Offenbarung, 28.07.2013

Hallo, liebe Welt.

Ich habe mich in den vergangenen Tagen intensiv mit dem Gedanken beschäftigt,was ich mit euch teilen könnte. Die Auswahl fiel mir nicht leicht, da es verschiedene Projekte gibt, an denen ich arbeite, jeweils in unterschiedlich fortgeschrittenen Stadien. Zunächst entschied ich mich für „Jana“ – jene Geschichte, die ich damals schon einmal versucht hatte einzusenden. Aber das ist eine Geschichte von „damals“, geschrieben von einem jüngeren Ich. Sie ist mir sehr wichtig und ich hoffe sehr, dass sie eines Tages ihren Weg in die Hände und Herzen von jungen Lesern finden wird, doch sie spiegelt nicht meinen weiterentwickelten Stil, nicht das „heute“ wider.
Ich folgte meinem Herzen: „Lina“. Dies ist eine Geschichte, die mir ganz besonders wichtig ist. Ich arbeite schon sehr lange daran und sie ist, wenn auch noch nicht fertig, so doch auf jeden Fall sehr weit fortgeschritten. Ich kann reinen Herzens behaupten, dass mir diese Geschichte wohl am wichtigsten ist. Dementsprechend bin ich natürlich auch sehr angespannt und aufgeregt, weil ich diesen Weg gehe. Lina mit Euch zu teilen bedeutet mir wirklich sehr viel, und ich hoffe, dass ihr das aus den Zeilen heraus lesen könnt.

Ich werde das erste Kapitel veröffentlichen. Lest es euch einfach durch und gebt, wenn ihr mögt, eure Meinung dazu ab. Ich bin jedenfalls sehr gespannt auf eure Reaktionen. Viel mehr möchte ich nun auch gar nicht dazu sagen.

Außer: Viel Spaß beim Lesen!

****************************************************************

– Eins –

Es war ein Morgen wie jeder andere auch. Noch bevor der Wecker klingelte, war Lina schon das erste Mal wach. Fünf Uhr morgens. Sie hörte, wie etwas durch die Wohnung polterte.
Nicht etwas. Jemand.
Stefan stand auf, er musste zur Arbeit.
Lina zog die Decke noch ein Stück weiter über den Kopf, ihr persönliches Schutzschild, ihre Sichtblende, die die Wirklichkeit ausschloss.
Wie jedes Mal, wenn sie seine schweren Schritte hörte, schlug ihr Herz ein wenig schneller. Jedes Mal, auch wenn sie wusste dass ihm dafür keine Zeit blieb, befürchtete sie, seine Schritte würden ihn immer näher an ihre Zimmertür bringen. Immer näher, in ihr Zimmer hinein.
Doch während sie erstarrt auf Geräusche lauschte, hörte sie seine schlurfenden Füße ins Badezimmer treten.
Lina entspannte sich.
Ein Blick auf die Leuchtanzeige ihres Weckers zeigte ihr, dass sie nun noch zwei Stunden schlafen konnte. Seufzend drehte sie sich auf die Seite und starrte in die Dunkelheit.
Wenn das Schlafen nur so einfach wäre, schoss es ihr durch den Kopf.
Schlaf ist ein Grundbedürfnis des Menschen. Im Schlaf kann der Körper sich erholen, Kräfte regenerieren und Erfahrungen, die im Unterbewusstsein abgespeichert wurden, verarbeiten. Aufbereiten wie eine Mahlzeit, einzelne Erinnerungsbruchstücke zusammenwerfen wie die Zutaten eines bunten Salates, durcheinander würfeln, das Dressing der Nacht drüber gießen und dann in neuer Zusammenstellung genießen.
Schlaf.
Es waren diese Stunden des Tages, die Lina am meisten fürchtete. Wenn es dunkel wurde, fühlte sie sich ungeschützt. Schutzlos musste sie sich den Gefahren des Gedächtnisses hingeben, oder, schlimmer noch…
Lina schüttelte den Kopf. Sie wollte, sie durfte jetzt nicht darüber nachdenken, sonst
(nein, nein, nein, bitte lass mich einfach daliegen, lass die Zeit vergehen)
würde es wieder ein schlechter Tag.
Sie lachte lautlos auf, bitter. Als wenn nicht acht von zehn Tagen immerzu schlecht wären.
Schritte auf dem Flur.
Sie erstarrte. Zog sich noch weiter unter die Decke zurück. Diesmal wusste sie intuitiv, dass er nicht weiter gehen würde. Sie lauschte dem Knarzen der Bretter, seinen schlurfenden Schritten, konnte sich vor ihrem inneren Auge ausmalen, wo er sich gerade befand. Er passierte die Kommode im Flur, zwei Schritte noch, jetzt stand er vor ihrer Tür. Fast schon bildete sie sich ein, seinen schweren Atem zu hören. Sein Keuchen.
Mit dem Gesicht zur Wand, die Augen fest geschlossen, lag sie zusammengerollt wie ein Fötus, Schutz suchend unter ihrer Decke, und versuchte, die Realität zu verdrängen. Während die Tür sich leise öffnete, kein Knarren, dafür hatte er schon lange gesorgt, wurde das Rauschen in ihrem Kopf immer lauter, lauter, lauter. Ein schmaler Lichtstreifen schob sich durch den geöffneten Türspalt, wanderte zu ihrem Bett und umspielte ihre verhüllten Rundungen. In einem Moment unerträglicher Spannung hörte sie tatsächlich
(sein Keuchen!)
seinen schweren Atem, spürte seine Anwesenheit, roch sein billiges Rasierwasser und hörte ihn Luft holen, hörte wie er ihr etwas zu sagen hatte.
„Schlaf gut, mein Engel.“
Noch leiser als zuvor schloss er die Tür, und Lina, deren Magen sich verkrampfte, flossen heiße Tränen über die Wangen.
Schlaf gut, mein Engel.
Heute würde ein schlechter Tag werden.

****************************************************************

Advertisements

Hast du eine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s