Veränderung. Leben., 29.01.2014

Veränderungen.
Sie gehören dazu zum Leben wie das Atmen, wie das morgendliche Aufstehen (leider!) und die Wolken am Himmel.
Egal was passiert, das Leben bleibt nie nur auf dem einen ganz besonderen Weg. Immer und überall gibt es Abzweigungen die unterschiedlichste Verlockungen anpreisen, manchmal auch kleine Hürden, die man umschiffen oder abbauen muss.
Veränderungen sind notwendig, damit das Leben nicht immer nur in einem eintönigen Trott bleibt, denn von den Veränderungen lebt man, sie entwickeln einen weiter und erweitern den Horizont. Jene Menschen, die ihre Gewohnheiten lieben wie einen bequem eingesessenen Sessel mögen befürchten, dass eine Veränderung unkalkulierbare Sicherheitsrisiken birgt – und sie haben nicht einmal Unrecht. Denn immer dann, wenn man sich auf Wege begibt, die man persönlich noch nicht beschritten hat, lässt man die trügerische Umarmung der Gewohnheit hinter sich.
Aber ist das unbedingt schlecht?
Manchmal ja – und mindestens ebenso oft nicht. Denn nur wenn man neue Wege bestreitet kann man Dinge finden, die man sonst vielleicht niemals entdeckt hätte.

Es gibt ein sehr schönes Zitat von Wilma Thomalla, einer deutschen Publizistin. „Es sind nicht die äußeren Umstände, die das Leben verändern, sondern die inneren Veränderungen, die sich im Leben äußern.“ An diesem Punkt muss ich mich und mein derzeitiges Leben betrachten und beherzt zustimmen. Vollkommen. Ich habe es an verschiedenen Stellen bereits angedeutet: Bei mir tut sich derzeit einiges. Ich habe, seit ich mit dem richtigen Schreiben angefangen habe (also seit vergangenem Juli) einiges an innerer Veränderung durchgemacht. Vielleicht erinnert ihr euch; der Ursprung meines plötzlich aufsprudelnden Energiequells befindet sich in einer längeren Erkrankung, die mich ausgebremst hat. Ich hatte viel Zeit über mich und mein Leben nachzudenken, was jetzt vielleicht ein bisschen hochtrabend klingt, da ich mit meinen 25 Jahren wirklich noch nicht zu dem Alter zähle, wo man eine wohlwollende Bilanz zieht – normalerweise. Jetzt, ein halbes Jahr später, muss ich lautstark verkünden: Es ist immens wichtig Bilanz zu ziehen! Man muss unbedingt in regelmäßigen Abständen seinen Kompass aus der Hosentasche ziehen, die Landkarte auseinanderschütteln und nachprüfen, ob der Weg, auf dem man sich befindet, überhaupt noch der Richtige ist. Denn viele Wege führen nach Rom – in diesem Falle würde ich Rom als das höchste Ziel des menschlichen Daseins, nämlich das Lebensglück bezeichnen – doch nicht jeder Weg ist immer und automatisch der Beste.
Und manchmal muss man Umwege machen, um festzustellen, welches der richtige Weg ist.
So wie ich.

Ich bin gelernte Sozialarbeiterin, sogar mit Masterabschluss und allem Pipapo. Ich habe mein Ziel verfolgt, hatte es immer klar vor Augen, und habe ohne großartiges Verweilen eine Prüfung nach der anderen abgehakt, bis ich stolz mein Abschlusszeugnis in der Hand hielt. Ich habe – trotz allem ein wirkliches Glück heutzutage, wie ich unbedingt betonen muss – sofort eine Arbeitsstelle bekommen, auch noch in Vollzeit. Natürlich weder gut bezahlt noch unter idealen Bedingungen – aber hey, besser das als arbeitslos! Ich habe mich reingekniet, habe mir selber eingeredet, dass dieser Job genau das Richtige ist (für den Moment) und dabei sogar außer Acht gelassen, dass ich während meiner gesamten Studienzeit immer der festen Überzeugung gewesen war, dass alles für mich in Frage käme – außer dieser jene Arbeitsbereich. Nun ja, die vielen Wege und so… ich habe weitergemacht.
Und weiter gemacht.
Und weiter gemacht.
Und bin ausgebrannt.
12h Tage in einem Job der sowohl von den inneren als auch den äußeren Umständen her alles andere als ideal war, wenig Pause und meine immer lauter werdenden Zweifel haben ein Hindernis aufgetürmt, das ich selbst in meinem euphorisierten Anfängerelan nicht mehr ignorieren konnte. (Glaubt mir, davor zu rennen hat wirklich wehgetan, und als Sternzeichen Widder bin ich es ja normalerweise gewohnt, mit dem Kopf durch die Wand zu gehen)
Irgendwann kam Desillusion. War‘s das etwa? Das würde mein Leben sein, tagein, tagaus? Es wurde zu meiner Haupttagesbeschäftigung nach neuen Stellen zu suchen, ich absolvierte viele Vorstellungsgespräche und wurde Profi in Bewerbungsmappenerstellung – aber nicht glücklich. Nein, die Zweifel wuchsen. Und die Zweifel an meinen Zweifeln sowieso, denn wer war ich, dass ich nach so wenig Zeit schon anfing, meinen Beruf anzuzweifeln? Vielleicht sollte ich an dieser Stelle anmerken, dass ich in den Jahren meines Studiums die meiste Zeit in meiner Berufssparte gejobbt habe und viele verschiedene Arbeitsbereiche kenne. Nie war ich wirklich richtig glücklich.

Leise Stimmen meldeten sich und flüsterten mir fies zu, dass ich doch schon immer eigentlich was anderes hatte studieren wollen und dass das hier nur eine Option gewesen sei. Die Zweifel wurden größer und mein innerer Zwiespalt auch. Leider wuchs auch der Druck auf Arbeit, was mich schließlich zu einem müden und emotionalem Wrack machte, das abends nur noch auf die Couch wollte, Glotze an und innere Stimme aus, berieseln und dumpf werden. Mein armer, armer Freund.

Dann die bereits oben erwähnte Krankheit im Juli. Symptome die ich zuletzt häufiger hatte, Beklemmung in der Brust, Atemnot, Schmerzen, damals geschoben auf eine Sommergrippe die auf keine Behandlung ansprach. Heute weiß ich: Es war mein Körper der Stopp rief, der mich ausbremste und sagte: So geht’s nicht weiter, Schätzchen! Und es waren nicht die Medikamente, die mich wieder erstarken ließen, es war das Schreiben. Das Zurückfinden auf meinen eigentlichen Weg, den ich im Alter von 12 Jahren das erste Mal entdeckt hatte, der aber nicht viel mehr war als ein kleiner Trampelpfad in der Nähe des Lebensweges. Zum Spielen, nichts ernsthaftes. Ich rappelte mich auf, ich ging wieder arbeiten, und für ein paar Wochen ging es gut.

Dann war ich wirklich am Ende.

Ich möchte diesen Beitrag jetzt nicht zu sehr ausufern lassen, schon gar nicht möchte ich Mitleid erheucheln oder ähnliches. Sagen wir einfach so: ich hatte viel Zeit um nachzudenken. Viele Menschen haben mir geholfen, meinen Kopf wieder klarer zu bekommen. Ich kann wieder schlafen – etwas. Die Beklemmung ist noch da, denn nach wie vor befinde ich mich in einer Situation, die ich mir nur schwer eingestehen kann: Das Gefühl des Versagens, weil ich eben doch nicht sofort alles richtig gemacht habe. Doch zum Glück ist da in mir eine Stimme, die immer lauter und selbstbewusster wird und die mir sagt: Du lebst nur einmal. Tu das, was du liebst! Tu das, was dich glücklich macht! Ich war immer zielstrebig und deshalb fällt es mir schwer einzusehen dass ich nicht sofort in die richtige Richtung gelaufen bin, aber was soll‘s. Ich bin jung und ich habe noch Zeit. Ich habe etwas studiert, es war gut und hat mir viele Erfahrungen gebracht, aber es war nicht das Richtige. Nun werde ich neue Wege gehen.

„Jedes Gehen auf unvertrauten Wegen ist eine Reise ins Vertrauen.“ Ein Zitat unbekannter Herkunft, das mich leitet und mich wärmt. Denn ich vertraue mir und meiner inneren Stimme, die ich endlich wieder gefunden habe. Diese Stimme kommt direkt aus meinem Herzen, und sie ist es auch, die beständig meine Finger über die Tastatur gleiten lässt, die Geschichten daher holt, wo selbst ich sie vorher nicht vermutet habe.

Seit ich mir meiner Entscheidung immer klarer werde ist mein innerer Quell nicht mehr zu stoppen. Er sprudelt und lässt mich schreiben, als gäbe es kein Morgen. Doch das gibt es, wird es noch lange geben, und deshalb gehe ich nun endlich den richtigen Weg. Mein Weg nach Rom führt über das Schreiben, und das mache ich mir zum Beruf. Da ich nicht blauäugig bin studiere ich es, um mir in einem entsprechenden Bereich einen Job zu beschaffen. Schon jetzt habe ich die einmalige Chance, für einen kleinen Verlag zu arbeiten. Nicht als Autor – doch das wird auch noch kommen, ganz bestimmt. Irgendwo dort draußen ist meine Nische und ich werde sie finden.

Diesmal tatsächlich.

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