Stereotypen – na und?!, 15.01.2013

Ihr Lieben!
Das ein oder andere Mal habe ich ja schon persönliche Blogeinträge geschrieben; solche, die nicht direkt mit der Fortsetzung meiner Geschichten zusammen hängen, vielleicht aber dennoch mit meinem Wunsch Autorin zu werden. Bestimmte Themen haben mich dazu gebracht, ein wenig zu philosophieren, ein paar Fragen in den Raum zu werfen und dabei nicht nur einmal laut vor mich her zu murmeln, während ich meinen Fingern diktierte, was sie tippen sollen. Emsige kleine Dinger sind das, muss ich zugeben, und sehr flink, selbst wenn ich nur ein halbes Zehn-Finger-Tippen beherrsche. Vornehmlich meine Daumen, Zeigefinger, Mittelfinger und mein rechter Ringfinger beteiligen sich am großen Ganzen. Die restlichen drei sind nur applaudierendes Beiwerk.

Ach herrje, ich schweife schon ab, und das ganz zu Beginn des Blogeintrages. Witzigerweise will ich mich gerade heute mit den weiblichen Stereotypen beschäftigen, die ich erfülle… Und dann ist der Grund meines Abschweifens auch noch meine Finger! Obwohl sie ja bei reiflicher Überlegung durchaus wichtig sind für mich.

Also gut. Liebe Finger, beschäftigen wir uns mit meinen Stereotypen. Ich sollte dazu einfach einen kurzen Blick durch die Wohnung schweifen lassen, und schon fallen mir hundert Sachen ein, mit denen ich ganz mädchenhaft mich selbst und vor allem auch meinen Freund um den Verstand bringen kann. Ich versuche gar nicht erst, eine Art Ranking zu erstellen, denn das Für und Wider, welche Marotte welchen Platz verdient hätte, würde nicht nur mich anstrengen und langweilen, sondern auch euch. Selbst während ich diesen Satz schreibe, überlege ich hin und her, was bei mir an erster Stelle stehen könnte
(ist es nicht herrlich, wie inkonsequent ich selbst im Unterbewusstsein bin?)
und deshalb versuche ich, dem ganzen schnell ein Ende zu setzen.

Ich fange stumpf mit einem aktuellen Thema an: Pflegeartikel. Bei mir sind es insbesondere Duschgele aller Art und Nagellack. Aktuell ist das Thema deshalb, weil ich vor gar nicht allzu langer Zeit eine beleidigte Diskussion mit meinem Freund führen musste. Vielleicht wäre es an dieser Stelle wichtig zu erwähnen, dass wir eine gemeinsame Wohnung haben. Genau genommen haben wir also jeweils 50% Entscheidungskraft bei allem, angefangen von der Position der Mülleimer und der farblichen Gestaltung der einzelnen Räume bis hin zur Einrichtung. So weit so gut, meistens hat es geklappt. Aber als ich verschlafen am Silvestermorgen aus dem Bett kam, war mein Freund schon eine Weile wach und werkelte im Bad herum. Als ich neugierig durch die Tür lugte, erstarrte ich. Erst vor Überraschung, dann vor Schreck, dann vor aufkeimender, selbstgerechter Wut. Die Fensterbank, die bisher von meinen (hüstel) 53 Fläschchen verschiedenstfarbiger Nagellacke geziert wurde, war leer. Nun ja, fast leer. Bunte, unförmige, nicht zusammenpassende Kisten standen darauf, zwei Stück, und in ihnen mein Nagellack.
Einfach so verstaut.
Ich war sauer!
Sein Kommentar: „Die sahen so unordentlich aus. Und unpraktisch waren die auch, beim Putzen und so. Und eigentlich haben sie mich genervt.“

Könnt ihr euch vorstellen, wie es mir ging? Meine Haare standen mir Löwenmäßig zu Berge, Zeugen meiner unruhigen Träume, meine Gesichtszüge waren entgleist – und meine Augen feuerten spitze Blitze. Leider prallten sie an der Gelassenheit meines Freundes ab. Ich wusste nicht was ich sagen sollte, wusste nur eins: Es nervte mich TIERISCH, dass der Nagellack dort nicht mehr stand. Gut, sie waren weder nach Farbe noch nach Größe sortiert gewesen und herrlich durcheinander, vielleicht waren sie auch Staubfänger – aber sie waren mein Vorzeigematerial, ich konnte sie morgens beim Zähneputzen betrachten und direkt überlegen, welche Farbe als nächstes meine Nägel zieren sollte. Sie brachten Farbe in den Fliesenraum und – einfach so. Aus Prinzip. Anstatt all diese logischen Gründe vorzubringen, anstatt zu erklären, dass ich es nett gefunden hätte, wenn er mich bei dieser Entscheidung eingebunden hätte – anstatt all diesen möglichen, logisch nachvollziehbaren Argumenten, brachte ich nur eines hervor: „Na und, deine blöden Autos im Wohnzimmerregal stören mich auch, und da sage ich auch nix zu!“ Bäm. Schweigen. Selbstgerecht rauschte ich davon, verweigerte aber auch, den Nagellack wieder dorthin zu räumen, wo er hingehörte. Ich nahm die Dosen und brachte sie beleidigt weg.

Kurz am Rande: Die Autos stören mich nicht sonderlich. Ich finde sie nicht toll, aber sie nerven auch nicht. Sie sind mir irgendwie egal. Ich war einfach nur Mädchen. Trotzreaktion hoch zehn, einfach aus Prinzip. Wie unsäglich typisch!
Um das Ganze abzukürzen: Die Lackfläschchen stehen nun in einem riesigen Regalfach (das mein Freund mir abgegeben hat, wir haben die Stellflächen immer hübsch geteilt, 50/50). Zwar im Arbeitszimmer, also nicht immer sichtbar, aber dafür deutlich mehr aufgeteilt, mit viel mehr Platz zum Glänzen und Funkeln. Die Gefahr, bestimmte Farben zu vergessen, frei nach dem Motto „Aus den Augen, aus dem Sinn“ besteht nicht.

Wobei wir auch schon bei einer perfekten Überleitung zum nächsten Thema angelangt sind. Meine Taschen. Und eigentlich auch meine Schuhe.
Im Verlauf der Jahre – insbesondere in jenen, wo ich angefangen habe Geld zu verdienen – haben sich mein Schuh- und mein Taschensortiment auf eine leicht unübersichtliche Menge vergrößert. Bei diesem Euphemismus höre ich meinen Freund schon lachen. Von weitem. Durch die Wand. Im Keller. Immer wieder versucht er mir Kaufverbote zu erteilen, weil ich doch schon genug hätte, oder bittet mich, meinen nächsten Schuhkaufrausch vielleicht einfach auf einen Schuhschrank beschränken könnte? Systematisch habe ich ihn und seine wirklich riesigen Schuhe auf ein Mindestmaß an Platz reduziert, um meine irgendwie unterbringen zu können. Und während er sich verzweifelt die Haare rauft, bummle ich schon wieder durch meinen liebsten Schuhladen, dessen Name ich nicht nennen möchte, der aber mit T anfängt und auf „amaris“ endet. Meine Versuche, das Arbeitszimmer in einen begehbaren Kleiderschrank umzuwandeln wurden bisher im Keim erstickt. In dieser Wohnung wird das wohl nichts mehr, aber bei einem weiteren Umzug… sagen wir es mal so. Er kriegt sein Spielzimmer, wenn ich ein Ankleidezimmer bekomme. Wobei das Ankleidezimmer vorgeht. Behaupte ich jetzt mal.

Hey, man darf doch träumen, oder?

Ich muss kurz innehalten, durchatmen, überlegen. Duschgele (die habe ich nicht direkt erwähnt, aber vielleicht reicht es, wenn ich sage, dass seinen zwei Duschflaschen etwa zehn von mir gegenüber stehen?), Nagellacke, meine Mädchenart, Schuhe, Taschen… ganz schön viel und vor allem ganz schön typisch, nicht wahr?

Ich sammele zudem auch gerne Tücher und Schals aller Art. Und ich bin sehr ungeduldig. Wenn ich etwas will, dann am besten direkt vorgestern. Entscheidungen fälle ich intuitiv aus dem Bauch heraus und dementsprechend schnell, ein Grund, warum ich vieles viel schneller will, als es gut für mich wäre. Gott sei Dank habe ich mich – um mal was Positives zu sagen – bei allen wichtigen Sachen wirklich im Griff. Da kann sich dann auch eine Meinung mal ändern. Ebenso bei lebenswichtigen Sachen, wie auch bei den lebensverschönernden Sachen. Oh, ich denke da an die schöne Liebeskindtasche in der Farbe „forest“, die mir immer wieder zulächelt und selbst jetzt mit dem dicken Sale-Siegel immer noch viel zu teuer ist… seufz.

Ich höre besser auf. Themenwechsel, strich unter die Mode, nächste Stereotype. Spinnen. Ich HASSE sie. Und ich meine wirklich Hass. Früher habe ich mich einfach nur geekelt, aber jetzt… ich kriege die Krise, wenn so ein Vieh über mich krabbelt oder auch nur einen Meter entfernt von mir an der Wand sitzt. Oder in der gegenüberliegenden Ecke… zu oft sind mir die Dinger schon irgendwo her gekrabbelt, beim Versuch sie zu entfernen ins Bett gefallen oder ähnliches. Ich führe Krieg gegen sie, wenn auch einen freundlichen. Als typisches Mädchen mit großen Herz mag ich nämlich nicht einmal die Tiere töten. Die können doch auch nichts dafür, dass sie so ekelig sind…

Aussage genug ist ja zum Beispiel auch, dass ich eine Ausbildung im sozialen Bereich gewählt habe, ganz automatisch, ohne darüber nachzudenken. Erst jetzt beginne ich festzustellen, dass da noch mehr ist, über meinem Tellerrand hinaus, was es zu erkunden und zu meistern gilt.

Ich habe immer gesagt, dass ich zumindest im künstlerischen Bereich nicht veranlagt bin (um nicht zu sagen: völlig unfähig), also wenigstens in dem Bereich kein Klischee erfülle. Bis mir jemand sagte, dass auch Schreiben hierzu zählt. Da gingen mir leider die Argumente aus.

Typisch ist auch irgendwie mein nicht enden wollender Wunsch, zu reden. Ich liebe es zu quatschen – und da geht es nicht nur darum, meine eigene Stimme hören zu wollen, oh nein, ich will mit anderen reden. Selbst jetzt rede ich ja mit euch, so gesehen. Ich rede, ohne Punkt und Komma, und ich schweife schnell ab – siehe oben!! Meine Eltern haben schon früh begonnen, diese hektische, unwirsche Handbewegung zu machen um mir deutlich zu signalisieren: Komm auf den Punkt! Aber für das ellenlange Quatschen habe ich ja meinen Freund, den ich stets zuplappern kann, meine Freunde – und euch. In mündlicher Form ebenso wie in schriftlicher, und das nicht für den Papierkorb, will ich doch hoffen!
Einen letzten Punkt hole ich noch hervor, seziere ihn in aller Öffentlichkeit, um deutlich zu machen, wie typisch ich doch in vielen Bereichen bin (und das meine ich für den Moment ganz neutral, als reine Feststellung): meine Emotionalität. Ich lebe wohl ganz nach dem Motto „Himmelhoch jauchzend; zum Tode betrübt; Glücklich allein; Ist die Seele, die liebt.“, wie Goethe es einst so schön formulierte. Ich lebe und liebe voller Inbrunst. Ich habe ein volles Herz aus dem ich schöpfe, und ich nutze all mein Kapital aus. Das kann gut sein – in der Liebe, in der Freundschaft, wenn Freudentränen über meine Wange sprießen und ich Krämpfe in den Mundwinkeln bekomme vor vielem Lächeln. Es kann aber auch schlecht sein, wenn ich sauer bin und mich zusammenreißen muss, um keinen dramatischen Abgang mit schlagenden Türen, Pauken und Trompeten zu inszenieren, oder wenn ich traurig bin und nicht weiß, wie ich diese Trauer bewältigen kann.

Aber wisst ihr was? All das bin ich. Ich bin typisch Frau – na und? Wer sagt denn, dass es schlecht ist? Ich weiß ja, dass ich nicht jedes erdenkliche Klischee erfülle, und ich weiß auch, dass ich die Klischees nicht deshalb erfülle, weil ich es muss, sondern weil ich es WILL. Ein Teil von mir mag so geprägt sein, aber Herrgott, wo ist das Problem, wenn ich mir das dritte Paar Winterschuhe kaufe? Was solls, wenn ich dafür irgendwann einen riesen Freudenmoment habe, weil ich in einer Ecke eine Tasche wiederfinde, die ich fast vergessen hatte, und die ich die kommenden Wochen außer im Bett überall trage?

Wen stört es, dass ich mir mehrmals die Zehen- und Fingernägel in Regenbogenfarben lackieren kann und immer noch Auswahl habe?

Und macht meine Emotionalität mich nicht zu einem besseren Menschen, weil ich dadurch so viel empathischer bin?

Mädels – und Jungs. Stereotypen – na und? Das ist die Devise. Die Hauptsache ist doch, dass wir glücklich sind mit uns. Dass wir in den Spiegel schauen können und sagen können: „Ja, das bin ich. Mit all meinen Marotten.“ Denn die sind es doch, die unsere Persönlichkeit ausmachen, die uns liebenswerter machen, die dem Leben so viel mehr Spaß bereiten!

Also lassen wir doch die Stereotypen Stereotypen sein und gönnen uns irgendwas. Zum Beispiel die Liebeskindtasche
(Seufz, das ist nur Spaß, die ist zu teuer)
eine leckere Waffel oder einen neuen Nagellack. Oder, ihr Männer, einen neuen Hammer oder so.

Denn wir leben, und das sollten wir in vollen Zügen genießen! Also hoch die Tassen – und auf uns und unsere Marotten!

Eure gerade sehr in Fahrt gekommene,

Emma

PS: Der Beitrag war fürs Wochenende geplant. Aber er hat mir gerade so unglaublich viel Spaß bereitet, dass ich nicht bis dahin warten kann. Meine Ungeduld, siehe oben. Und ach, was solls. Er kommt schon jetzt. Hah!
Vielleicht habt ihr ja Lust, eure typischen Eigenschaften mit mir zu teilen? Ich freue mich auf einen Austausch – sowohl hier, als auch bei Facebook. Und jetzt finde ich einen Punkt. Diesmal wirklich.

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