ihr war? Schwer zu sagen. Was bedeutete schon okay? Was waren das für leere Worte?
Es war schwer, überhaupt zu verarbeiten, was er gerade von ihr wollte. Er, nicht er. So schnell ging das, so einfach.
Lina bewegte ihren Kopf in einer neutralen Weise, die die Frage weder bejahte, noch verneinte. Immerhin reagierte sie.
Immer noch völlig zittrig setzte Eric sich auf die Bettkante.
„Lina!“ Da sie ihn noch immer nicht anschaute, griff er vorsichtig nach ihrer eiskalten Hand. „Hey, er ist weg. Ich bin jetzt bei dir. Dir kann nichts mehr passieren.“ Bei diesen Worten bildete sich ein dicker Kloß in seiner Kehle. War es wirklich so? Konnte ihr nun nichts mehr passieren? Stefan hatte es wieder geschafft, ihr weh zu tun, und das, obwohl er sich geschworen hatte, das zu verhindern. Aber wie hätte er ahnen können, dass er ins Krankenhaus käme…? Es ging nicht anders, er musste Lina von hier fortschaffen. An einen Ort, der sicherer war. An dem er sie besser beschützen konnte…
„Hey, Süße.“ Zärtlich legte er eine Hand um ihr Gesicht und zog es sanft in seine Richtung.
Lina ließ es mit sich geschehen.
Wie in einem Gefängnis fühlte sie sich in ihrem Körper. Er machte sie angreifbar für den Willen anderer, dies war wieder ein Beweis dafür. Sie wollte Eric nicht anschauen, konnte es einfach nicht. Diese wissenden Augen, die überquellten vor Sorge, Angst und Zärtlichkeit machten sie fast wahnsinnig. In manchen Situationen fragte sie sich, ob es nicht besser gewesen wäre, Eric nichts zu erzählen. Immerhin wäre dann diese furchtbare Mischung aus Verzweiflung, Sorge und Angst verschwunden, die ihn in den letzten Tagen beherrschte.
Andererseits…
Sie erbebte, als sie ihn anschaute. Und als würde sich der Schock über den unerwarteten Besuch langsam verflüchtigen und den wahren Emotionen Platz machen, lösten sich die ersten Tränen und flossen ihre Wangen hinab. Sie sah die unausgesprochenen Worte, die Eric auf der Zunge lagen, doch er tat das einzig richtige: nahm sie in den Arm und gab ihr den nötigen Schutz, damit sie sich ihren Gefühlen hingeben konnte.
Später wünschte sie sich wieder, er wäre niemals gekommen. Stefan hier bei ihr vorzufinden hatte ihn deutlich mehr erschüttert als sie selber. In Wahrheit hatte es sie nicht überrascht, dass er sie gefunden hatte – wenn er das wirklich wollte, schaffte er es auch -, vielmehr darüber, dass er sich überhaupt die Mühe gemacht hatte, sie zu besuchen.
Naja, warum er das wohl getan hatte, war klar. Revier markieren. Sie einschüchtern.
Stumm starrte sie Eric an, der in langen Schritten durch das Zimmer lief. Merkwürdigerweise wurde sie immer ruhiger, je aufgebrachter er wirkte.
„Ich würde dich jetzt schon einfach mitnehmen, aber es ist zu spät dafür und kein Arzt da, mit dem ich das absprechen kann. Wir sollten erst mit den zuständigen Personen sprechen. Obwohl ihnen keine Wahl bleibt, morgen hole ich dich hier raus!“
Die ganze Zeit über plante er schon, sie aus dem Krankenhaus zu schaffen, und obwohl es das war, was sie sich am sehnlichsten wünschte, hatte sie plötzlich Angst. Wo sollte sie bloß hin?
Eric blieb abrupt stehen, und schaute sie stirnrunzelnd an.
Offenbar hatte sie ihre letzte Frage laut ausgesprochen, und sie zuckte zusammen.
„Zu mir, natürlich.“, erwiderte er, als hätte es daran niemals einen Zweifel gegeben. „Du kannst das Gästezimmer ganz für dich haben. Ich habe es vor ein paar Tagen schon eingerichtet, um ehrlich zu sein. Du hattest doch nicht ernsthaft vor, in diese Hölle zurück zu kehren, oder?“
Lina schaute ihn mit großen Augen an, in der Hoffnung, dass sie verrieten, was sie dachte. Noch immer fiel ihr das Sprechen sehr schwer.
Ich kann nicht zu dir ziehen. Das kann ich nicht. Und er wird es auch nicht zu lassen.
Als würde er sie tatsächlich verstehen, sank er neben ihr auf das Bett und griff nach ihrer Hand. „Lina. Ich kann verstehen, dass es dir unangenehm ist, bei dir fremden Menschen zu wohnen.“ Bei diesen Worten verzog er sein Gesicht schmerzhaft, er fühlte sich alles andere als fremd ihr gegenüber. „Aber du kannst nicht in deine alte Wohnung zurück kehren. Irgendwann wird der Kerl dich umbringen! Und ich werde keine einzige Sekunde Ruhe haben, wenn du dort bist, jetzt, wo ich weiß, was er dir angetan hat. Nein, dass du dorthin zurückkehrst steht gar nicht erst zur Debatte!“ Er sprang vom Bett auf, und seine Stimme, die vorher eindringlich und besorgt geklungen hatte, wurde nun eiskalt wie Stahl. „Dieses Stück Scheiße wird nicht mehr in deine Nähe kommen – nicht, wenn ich es verhindern kann.“ Er blickte sie an. „Und dazu muss ich dich ganz nah bei mir haben.“
Lina öffnete ihren Mund, schloss ihn aber gleich wieder. Die unterschiedlichsten Bilder wirbelten durch ihren Kopf. Das Wohnzimmer mit den vielen Büchern, das kleine Bad von Eric mit der Badewanne, seine wunderschönen Eltern, der Vorgarten und die private Atmosphäre wechselten sich mit dem stechenden Blick Stefans, ihrem kalten, abweisenden Zimmer und der muffigen abgestandenen Luft ab – mit dem Ergebnis, dass sie noch mehr Angst bekam bei dem Gedanken, nicht mehr in die alte Wohnung zurück zu kehren.
Er würde sie umbringen, wenn er sie das nächste Mal in die Finger bekam!
Sie sagte das erste, was ihr in den Kopf kam. „Du wirst mich nicht immer beschützen können.“ Ihr kläglicher Versuch, ihm rational zu erklären, dass sie seinen Schutz nicht brauchte, scheiterte an ihrer zittrigen Stimme, und Eric missinterpretierte es als Angst. Er schob seine Hände tief in seine Hosentaschen und schaute sie ernsthaft an. „Ich werde mir die größte Mühe geben, das verspreche ich dir.“
Und obwohl er es nicht hatte sagen wollen, rutschte es ihm heraus. „Ich liebe dich, Lina!“
Sie erstarrte, vergaß fast zu atmen. Sie merkte, wie sich etwas in ihrem Inneren löste, und für einen winzig kleinen Moment verblasste alles um sie herum.
Es war das erste Mal, dass er es gesagt hatte, und plötzlich fühlte sie sich etwas besser.
Eric, der sich am liebsten verflucht hätte, sah, wie Lina plötzlich lächelte. Ganz schwach nur, aber es war immerhin das erste Lächeln seit Tagen, und schon bereute er es nicht mehr, die Worte ausgesprochen zu haben.
Er hatte bemerkt, wie wichtig sie ihm tatsächlich war, seitdem sie im Krankenhaus lag, und war sich seiner Gefühle sehr sicher. Er hatte sogar schon mit Sascha drüber gesprochen, der es kaum glauben konnte.
„Du bist sesshaft geworden, Alter!“
Dieses Gefühl hatte sich in Eric ausgebreitet und ihn mit Wärme erfüllt. Dennoch hatte er sich vorgenommen, es Lina nicht zu sagen, bevor sie wieder ein wenig stabiler war – er hatte Angst gehabt, sie mit seinen Gefühlen nur zusätzlich zu erdrücken – doch nun stellte er fest, dass es ihr sogar gut tat.
Grinsend setzte er sich wieder zu ihr. Zumindest für kurze Zeit hatte sich seine Rastlosigkeit gelegt.
Lina griff nach seiner Hand und drückte sie schwach. Das war der größte Liebesbeweis, den er von ihr erwarten konnte, und für den Moment fühlte sich alles richtig an.

****************************************************************

Advertisements

Hast du eine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s