„Schreiben ist …

„Schreiben ist wie küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist küssen mit dem Kopf.“
(Daniel Glattauer)

Oh ja, lieber Herr Glattauer, wie recht Sie doch haben!!
Kennt jemand von euch diesen Autor, oder besser noch das Buch, in dem sich dieser Schatz verbirgt? Wenn nein, dann muss ich, bevor ich zum eigentlichen Anliegen meines Blogeintrages komme, unbedingt ein bisschen Werbung machen: Schaut euch einmal die Geschichte von Emmi und Leo an, verpackt in den beiden Büchern „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“. Berührend, dramatisch, witzig, liebevoll, anders – und ganz, ganz ehrlich, auf tiefste Art und Weise, Seelen-berührend aufrichtig und ergreifend.
Kurzum: Es ist ein wundervolles Leseerlebnis und trägt so viel Wahres in sich – wie zum Beispiel oben genanntes Zitat.
Schreiben ist wie küssen mit dem Kopf. Es ist intim und berührend, es verbindet Menschen miteinander – den Autor und den Leser. Das, was ich zu Blatt bringe, wird irgendwann einmal – so hoffe ich es doch – von anderen Menschen gelesen. Viel mehr als nur das, nicht einfach nur gelesen, da rein und da wieder raus, nein, mein Herzenswunsch ist es, dass das Gelesene haften bleibt.
Kein kleiner Bussi auf die Lippen, spitzförmig und mit so wenig Kontakt wie möglich, nein. Ein warmer Kuss, weich, anschmiegsam und genau das, was man braucht. Ein Kuss, der ein Kribbeln im Bauch hinterlässt, eine kleine, feine Erinnerung im Gedächtnis, die zu passenden und unpassenden Momenten aufblitzt und das Gefühl vermittelt, eine Bedeutung zu haben.
Ich möchte küssen und schreiben und da sein und nicht vergessen werden.

So geht es vermutlich jedem Autor.

Lange dachte ich, ich schreibe nur für mich. Mein Kopf ist so voll. Voller Ideen, voller Gedanken, die ständig aus mir heraus wollen. Doch so viel, wie mir durch den Kopf flitzt, kann ich gar nicht reden, nicht ohne die Ohren meiner Mitmenschen bluten zu lassen. Wie oft habe ich mich schon dabei ertappt, dass ich peinlich berührt erstarrt bin und mich gefragt  habe, ob ich nun zu weit gegangen bin. Zu viel von mir geredet, zu wenig zugehört? Ich weiß, das ist Quatsch, denn viele Menschen – und das sage ich jetzt nicht, weil ich angeben oder mich profilieren will – schätzen mich sehr als Gesprächspartner, als Zuhörer und Mitfühler. Und doch? Wo ist die Grenze? Das, was ich tagsüber nicht über die Lippen bringe, träume ich oftmals, oder sogar mehr. Wie oft bin ich morgens schon aufgewacht und habe mich gefragt, ob mein Unterbewusstsein heimlich irgendwelche Drogenpartys feiert, so abstrus wie die Träume manchmal sind!
Und damit meine ich nicht nur den Traum, wo ich vor Wut Charlie Sheen (den ich wirklich nicht leiden kann!) zwischen die Beine getreten – und dummerweise im Schlaf ausgeholt und meinem Freund mit der flachend Hand laut klatschend auf den Bauch gehauen habe. Das ist noch einer der harmloseren Varianten, auch wenn ich für gewöhnlich eher der stille Träumer bin, zumindest gab es bisher kaum Beschwerden von meiner besseren Hälfte.

Also, Wach- und Schlafzustand haben von jeher nicht gereicht. Ich gehörte noch nie zu den Menschen, die sich selber etwas gerne erzählen, murmelnd durch die Gegend laufen und schräge Blicke einfangen. Doch mein Herz und meine Seele sind so voll! Waren es schon immer!
Mir scheint, der Weg zum Schreiben war einfach… unumstößlich. Mit 12 habe ich angefangen, wie ich bereits an diversen Stellen vermerkt habe. Kleine, wirklich süße, holprige Gedichte, die im Laufe der Jahre und mit den Problemen der Pubertät düsterer oder – je nach Gefühlslage – immer schmalziger wurden. Aber auch meine ersten Geschichten. Und endlich, endlich baute sich der Druck in meinem Inneren ab.

Das Schreiben ist mein Ventil geworden, bezeichnend dadurch, dass ich besonders gut und besonders viel schreibe, wenn es mir schlecht geht. Ich kann – auf einer Metaebene betrachtet – Dinge aus- bzw. ansprechen, die mich berühren. Ich schreibe keine Autobiografien sondern das, was mein kleines Köpfchen sich so überlegt. Zum Glück nicht alles, denn manches ist echt nicht schön, aber eben doch das meiste.
Und ich habe ja auch noch euch, liebe Blogleser, die ihr euch mein geschriebenes Wort durchlest, so lange ihr könnt und wollt. Im Gegensatz dazu, wenn ihr mich persönlich vor euch hättet, könnt ihr nämlich so in eurem eigenen Tempo lesen. Für mich als Mensch gibt es leider keinen Pauseknopf. 😉

Das Schreiben ist mein Ventil. Es lässt meine Gefühle aus mir heraus, bringt sie auf Papier und lässt sie Gestalt annehmen. Das, was ihr lest, sind Worte, die tief in meinem Inneren gewachsen  sind, manchmal weiß ich selber nicht wieso und warum. Aber sie entstehen. Ich habe geschrieben und geschrieben, habe meine Werke peinlich gehortet und versteckt, nicht sicher, ob sie anderen zumutbar sind. Doch die wenigen Schritte, die ich auf andere Menschen zugegangen bin, die positiven Rückmeldungen auf meine ersten Versuche im Küssen, haben mich in meinem Mut bekräftigt und mit einem Mal deutlich gezeigt, wie viel bedeutsamer es ist, wenn meine geschriebenen Worte auch tatsächlich gelesen werden – nicht nur von mir. Also wurde ich mutig und ich möchte sie mit euch teilen: Intimität auf höchstem Niveau, denn ihr erhaltet Einblick in mein Wesen. Und da schließt sich der logische Kreis. Ich küsse mit dem Kopf. Ich küsse euch, eröffne euch meine Gedanken und Gefühle und mache mich so für euch verletzlich. Aber genau das ist es, was ich will. Denn wie mit den Küssen im „richtigen“ Leben: Man küsst Menschen, die man liebt, macht sich für sie verletzlich, aber für einen Mehrwert: Für die Liebe, für die Erwiderung der Gefühle und um die Einsamkeit abzuwenden.
Genau das mache ich mit euch. Ich freue mich über den Mehrwert, euch meine Gefühle mitteilen zu können, in der Hoffnung, etwas in euch zu bewegen. Und im besten Fall mehr als ein genervtes „Das mag ich nicht“.

Ich hoffe ich trete euch nicht zu nahe mit dem, was ich gerade geschrieben habe. Doch ich bin über dieses Zitat gestolpert – und nun, da kamen die Worte, aus meiner tiefsten Seele. Sie mussten raus. Also habe ich das Ventil aufgeschraubt – und angefangen zu küssen.

Ich wünsche euch einen wunderschönen Abend!

Eure, gerade leicht philisophische,
Emma

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7 Gedanken zu „„Schreiben ist …

  1. Wunderschön. Es ist berührend diese Intimität in deinen Worten zu spüren! Ich als Leser kann dir nur sagen, dasss mich deine Worte stets erreichen und ich froh bin dich durch deine Texte auf eine kaum zu beschreibende Art und Weise kennenzulernen!
    Behalte deine Art zu schreiben bei, bleib so wie du bist, dann wirst du mir immer Freude bereiten, mich mit deinen Worten küssen können!

    P.S.: Dein neuer Blog ist sehr schön!

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Emma,
    dein Blog Eintrag ist einfach nur richtig, richtig schön. Aber das trifft auf deinen ganzen Blog zu. Ich stimme dir voll und ganz zu und weiß exakt, wovon du sprichst, da ich selber auch schreibe. Das Philosophische steht dir wirklich sehr gut und passt auch gut zu dir.
    Ich freue mich auf weitere schöne und faszinierende Blog Einträge. 🙂

    Gefällt 1 Person

    • Hallo liebe Arya (schöner Name übrigens!!),

      danke, danke, danke für deine lieben Worte! Ich bin so berührt davon 🙂
      Es freut mich, dass meine Zeilen so gut ankommen. Es spornt so sehr an, wenn ich weiß, dass ich so gelesen, so angenommen werde!!
      Danke! 🙂

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