Vorfreude, 07.11.2013

Hallo liebe Leser,

heute möchte ich ein paar Worte zu einem Thema verlieren, das angesichts der fortschreitenden Jahreszeit irgendwie immer aktueller und brennender wird – das Schenken.
(Ich habe noch kein einziges Weihnachtsgeschenk und wenn überhaupt nur ein, zwei vage Ideen – wie sieht es bei euch aus??)

Mit einem Schmunzeln muss ich mich an ein Weihnachtsfest erinnern. Ich war vielleicht sieben oder acht Jahre alt, höchstens. In jenem Jahr fand ich es besonders wichtig, ganz furchtbar viele Geschenke zu schenken. Also begann ich schon Wochen vorher, alles mögliche zusammen zu sammeln. Natürlich in erster Linie Sachen, die sich bereits in meinem Besitz befanden – oder auch in dem meiner Familie, ich sah das damals nicht so eng. Ich suchte Geschenke für meine Mutter, meinen Vater, meinen Bruder, meine Großeltern und auch für meinen treuen Begleiter – mein Kuscheltier Jeopardy. Übrigens ein toller kuscheliger Gepard in Strickkleid.
Nun ja, ich schenkte also weit über 30 Sachen, von Kulli bis hin zu Miniaturspielzeugauto und vielem mehr, hatte unglaublich viel Spaß beim Zuschauen, während meine Familie lachend und seufzend und stöhnend auch den letzten Fetzen Papier entfernte.
Ich war sehr glücklich.
Bezeichnend ist wahrscheinlich auch, dass ich überhaupt keine Idee habe, was ich damals geschenkt bekam. Nur dieses warme Gefühl, die Erinnerung an meinen riesigen Berg von Geschenken ist geblieben.

Vielleicht ist es nicht mehr ganz so extrem wie früher (ich setze nicht mehr so auf Masse), doch nach wie vor kann ich behaupten, dass es mir unglaublich viel Spaß macht, andere zu beschenken. Das bereitet mir fast noch mehr Freude als beschenkt zu werden. Ja, ich liebe es am meisten, die Spannung, Vorfreude und – wenn alles gut gelaufen ist – tatsächliche Freude in den Gesichtern meiner Liebsten zu sehen. Und das kann man an Weihnachten nun einmal am intensivsten.

Oh, während ich dies schreibe, werde ich ganz kribbelig. Ich will suchen, ich will stöbern, ich will persönliche und passende Geschenke finden.

Geht es euch auch so? Schenkt ihr gerne? Manchmal auch ohne konkreten Anlass? Manchmal frage ich mich, ob es symptomatisch für die heutige Gesellschaft ist, dass es manchen so schwer fällt, ein Geschenk anzunehmen. Oder ist das anerzogen? Ich kenne es selber ja auch. Ich habe mal von einer Bekannten eine duftende Creme geschenkt bekommen. Auf meine Antwort „Das wäre doch nicht nötig gewesen“ reagierte sie recht beleidigt. Und auch meine Großeltern waren eher genervt oder beleidigt, wenn ich Geldgeschenke nicht annehmen wollte.
Wenn Menschen schenken, dann tun sie dies in der Regel, um Freude zu machen. Und diese Freude wird geschmälert, wernn der Beschenkte das Geschenk nicht haben möchte. Ob Bescheidenheit, peinliche Berührung oder anerzogene Zurückhaltung – nichts davon ist in der Situation angebracht. Dies habe ich mittlerweile gelernt, und selbst wenn ich ein Geschenk für nicht nötig halte, mache ich meiner Freude Ausdruck, denn das ist die schönste Reaktion, die man zeigen kann.

Also, liebe Leser. Wenn ich einem von euch mal etwas schenke: nehmt es ruhig an (außer es ist ganz furchtbar und unpassend, dann dürft ihr es gerne sagen!). Denn ich schenke, weil ich es möchte und weil es mir Freude bereitet.

Und nun schenke ich euch eine besonders lange Fortsetzung von meiner Geschichte, die, oh Wunder, auch das Thema Schenken umfasst. Viel Spaß beim Lesen und habt noch einen wunderschönen Tag!

Viele Grüße,

eure Emma

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Dass Weihnachten direkt vor der Tür stand, schwebte im Hinterkopf sämtlicher Schüler sowie Lehrer, und allesamt freuten sie sich auf die bevorstehenden Ferien. Einzig Lina teilte die allseits verbreitete Vorfreude nicht, versuchte dies aber hinter ihrer kühlen Fassade zu verbergen.
Wieder würde ein Jahr zu Ende gehen. Die Prüfungen rückten immer näher und mit ihnen die Frage, wie es nun weiter gehen würde.
Ein stetig bleibender, dumpfer Magenschmerz nistete sich in ihren Leib ein, während um sie herum fröhliche Werbung die einzigartigsten Geschenke anpries, verkleidete Weihnachtsmänner ihr gutmütiges „hohoho“ durch die Gegend schrien und wieder einmal dicke Schneeflocken vom Himmel fielen.
So einen weißen Winter hatten wir schon lange nicht mehr, stellte Lina, nicht unbedingt mit Bedauern, fest. Sie mochte den Schnee, mochte, was man alles daraus machen konnte. Dick eingepackt verbrachte sie viele Stunden im Freien, immer bestrebt, den Gedanken an die kommende Zeit zu verdrängen. Stattdessen beobachtete sie die vielen Menschen, die um sie herum ihr Leben glücklich lebten, nichts ahnend, welche Sorgen andere haben konnten. Oder, überlegte Lina, vielleicht gibt es unter ihnen ja auch welche, die dasselbe Schicksal mit mir teilen, denen man es aber ebenso wenig wie mir ansieht, da auch sie es geschickt zu verbergen wissen.
Die Feiertage kamen und gingen.
Während andernorts kleine Kinderaugen anfingen zu Strahlen und Freudentränen aus anderen kullerten, während Geliebte ihren Geliebten glücklich um den Hals fielen und alle in trauter familiärer Umgebung das Beisammensein genossen, blieb es in der Wohnung der Martins ruhig.

Als es wenige Tage vor Silvester klingelte, schlurfte Stefan knurrend zur Tür. Wer zum Teufel wollte etwas? Schließlich hatte keiner einen Grund, die Mittagsruhe zu stören! Schlecht gelaunt riss er die Tür auf, ohne vorher durch den Spion zu schauen – und stutzte.
Ein junger, gutaussehender Mann stand vor ihm.
Eric.
„Ja?“, blaffte er missmutig.
Eric, der seinen Blick über sein Gegenüber wandern ließ, nickte einmal freundlich und erklärte: „Hallo, ich möchte zu Lina.“
Stefans Augen wurden groß. „Lina?“
Da Eric nichts darauf erwiderte, wurde Stefan klar, dass es dem jungen Kerl durchaus ernst war. Ein höhnisches Grinsen umspielte seine Lippen, als er einen Schritt zur Seite trat und ihn hineinließ.
Soso. Die Kleine hat sich also einen Kerl angelacht. Interessant.
Eric, der die bedrückende Enge der Wohnung schon kannte, wollte sich gerade an dem Mann vorbeischieben, der es ebenso wenig für nötig gehalten hatte, sich ihm vorzustellen oder auf anderer Art Freundlichkeit zu zeigen, wie schon zuvor Linas Mutter, als dieser mit einem Schraubstockgriff seinen Arm umfasste.
Mit hochgezogenen Augenbrauen blickte Eric erst auf die Hand, dann in Stefans Gesicht, das plötzlich nur noch wenige Zentimeter von dem seinen entfernt war. Nur mit größter Selbstbeherrschung schaffte es, nicht automatisch zurück zu zucken. Er spürte, wie tief in ihm Wut zu brodeln begann. Als ihn dann auch noch ein Hauch seines nach Alkohol riechenden Atems streifte, mischte sich diese zusätzlich mit Ekel.
„Fickst du mein Mädchen?“ Die Frage hatte einen düsteren, bedrohlichen Klang.
„Wie bitte?“ Eric versuchte, sein Entsetzen nicht zu zeigen. Eine Gänsehaut kroch langsam über seinen Körper, als er daran dachte, dass Lina diesem Ekel, dieser Familie tagtäglich ausgesetzt war.
Fickst du mein Mädchen? Grauenhaft.
„Du hast mich sicherlich verstanden!“ Stefan verstärkte noch einmal seinen Griff, ließ dann aber plötzlich los. Seine Augen funkelten düster. „Ich behalte dich im Auge!“ Mit diesen Worten schlurfte Stefan zurück in seine Höhle und ließ Eric zwischen Schuhen und knitterigen Jacken verdattert stehen.
Gedankenverloren rieb er seinen Arm. Was war das nur für eine Familie? Während er noch über diese äußerst unangenehme Begegnung nachdachte, wanderten seine Gedanken zu Lina und er setzte sich in Bewegung. Er spürte, wie Blicke ihn verfolgten.
Lina lag tief und fest schlafend in ihrem Bett, als er nach mehrmaligem erfolglosem Klopfen ihr Zimmer betrat. Seine Gesichtszüge wurden weich, als er das Mädchen sah. Die Decke bis zu ihrem Kinn gezogen, lag sie auf der Seite, ihr Gesicht der Tür zugewandt. Die Rundungen unter der Decke deuteten an, dass sie sich ganz klein zusammen gekauert hatte. Keine einzige Sorgenfalte furchte ihre Stirn, der Ausdruck von trauriger Wachsamkeit schien aus ihren Zügen gelöscht. Stattdessen strahlte sie eine Ruhe und Unschuld aus, die man sonst nie bei ihr sah.
Mit klopfendem Herzen trat Eric vorsichtig an das Bett heran und setzte sich langsam auf die Bettkante. Nur schwer konnte er dem Drang widerstehen, ihre weich aussehende, blasse Haut zu streicheln, den Konturen ihrer Wangenknochen entlangzufahren, den schmalen Strich ihrer Augenbrauen nachzuzeichnen.
Unendlich sanft berührte er schließlich ihre Schulter. „Lina, guten Morgen!“
Sie schüttelte nur unwillig brummelnd ihren Kopf und kuschelte sich noch tiefer unter die Decke. Wach wurde sie dennoch nicht.
Ein Lächeln breitete sich auf seinem Gesicht aus, als er sie, diesmal ein wenig fester schüttelnd, wieder berührte. Er schaffte es nicht einmal, ihren Namen auszusprechen, als sie plötzlich ihre Lider aufschlug und pures Entsetzen aus ihren Augen strahlte. Völlig stocksteif wich sie in die hinterste Ecke des Bettes zurück.
„Nein, bitte nicht!“, flehte sie, während blinde Augen nach dem Störenfried suchten.
Erics Lächeln bröckelte von seinen Lippen.
Langsam wanderte Erkenntnis in Linas Blick. Scham mischte sich mit Panik, als sie in Erics sorgenvolles Gesicht blickte. „Oh“, entfuhr es ihr schwach.
„Alles… okay?“, fragte dieser sie unsicher, nicht sicher ob er damit sie oder sich selbst meinte.
Lina räusperte sich, befeuchtete ihre trockenen Lippen. „Entschuldige. Ich habe wohl schlecht geträumt.“ Sie blieb in der hintersten Ecke des Bettes. Eric fühlte sich plötzlich wie ein Eindringling und erhob sich. Mit langen Schritten trat er an das Fenster, den Rücken ihr zugewandt.
Unsicher kauerte Lina auf ihrem Bett. Sie starrte Eric an, musterte seine steife Haltung und fühlte sich zugleich idiotisch und peinlich berührt.
„Ich wusste nicht, dass du kommen wolltest.“, erklärte sie schließlich mit wackeliger Stimme.
„Hmmm.“ Mehr kam nicht von ihm. Immer noch drehte er ihr den Rücken zu.
„Tut… tut mir Leid wegen eben.“
Jetzt drehte er sich zu ihr um. Seine Augen brannten. „Dir muss rein gar nichts leidtun! Mir tut es leid, dass ich dich so gestört habe.“
Lina konnte, sie wollte nichts erwidern. Was hätte sie sagen sollen? Ihre Hände flatterten über die Decke, fuhren über ihre Haare, spielten mit einer Strähne.
Eric betrachtete sie mit unergründlichem Blick.
Die Stimmung wurde immer angespannter.
Als sie es schließlich nicht mehr aushielt, schlug sie die Bettdecke zurück und krabbelte aus ihrem Bett. In einer dunklen Jogginghose, einem übergroßen Sweater und mit strubbeligen Haaren stand sie verloren mitten im Raum, sah noch kleiner, noch hilfebedürftiger aus als sonst.
Tief seufzend trat Eric auf sie zu und nahm sie vorsichtig in den Arm.
„Lange nicht gesehen, was?“
„Ja, hm, lass mich überlegen. Eine Woche nicht.“, versuchte sie zu scherzen, bemüht darum, sich zu entspannen.
Er gluckste leise.
„Und, kommst du einfach nur so vorbei, oder…?“
„Ich wollte eigentlich nur mal schauen wie es dir geht.“ Er löste sich aus der Umarmung. Sanft umfasste er ihre Schultern. „Naja, und… ich wollte fragen ob du Silvester schon etwas vorhast.“
„Silvester?“ Leise lachte sie auf. „Naja, außer lernen und früh schlafen gehen nichts, nein.“
„Machst du Witze?“ Er blickte sie entsetzt an. So typisch Lina. „ Gut, dann hole ich dich um sechs ab.“
„Moment, Moment.“ Verwirrt hob sie eine Hand. „Wozu, wohin?“
„Na, feiern. Bei mir Zuhause. Sascha kommt mit seiner Freundin. Gemeinsam mit den beiden und einigen anderen will ich ins neue Jahr rutschen. Du sollst auch dabei sein.“ Charmant lächelte er sie an. „Wir wollen grillen.“
Lina prustete los. „Grillen? Um diese Zeit?“
„Na klar. Du musst unbedingt mal meine Steaks probieren. Das richtige Grillen lernt man in den USA!“ Immer noch lächelte er. „Na komm, bist du dabei?“
Lina brauchte noch einen Moment. „Und… Sascha war der…“
„Aus Amerika, genau. Ich hatte es mal erwähnt.“
„Mensch, das freut mich für dich.“ Sie wollte sich abwenden, doch er hielt sie weiter fest.
„Lina. Bist du dabei oder nicht?“
Wild pochte ihr Herz. Noch nie hatte jemand sie zu einer privaten Silvesterfeier eingeladen. Sie wusste, sie sollte es besser nicht machen. Ihre Vernunft schrie ihr im Sekundentakt zu, wie unvernünftig es wäre, noch engere Bande mit Eric zu knüpfen. Eine ganze Weile hörte sie sich diese innere Schimpftirade an. Schließlich erklärte sie: „Ja, gerne.“
Die Freude hatte überwogen.
„Super! Wie gesagt, ich hole dich um sechs ab!“ Enthusiastisch zog er sie noch einmal an die Brust. Diesmal hatte Lina nicht damit gerechnet, und als sie schreckensstarr in seinen Armen lag, ließ er sie schnell wieder los. „Entschuldige. Ich freue mich einfach.“
„Hmhm.“ Sie setzte sich auf ihren Sessel, die Füße angezogen, und beobachtete ihn aus den Augenwinkeln. „Und Sascha kommt also aus der großen weiten Welt ausgerechnet hierhin, um Silvester zu feiern.“
„Na klar. Immerhin bin ich hier. Das ist Grund genug.“ Und er wollte Lina kennen lernen. Aber das würde er ihr niemals sagen. „Wenn alles gut klappt, kommen sie heute Abend an.“
„Und wieso holst du mich so früh ab? Die Party steigt doch bestimmt erst später.“
„Ganz einfach. Unsere Häuser liegen sehr weit voneinander entfernt, da will ich dir das Laufen ersparen. Und damit ich auch da bin wenn meine Gäste eintreffen, hole ich dich halt schon vorher ab. Du kannst mir, Sascha und Sally ein bisschen beim Vorbereiten helfen, wenn du magst.“
„Aha. So weht also der Wind. Du brauchst nur eine billige Hilfskraft.“ Sie verzog ihre Mundwinkel zu einem halben Grinsen.
„Verdammt, mal wieder hast du mich durchschaut.“ In einem Versuch, nicht mehr ständig auf sie hinabblicken zu müssen, setzte er sich kurzerhand auf den Boden, mit dem Rücken an die Wand. Aus welchen Gründen auch immer hatte er instinktiv das Bedürfnis, sich von dem Bett fern zu halten.
Lina erwiderte nichts.
„Oh, achso, bevor ich’s vergesse…“ Kopfschüttelnd erhob er sich wieder. „Ich habe doch noch etwas für dich.“
„Du… hast etwas für mich?“, krächzte sie.
„Ja, du weißt schon. Weihnachten und so.“ Mit einem leichten Grinsen wühlte er in seiner Jackentasche und holte ein kleines, buntes, mit einer riesigen weißen Schleife verpacktes Geschenk heraus.
Lina wurde rot. „Das… ich… das war nicht nötig. Ich habe doch gar nichts für dich.“
„Lina.“ Sanft legte er ihr das Päckchen in den Schoß. „Ich habe auch gar nichts von dir erwartet.“ Gespannt und auch ein klein wenig aufgeregt – wie würde sie wohl reagieren? – sank er, diesmal zu ihren Füßen, auf den Boden.
Vorsichtig drehte Lina das Geschenk in ihren Händen, fast schon ehrfürchtig.
Ein Geschenk. Ihr erstes, dieses Jahr. Während sie die filigrane Schleife berührte, merkte sie, wie ihr ein wenig wärmer ums Herz wurde. Auch wenn eine leise Stimme in ihrem Hinterkopf sie warnte, dass es sich bei diesem Geschenk wieder um eine Grenzüberschreitung, um etwas handelte, was nicht nötig war und worüber sie sich nicht freuen sollte, klopfte ihr Herz vor Freude schneller.
Ein Geschenk. Lina merkte, wie ihr Tränen in die Augen schossen. Es war ihr ein wenig unangenehm, da Eric so nah neben ihr saß und sie nicht wollte, dass er es bemerkte.
„Möchtest Du es nicht aufmachen?“, drängelte dieser plötzlich mit unverhohlener Aufregung.
„Doch, sicher…“ Vorsichtig löste Lina das Klebeband von dem Papier. Die Schleife, die um das Paket herum gebunden war, schob sie langsam herunter und legte sie zur Seite.
Die packe ich nachher weg, irgendwohin wo sie keiner sehen kann!, entschloss sie sich. Sie war zu kostbar, um von Stefan oder ihrer Mutter entwendet zu werden.
Schließlich war nur noch das Papier um das Päckchen gewickelt, und als sie es entfernte und nun eine kleine, blaue Schatulle in der Hand hielt, schlug ihr Herz unwillkürlich schneller.
Das hübsche Papier, die Schleife, der goldene Schriftzug auf dem Kästchen… das Geschenk war von einem Juwelier!
Mit erstaunt aufgerissenen Augen blickte sie Eric an. Dieser zwinkerte ihr ermunternd zu. „Na komm, weiter geht’s!“
Ihre Finger zitterten leicht, als sie den Deckel der Schatulle öffnete. Dunkelblauer Samt kleidete das gesamte Innere aus, ein kleines, weiches, weißes Tuch bedeckte den Inhalt. Nach kurzem Zögern schob sie es zur Seite – und ihr stockte der Atem.
Vor ihr, umhüllt von Samt, lag ein kleiner, zierlicher Silberanhänger in Form einer Elfe. Den Kopf zur Seite geneigt, ein Bein angewinkelt und die kleinen, mit weißen Kristallen besetzten Flügelchen breit aufgespannt, umspielte ein spitzbübisches Lächeln ihre winzigen Lippen.
Eine erste Träne löste sich und rollte über Linas Wange, während sich gleichzeitig ein freudiges Lächeln in ihrem Gesicht ausbreitete.
Es gefällt ihr, schoss es ihm durch den Kopf, Gott sei Dank!
„Sie ist wunderschön.“, bestätigte Lina seine Feststellung mit vor Freude zittriger Stimme. „Danke!“
„Sie hat mich an dich erinnert.“, erwiderte er schlicht. Ein breites Lächeln erhellte seine Gesichtszüge, während er beobachtete, wie sie vorsichtig den Anhänger aus dem Kästchen nahm und die silberne, feingliedrige Kette über ihre Finger floss.
„Mir fehlen die Worte.“ Als sie ihn mit glitzernden Augen ansah, setzte sein Herzschlag kurz aus.
„Komm, ich helfe dir.“, bot er ihr an, ging neben ihr in die Hocke und nahm ihr die Kette aus der Hand, um sie ihr vorsichtig um den Hals zu legen. Sein Mund wurde ganz trocken, als er ihren schmalen Nacken, ihre milchig weiße Haut sah. Zärtlich strich er ihr Haar zur Seite.
Diese federleichte Berührung ließ Lina unmerklich aufseufzen. Während der kühle Anhänger sich an ihre Brust schmiegte und Eric ihre Haare vorsichtig wieder zurücklegte, schloss sie kurz die Augen.
Sie öffnete sie wieder, als Eric sich gerade aufrichtete, und für einen Moment der Ewigkeit verloren ihre beiden Blicke sich ineinander.
Es tut so gut. Er tut mir viel zu gut!, dachte Lina. Sie schaffte es nicht, zurück hinter ihre Mauer zu klettern. Ihr Herz schlug laut und deutlich unter dem Anhänger, während ihr Magen noch immer freudig kribbelte. Auch wenn sie versuchte sich einzureden, dass sie jedem Menschen genauso dankbar gewesen wäre, der ihr ein so hübsches Geschenk gemacht hätte, wusste ein kleiner Teil von ihr, dass das nicht wahr war. Dass es gerade die Tatsache war, dass das Geschenk von Eric kam, weshalb sie sich fühlte, als würde sie auf Watte durch die Luft schweben.
Sie wusste, dass sie dabei war, ihren innerlichen Kampf zu verlieren. Eric fern halten? Das war nicht möglich. Viel zu sehr genoss sie seine Freundlichkeiten, sog mit Inbrunst seine Anwesenheit in sich auf. Es war so lange her, dass sie die Nähe eines anderen Menschen hatte genießen können und zu sehr hatte sie sich zuletzt danach gesehnt.
Eric war zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen.
Über die Konsequenzen würde sie noch nachdenken müssen.

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