Ohne Schnickschnack, 30.01.2014

Hallo ihr Lieben!

Da ich euch ja bereits gestern mein Herz ausgeschüttet habe, gibt es heute ohne ganz viel Schnickschnack die Fortsetzung.
Falls ihr den gestrigen Beitrag noch nicht gelesen habt lade ich euch herzlich ein, das nachzuholen. Er liegt mir sehr am Herzen.

Jetzt wünsche ich euch jedenfalls viel Spaß mit Lina und Eric – und noch einen schönen Tag!!

Alles Liebe,

eure Emma

****************************************************************

– Dreizehn –

Als es am frühen Vormittag des nächsten Tages an der Haustür klingelte, war Lina wieder einmal alleine. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung, als ein Blick durch den Spion Erics unsicheres Lächeln zeigte. Freude und Anspannung zerrten aneinander. Nur kurz dachte sie an ihre schlabberigen, aber dafür auch bequemen Klamotten, strich sich das Haar aus der Stirn und öffnete ihm die Tür.
„Hey!“, begrüßte Eric sie erfreut, als er sie sah. Ein wenig unschlüssig trat er von einem Bein auf das andere
(ein vollkommen unbekanntes Gefühl, diese Unsicherheit!)
machte schließlich einen Schritt auf sie zu und nahm sie in den Arm.
Linas Blick huschte unruhig hin und her – niemand auf dem Flur, der sie sehen und an Stefan verpetzen konnte, oder?
Eric nahm ihre Unruhe wahr, packte sie sanft an die Schultern und schaute ihr prüfend in die Augen. „Alles okay?“
„Ja…“, antwortete Lina unbestimmt. Okay, nicht okay – was bedeutete das schon? In ihrem Zusammenhang waren das luftleere Floskeln ohne Bedeutung. Okay war sie niemals, oder fast nie. Aber das würde sie natürlich so nicht sagen.
„Und, lässt du mich rein oder bleiben wir im Flur stehen?“, versuchte Eric locker zu fragen, doch seine Augen blickten sie ernst an.
Lina trat einen Schritt zurück in die Wohnung. „Ja, von mir aus, komm herein.“
„Bist du alleine?“, fragte er, als er in die Stille der Wohnung lauschte.
„Ja.“
(Zum Glück)
„Gut. Okay.“ Es passte ihm nicht, in dieser Wohnung zu sein, egal ob alleine oder nicht. Hier war die Anspannung immer viel zu groß, Lina einfach nur still und eingeschüchtert und… eben Lina. Ganz und gar nicht entspannt, so wie bei ihm Zuhause.
Sie gingen hinüber in ihr Zimmer. Als sein Blick auf ihre vielen Lernsachen fiel, die sich über den ganzen Schreibtisch ausbreiteten, bekam er automatisch ein schlechtes Gewissen. Er hatte noch immer nicht begonnen zu wiederholen.
„Aha, fleißig wie immer.“
Lina zuckte unbehaglich mit ihren Schultern.
„Man könnte meinen du machst Zuhause nichts anderes.“ Eric grinste sie schief an. „Ich fürchte ich sollte auch mal anfangen… wenn ich nur wüsste wo.“
„Ja, es wird vielleicht so langsam Zeit. In welchen Fächern schreibst du?“
„Leistungskurse Mathe und Englisch, Grundkurs schriftlich Deutsch und mündlich Geschichte.“
„Englisch und Deutsch ist bei uns gleich. Wenn du magst, können wir mal zusammen lernen…“ Lina wurde rot. Hatte sie das tatsächlich gesagt? Hatte sie ihm angeboten gemeinsam zu lernen? Von sich aus?
Er hält dich für einen unverbesserlichen Streber! Wow, ein gemeinsames Date, und du schlägst lernen vor?
Doch Eric strahlte sie an. „Sehr, sehr gerne.“ Sein Herz klopfte freudig. Das erste Mal, dass sie von alleine vorgeschlagen hatte, etwas gemeinsames zu tun. Das war ihm sofort aufgefallen. Und selbst wenn sie gefragt hätte, ob sie zusammen einen Schweinestall ausmisten wollten, er hätte ja gesagt. Nun ging er jedoch energisch zum Schreibtisch und schloss das offene Buch. „Ich nehme mal an, du hast heute noch keine frische Luft abbekommen, oder?“
Lina schüttelte leicht den Kopf.
„Na, dann wird‘s Zeit. Pack dich warm ein, wir machen einen Spaziergang!“ Zum einen erleichtert darüber, dass er etwas Sinnvolles mit ihr machen konnte, zum anderen froh, endlich wieder aus der Wohnung raus zu kommen
(auch wenn er deshalb ein schlechtes Gewissen hatte)
schob er seine Hände in die Taschen und verließ den Raum, um ihr genügend Privatsphäre zu lassen.
Lina war ebenso erleichtert. Sie hätte es vermutlich nicht übers Herz gebracht, Eric aus dem Haus zu komplimentieren, und hätte sich deshalb, sobald Stefan gekommen wäre, ernsthafte Schwierigkeiten eingebrockt. So konnte sie nun Zeit mit Eric verbringen, ohne dass es zusätzlichen Ärger gab. Außerdem mochte sie es nicht, wenn Eric in dieser blöden Wohnung war.
Nein, das mochte sie wirklich nicht.
Als sie warm verpackt zu ihm in den Flur ging, schaute er sie freundlich an. Es tat gut, viel zu gut, wie er nach ihrer Hand griff und sie hinaus in die Wintersonne führte. Der Schnee knirschte unter ihren Schuhen und die kalte Luft trieb die Röte in ihre Wangen. Sie fühlte sich auf einmal viel lebendiger. Noch immer hielt Eric ihre Hand fest im Griff.
„Unglaublich, wie lange der Schnee schon liegt, nicht wahr?“, fragte Eric und kickte in einen kleinen Haufen. Schnee flog glitzernd durch die Luft.
„Ja. Und es soll noch lange so bleiben. Am Wochenende soll es sogar wieder schneien.“
„Stimmt, das hat es ja auch schon wirklich lange nicht mehr.“, brummelte er. Lina lachte.
Ohne groß nachzudenken, steuerte sie den Park an, der etwa fünfzehn Minuten Gehweg von ihrer Wohnung entfernt lag. Eric ließ sich von ihr führen, schließlich kannte er sich in dieser Gegend kaum aus.
„Hier gehe ich oft hin, wenn ich mal raus aus dem allen muss.“, gab Lina zu, als sie über den nur von einzelnen Spuren durchzogenen Weg gingen, der sich quer durch die Grünfläche schlängelte. Eric drückte einmal fest ihre Hand.
Ohne zu wissen warum verspürte Lina plötzlich das dringende Bedürfnis, Eric ihren Rückzugsort zu zeigen. Langsam steuerte sie die alte Trauerweide und die darunter versteckte Bank an. Durch die vielen Äste war die Sitzfläche nur von wenig Schnee bedeckt, und Eric, der verstand, dass sie ein wenig hier bleiben wollte, fegte das weiße Puder zur Seite. Vorsichtig darauf bedacht, auf den Mänteln zu sitzen, ließen sie sich schließlich nieder.
Eine Weile schwiegen sie. Lina hing ihren Erinnerungen an die vielen Male, die sie hier schon Zuflucht gesucht hatte, nach, und Eric fragte sich, was er nun sagen sollte. Seine Hand tastete nach dem kleinen Paket, das sicher in seiner rechten Jackentasche steckte.
Schließlich schaute Lina ihn mit undefinierbar glitzernden Augen an. „Wenn der Baum Blätter trägt, sieht man diese Bank kaum. Ein perfektes, kleines Versteck, wenn man seine Ruhe haben möchte.“
„Bist du oft hier?“
„Häufig, ja. Aber nur selten im Winter.“ Lina lachte leise auf. „Es ist mein geheimer Rückzugsort.“
Eric verstand. „Danke“, murmelte er. Er wusste, es war eine Form des Vertrauensbeweises, dass sie ihm diesen Ort zeigte.
Seufzend lehnte Lina sich an seine Schulter. „Es tut gut, draußen zu sein. Es war eine tolle Idee von dir, einen Spaziergang zu machen.“
Eric blinzelte sie an. „Ich weiß.“ Wieder spielte er mit dem Päckchen, und fasste den Entschluss, es ihr jetzt zu geben. Er konnte es kaum noch erwarten. „Du, Lina…“
„Ja?“, fragte sie erwartungsvoll.
„Ich habe etwas für dich.“ Behutsam zog er das kleine, mit einer roten Schleife umhüllte Paket hervor.
Ihr Gesicht begann zu brennen. „Wozu das denn?“
„Einfach so.“ Er drückte es ihr unbarmherzig in die Hand. „Nimm es, bitte.“
„Aber, ich…“
„Kein Aber.“ Eric musste schmunzeln, so sehr wie Lina sich wand.
Lina seufzte auf. Mit feuerroten Wangen und klammen Fingern zog sie sich die Handschuhe aus und fummelte zittrig an dem Paket herum.
Wieso tut er das? Wieso schenkt er mir so viel? Der Elfenanhänger lag schwer auf ihrer Brust.
Eric beobachtete sie gespannt, und als sie schließlich das Papier entfernt hatte, genoss er ihren überraschten Aufschrei.
„Was?“ Lina blickte ungläubig den kleinen, schlanken Gegenstand an. „Bist du verrückt?“
Eric musste lachen. „Nein, verliebt.“
Lina drehte das Handy hin und her.
Eindeutig keine Attrappe.
Eric nahm es ihr aus der Hand und startete es, bevor er seinen Arm um ihre Schulter legte. „Einige Nummern habe ich schon eingespeichert, vor allem meine. Es ist ein ganz normales Prepaidhandy, aber es hat dasselbe Netz wie meines. Ich habe eine Flatrate, kann dich also immer kostenlos anrufen, wenn du das möchtest.“
Noch immer sagte Lina nichts, sie konnte es kaum fassen.
„Mir gefiel der Gedanke nicht, dass ich dich nicht erreichen kann, wenn ich das möchte – und umgekehrt. Außerdem möchte ich ja vielleicht abends mal deine Stimme hören, wenn wir uns nicht sehen. Im Grunde kannst du es also Eigennutz nennen.“
Wie betäubt drehte Lina sich zu ihm. „Du bist wirklich verrückt“, flüsterte sie. Dennoch nagte ein Lächeln an ihren Mundwinkeln. Erfolglos kämpfte sie dagegen an. „Danke!“ Ihre Stimme bebte, und als Eric sah, wie sich Tränen in ihren Augen sammelten, wurde er richtig verlegen. „Na komm, es ist doch nicht die Welt.“
Lina presste ihr Gesicht an seine Brust. „Doch, für mich schon.“

Es vibrierte in ihrer rechten Hosentasche. Lina zuckte zusammen. Das war vollkommen ungewohnt, neu für sie. Aufgeregt zog sie das Handy hervor und nahm den Anruf an. „Ja?“
„Ich wollte nur schauen, ob es funktioniert.“
Lina begann zu lächeln. „Offensichtlich schon, und bedienen kann ich es auch.“
Ein Lachen kam vom anderen Ende der Leitung. „Super.“
„Eric, du bist gerade erst gegangen. Wo steckst du?“
„Ich sitze unten im Auto und würde am liebsten wieder hochkommen.“
Lina seufzte leise, ganz sachte auf. Sie hatten stundenlang auf der Bank gesessen, zumindest hatte es sich so angefühlt, und wechselweise miteinander geredet oder einfach nur entspannt geschwiegen. Es war gut gewesen, Eric ihren Rückzugsort zu zeigen, und er hatte sich vernünftig und ruhig verhalten – so als würden sie beide kurz eine Auszeit von der Welt nehmen.
Ein einziges Mal hatte er sie geküsst, als sie den Park wieder verlassen wollten, und so sehr es in dem Moment auch gekribbelt hatte – Lina war dankbar, dass er es dabei belassen hatte.
Als würde er spüren, dass sie Zeit benötigte, eine Menge Zeit…
„Sehen wir uns morgen?“, ertönte Erics warme Stimme.
Lina überlegte kurz, versuchte sich Worte zurecht zu legen, und antwortete dann ehrlich: „Ich weiß es nicht, tun wir es?“
Wieder das schöne Lachen. „Ja. Ist nur die Frage, ob alleine oder mit den Amis.“
„Das kannst du ruhig entscheiden, mir ist beides Recht.“
„Okay. Ich melde mich dann nochmal.“
„Gut.“ Ein kurzes Zögern. „Und jetzt fahr los, bevor du festfrierst.“
(oder jemand ihn sah, der es besser nicht sollte…)
„Also gut. Dann bis morgen!“
„Bis morgen.“
Ein Klicken, und das Gespräch war beendet.

Advertisements

Hast du eine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s