Klischee?!, 01.09.2013

Hallo, liebe Leser!

Schon wieder ist eine Woche vorbei, unglaublich!
Nun haben wir schon September – den goldenen September, wie man so schön sagt! Hoffentlich holt er mich – oder eher gesagt uns alle – aus den Sommerblues heraus!

Diese Woche habe ich viel recherchiert und mich im Forum und bei Facebook ausgetauscht und vernetzt. Ich spiele mit dem ernsthaften Gedanken, nach einer Agentur zu suchen. Das würde dem Ganzen einen neuen, noch offizielleren Glanz verleihen, nicht wahr?

Zudem habe ich eine Diskussion verfolgt (und auch daran teilgenommen), in der es darum ging, welche Art von Aufmerksamkeit wir Autoren von unserem Umfeld erwarten können. Das Bild, das dort von uns gezeichnet wurde, fand ich sehr befremdlich, vielleicht sogar erschreckend. So möchte ich niemals werden – bevor es soweit kommt, dürft ihr mich gerne durchschütteln!
Der Diskussion zufolge wären wir Autoren ein einsames Völkchen, das sich immer mehr zurück zieht, nur über die eigenen Sachen reden und dann nicht nachvollziehen kann, warum das nicht auf Interesse stößt. Andersherum könnten wir kaum Interesse für unser Umfeld aufbringen. Erst, wenn wir akzeptieren würden, dass es nicht so wichtig ist, was unser direktes Umfeld denkt, und wenn wir uns für den spezifischen Austausch einschlägige Freunde gesucht hätten, könnten wir wieder eine Gelassenheit erlangen, die uns sympathischer für unser Umfeld macht.

Ähm. Ich bin ehrlich etwas erschüttert. Ich empfinde das als ein sehr klischeebehaftetes Denken. Wenn das von außen kommen würde – okay. Aber von Autoren selber?

Was haltet ihr von solchen Klischees? Kennt ihr welche über euch selbst (sofern ihr zum Beispiel einen bestimmten Beruf ausübt, aus einer bestimmten Wohngegend kommt oder ähnliches)? Wie viel ist wirklich an Klischees dran? Oder ist es uns selbst überlassen, wieviel wir davon dann, bewusst oder unbewusst, tatsächlich umsetzen?

Also ich erfülle sicherlich nicht das Klischee der Blondine (die ich rein biologisch gesehen bin), und das des zurück gezogenen Autors werde ich hoffentlich auch nicht erfüllen. Nicht jetzt, und auch nicht später. Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht der Typ für ein zurück gezogenes Leben bin.
Denn dafür rede ich zu gerne zu viel. Klischeehaft Frau.
So ganz kann man sich davon scheinbar doch nicht freisprechen. Grins.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ob hier oder bei Facebook, teilt mir doch die euch bekannten Klischees mit.

Nun aber weiterhin einen wunderschönen Sonntagabend. Viel Spaß beim Lesen – und habt einen guten Start in die Woche!

Fröhliche Grüße,

Emma

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– Vier –

Es war Montag, und Lina saß mit müden Augen im Deutschkursraum. Sie fischte sich die zerlesene Ausgabe der Maria Stuart aus ihrer Tasche und vertiefte sich in die Lektüre.
„Kulturelles Gut?“ Erics leise Stimme riss sie aus ihren Gedanken. Er hatte sich zu ihr hinüber gebeugt.
Lina roch sein Aftershave und wich kaum merklich zurück. „Aha, immerhin weißt du so viel.“ Ihre Stimme klang aggressiver als beabsichtigt.
Eric runzelte leicht die Stirn. „Ja, vielleicht hebe ich mich ja vom Rest der männlichen Spezies ab.“
Sie merkte, er versuchte sich einfach nur zu unterhalten – vermutlich genauso unberührt vom unspektakulären Verlauf der Deutschstunde wie sie – doch sie war einfach nicht dazu in der Lage, darauf einzugehen. Mit einem leichten Schulterzucken richtete sie ihren Blick wieder auf die Zeilen im Buch, ohne ein einziges weiteres Wort wahrnehmen zu können.
Sie spürte seine immer wieder zu ihr hinüberschweifenden Blicke wie kleine Nadelstiche und fragte sich, ob ihre katzige Reaktion tatsächlich effektiver sein würde als die schweigende Ignoranz.
Leicht fiel es ihr jedenfalls nicht, da sie trotz allem niemand war, der gerne unfreundlich zu anderen Menschen war, die ihr nichts getan hatten.
Schließlich hatte er das doch nicht, oder?
Die nachfolgenden Kurse, Geschichte und Pädagogik, hatte sie nicht gemeinsam mit Eric, und sie konnte dem Unterricht viel leichter folgen. Lina war eine überdurchschnittlich gute Schülerin, nicht zuletzt, da sie viel Zeit ins Lernen und Vorbereiten der Stunden steckte. Grund dafür war vor allem ihr selbst herbeigeführtes stagnierendes Sozialleben, das nicht viel weiter über schulische Kontakte hinausging. Nur selten ging sie abends mit Marina, einer der ganz wenigen Kontakte, die sie etwas näher pflegte, und einigen weiteren Mädels aus.
Hier und da nahm sie Gesprächsfetzen wahr, die sich allesamt um Eric drehten. Die Jungs fragten sich, was für ein Typ er wohl war, die Mädels unterhielten sich allesamt über seine „aufregende“ Attraktivität, über die Frage, ob er wohl Single sei und wie spannend es doch wäre, dass er ein Jahr in Amerika verbracht hatte.
Wie einfallsreich. Lina seufzte. So typisch Mädchen.
Wann das wohl aufhörte?
Auf dem Nachhauseweg plante sie in Gedanken den weiteren Verlauf des Tages – möglichst viel von der Sonne nutzen, möglichst wenig in der Wohnung sein. Im Grunde war sie froh, dass das neue Schuljahr begonnen hatte, da sie nun wieder mehr unterwegs sein würde, doch sie wusste noch nicht recht, was nun auf sie zukam. Das letzte Schuljahr. Die Prüfungen. Das alles schwebte wie ein Damoklesschwert über ihr.
Eric.
Aufgewühlt stieg sie die Treppen in den dritten Stock empor. Wie üblich war die Wohnung nachmittags leer, und kühle Stille schlug ihr entgegen. Nach einem kurzen Zögern entschied sie sich dazu, nicht wieder direkt nach draußen zu gehen – zu anstrengend war die Woche bisher gewesen – sondern ging in ihr Zimmer, zog die Vorhänge zu und ließ sich in ihr Bett fallen.
Unruhig drehte sie sich von einer Seite zur anderen. Ihre Gedanken wollten nicht zu Ruhe kommen, plagten sie immer wieder mit denselben Dingen. Bohrende Kopfschmerzen kündigten sich an, während sie verzweifelt versuchte, endlich etwas Ruhe zu finden.
Irgendwann, vermutlich gegen fünf Uhr, hörte Lina, wie ein Schlüssel sich in der Wohnungstür drehte. Es konnte nur ihre Mutter sein, die von ihrer Arbeit wieder kam.
Verkäuferin im Rewe um die Ecke, wie aufregend.
Sie war Linas Mahnmal, ein deutliches Zeichen dafür, was geschehen konnte, wenn man nicht viel Energie in die berufliche Zukunft investierte. Nicht ohne Grund hatte sie nach der Grundschule darauf bestanden, auf ein Gymnasium zu gehen, obwohl ihr jeder ihrer Lehrer geraten hatte, es bei der Realschule zu belassen. Keiner hatte ihr hohe Chancen zugesprochen, auf einem Gymnasium weit zu kommen, und niemand hatte mit guten Noten gerechnet.
Hah. Sie hatte es allen gezeigt. Von Anfang an.
Lina wollte mehr. Sie wollte weg, weg von allem, einfach irgendwo neu anfangen. Und dafür brauchte sie eine solide schulische Ausbildung. Ein Studium erschien ihr wie eine Fahrkarte in die Freiheit, doch leider erhielt man solche eben nicht einfach so. Seufzend schloss Lina wieder die Augen und versuchte, diesem mahlenden Gedankenstrom zu entkommen.
Um acht Uhr bekam sie langsam Hunger. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wann sie das letzte Mal etwas gegessen hatte, vermutlich zum Frühstück. Ihre Essgewohnheiten waren etwas, was anderen Eltern sicherlich Sorgen bereitet hätte. Ihre Mutter jedoch war viel zu sehr damit beschäftigt, sich ihre eigene Welt schön zu reden, als auch nur auf ein einziges, anderes Individuum achten zu können. Und was ihren Stiefvater anging…
Lina schüttelte den Kopf und schob diesen Gedanken energisch beiseite.
In der Wohnung war es gewohnt leer. Nur hinter der verschlossenen Tür des Wohnzimmers hörte man das leise Gemurmel des Fernsehers. Lina ging in die Küche und stellte nach einem Blick in die Schränke fest, dass es nicht viel gab, worauf sie Appetit hatte. Am liebsten wäre sie zu ihrem Lieblingsitaliener gegangen, doch ihr Portmonne war fast leer. Vieles hatte sie für den Schulanfang besorgen müssen, und das hatte einen Großteil ihres Monatslohns verschluckt. An ihre Ersparnisse würde sie für so ein triviales Bedürfnis wie Appetit nicht gehen.
Seufzend goss sie ein wenig kalte Milch über eine Schüssel Müsli, holte sich eine neue Flasche Wasser und trat den Rückweg auf ihr Zimmer an.
Kauend machte sie sich an die ersten Hausaufgaben.

Die weitere Woche verlief unspektakulär. Lina wechselte kaum ein Wort mit Eric, und nach seinem dritten erfolglosen Versuch, sie in ein Gespräch zu verwickeln, gab er auf. Er war ständig von Mitschülern umringt, die ihn zu allen möglichen Dingen befragten oder einfach nur in seiner Nähe sein wollten – zu Linas Freude, denn so hatte er weniger Zeit dafür, ihr Aufmerksamkeit zu schenken.
Der exotische Neue, dachte sie spöttisch und ging erhobenen Hauptes an ihm vorbei, als er, wieder einmal von Mädchen umringt, am Freitagnachmittag das Wochenende beginnen wollte. Sie sah, dass er ihr einen Blick zuwarf. Vermutlich wünschte er sich mittlerweile, jede wäre so abweisend wie sie. Nein. Lina schüttelte den Kopf. Mit Sicherheit genoss er die Aufmerksamkeit.
Mister Sunnyboy, der ständig von Fans umringt ist. Mit ironischem Lachen verließ sie die Schule.
Das Wochenende lag vor ihr. Langsam wich das Lachen aus ihren Zügen, ein verbitterter Zug legte sich um ihre Mundwinkel. Am Wochenende musste sie immer besonders aufpassen, am besten so wenig wie möglich Zuhause sein.
Ob Marina und die Mädels mal wieder Lust hatten, etwas zu unternehmen? Lina bezweifelte, dass man sie sofort fragen würde, die letzten Male hatte sie immer abgesagt.
Heute Abend würde sie jedenfalls erst einmal arbeiten gehen. Der Freitag war also verplant. Und der Rest – der würde sich schon ergeben.

Eric verstand nicht, wieso Lina ihn so dermaßen zu verachten schien. Natürlich erwartete er nicht, dass sie sich ihm ebenso an den Hals schmiss wie die anderen weiblichen Wesen der Schule – Gott bewahre, das war auch gut so – aber dass sie nicht einmal ein normales Wort mit ihm reden wollte, das verstand er wirklich nicht.
(Genauso wenig wie er verstand, dass ihn das überhaupt interessierte.)
Normalerweise könnte er sich einfach damit abfinden, immerhin gab es definitiv genug andere Mitschüler, die um seine Aufmerksamkeit lechzten, doch ihre kühle, abweisende, manchmal sogar aggressive Art war ihm dermaßen ein Rätsel, dass er mit jeder Faser seines Körpers wünschte, den Grund dafür herauszufinden.
Nur wie, wenn sie nicht mit ihm redete, ja sogar nur herablassend den Kopf schüttelte, sobald sie ihn sah?
Wenn sie überhaupt reagierte.
Das war es, was er noch weniger verstand. Dieser Wechsel zwischen Schüchternheit und Arroganz. Oder Inoranz und Aggressivität. Ja, manchmal hatte die Art und Weise, wie sie ihr Kinn reckte, etwas herausfordernd aggressives an sich.
Vielleicht hatte es ja doch ein wenig mit verletztem Stolz zu tun – und es fiel Eric sehr schwer, das zuzugeben – weil er es nicht schaffte, Lina für sich zu erwärmen.
Nein, dachte er. Mit Stolz hatte es nichts zu tun.
Oder war es eine Art Herausforderung für ihn, die abweisende Lina zu knacken?
Das passte schon eher, ging es ihm durch den Kopf. Er hatte im Verlauf der letzten beiden Wochen immer wieder versucht, etwas über sie herauszufinden, doch die meisten seiner neuen Mitschüler konnten ihm nur bruchstückhaft etwas über sie erzählen. Es schien, als wäre er nicht der einzige, der nicht an sie herankam – mit dem Unterschied, dass er definitiv die einzige Person war, die so konsequent missachtet wurde. Mit den anderen redete sie schließlich – wenn auch offensichtlich nur über unwichtige, irrelevante Themen.
Ja, dieses Mädchen scheint ihre private Seite ziemlich deutlich von allen abschirmen zu wollen. Aber wieso?
„Eric, du Träumer!“
Die Stimme seiner Mutter riss ihn aus seinen Gedanken.
Sie standen in der Küche und bereiteten gerade das Abendessen vor.
„Du bist so abwesend – ist heute in der Schule irgendetwas Besonderes passiert?“
„Nein… nein. Eigentlich nicht“, begann er, überlegte es sich dann jedoch anders. „Zumindest nicht mehr als sonst. Ich hatte Dir doch von dem einen Mädchen erzählt, Lina…“
„Die, die dich so abweisend behandelt?“ Seine Mutter klang leicht amüsiert. Die kleinen Lachfältchen, die er so gerne sah, bildeten sich in ihren Augenwinkeln.
„Ja, genau die. Weißt Du, ich verstehe das einfach nicht…“
„ Du verstehst nicht, wieso Du sie mit deinem grenzenlosen Charme nicht schon längst um den Finger gewickelt hast, hm?“
„Mama…“ Eric spannte seinen Kiefer an. „Das ist es nicht. Sie ist mir einfach ein Rätsel, und ich weiß nicht was ich ihr getan haben könnte.“
„Ach Eric…“ Eva seufzte auf. „Wer weiß, was in ihrem Kopf vorgeht. Mädchen in dem Alter können ziemlich schwierig sein. Glaub mir, ich spreche aus Erfahrung.“ Sie tippte an ihre Stirn und lachte auf. „Vermutlich hat es nichts mit dir persönlich zu tun. Wer weiß, vielleicht erinnerst Du sie an irgendwen. Oder sie findet dich sehr attraktiv, kann das aber nicht zeigen oder sich eingestehen. Und vielleicht empfindet sie tatsächlich eine Ablehnung Dir gegenüber, die nicht logisch zu erklären ist. Wer weiß das alles schon?“
„Hmpf“, brummelte Eric vor sich hin. Eine unerklärliche Abneigung? Das passte ihm nicht. „Eins steht fest: wenn sie mich dadurch fern halten will, schafft sie es jedenfalls nicht. Immerhin denke ich viel darüber nach. Sie sollte sich besser wie die ganzen anderen sabbernden Mädchen an meinen Hals schmeißen, dann würde ich sie ignorieren.“ Wütend schmiss er die restlichen Tomaten in den Salat.
Gemeinsam trugen sie die Schüssel und das frische Baguette in das Esszimmer. Frisch aus dem Ofen duftete es herrlich köstlich.
Seine Mutter schmunzelte. „Bist Du dir da so sicher? Eric der Herzensbrecher.“ Vergnügt lachte sie auf.
„Haha“, erwiderte er trocken, musste aber selber grinsen.
„Und was hat der Herzensbrecher heute Abend vor?“
„Ich weiß es noch nicht… vielleicht ein wenig ausgehen… irgendetwas wird es wohl am Freitagabend zu tun geben. Du weißt schon, Mädels um den Verstand bringen und so.“
Eva schlug ihm spielerisch gegen die Schulter und rief gleichzeitig: „Essen ist fertig!“.
Erics Vater kam aus dem Arbeitszimmer, und sie begannen zu essen.

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