Heller Stern

Hallo meine Lieben!

Es ist Donnerstag und somit wieder Zeit für die neue Fortsetzung. Heute, wie ich euch mit Freude mitteilen kann, steht diese unter einem ganz besonderen Stern.
Unter dem Stern einer Freundin von mir, die heute Geburtstag hat!
Eine sehr liebe Frau, die mir in den vergangenen Monaten stets mit weisem Rat zur Seite gestanden und mir bei vielen Entscheidungen geholfen hat. Eine Frau, die immer wieder aufs neue deutlich macht, dass Freundschaft nicht an Distanzen zu messen ist und auch nicht über „Altersunterschiede“ stolpern muss.
Herzlichen Glückwunsch und alles, alles Liebe zum Geburtstag! Ich hoffe, du hast einen wunderschönen Tag und ich kann dir mit dieser Widmung ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern!

Zum Glück handelt es sich heute auch um einen wesentlich „schöneren“ Beitrag als in den letzten Wochen. Einmal durchatmen ist erlaubt, für mich, für euch, für Lina und Eric. Lina und Eric dürfen sich eine kleine Insel schaffen inmitten dieser stürmischen See, eine kleine Rettungsinsel um durchzuschnaufen und sich zu besinnen. Denn, ich denke das ist uns allen klar, die Zeit ist alles andere als einfach für die beiden.

Versetzt euch in die Lage zurück, als ihr das erste Mal so richtig verliebt wart – sofern euch dieses Glück bereits ereilt hat. Stellt euch vor, wie es euch ging, als ihr euren Schwarm das erste Mal richtig beschützend in die Arme nehmen konntet, erste gemeinsame Holprigkeiten genommen habt und euch in der frischen Sicherheit des gegenseitigen Vertrauens zurücklehnen konntet.
SO fühlen sich Lina und Eric. Und für eine kurze Zeit dürfen sie einfach nur das sein, was sie sind: Ein frisches, verliebtes Pärchen.

Müsst ihr gerade lächeln, so wie ich? Dann wird es Zeit, diese Fortsetzung zu lesen! Und denkt dabei vielleicht das ein oder andere Mal an meine liebe Freundin, die heute ihren Ehrentag hat!

Viele Grüße,

eure Emma

************

Am nächsten Morgen machte ihnen der Arzt während der Visite kaum Schwierigkeiten. Linas Verletzungen verlangten vor allem Ruhe, die sie, wie Eric hoch und heilig versprach, im eigenen Bett ebenfalls zur Genüge bekommen würde. Da das Personal Eric regelmäßig bei Lina gesehen hatte und ihnen klar war, dass er nur ihr Bestes wollte, stimmten sie schließlich zu, und in rasender Eile packte Eric ihre Sachen zusammen, während der Arztbrief geschrieben wurde.
Als sie endlich im Auto neben ihm saß, atmete er tief durch. Mit jedem Kilometer, den er sich seinem Zuhause näherte, spürte er, wie der Druck von ihm abfiel. Stefan wusste nicht, wo er wohnte, weshalb es für Lina momentan kaum einen besseren Rückzugsort gab.
Lina war hin und her gerissen. Natürlich fand sie es merkwürdig, nun mehr oder weniger in das Haus der Jansens zu ziehen, doch irgendwie war es auch…
… befreiend. Für den Moment vielleicht.
Erics Hand schob sich auf die ihre und drückte sie aufmunternd, ganz leicht und vorsichtig, als sie schließlich das Haus betraten. Sie waren alleine, da seine Eltern arbeiten waren, und Lina war das nur recht. Er begleitete sie in das Zimmer, in dem sie zukünftig schlafen würde, und ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie sah, wie er mit den wenigen Sachen, die er aus ihrem Zimmer an jenem Morgen mitgenommen hatte, vertrauliche Atmosphäre geschaffen hatte.
„Ähm. Am besten legst du dich direkt ins Bett. Ich räume alles weg. Du hast nebenan ein kleines Gästebad mit Toilette und Dusche, wenn du aber baden willst, bist du bei mir herzlich willkommen“, erklärte Eric etwas unbeholfen. Jetzt, da Lina da war, wurde ihm so richtig bewusst, was das bedeutete. Er versuchte seine Gefühle und Hoffnungen herunter zu kämpfen – nun ging es nicht darum, sie zu umwerben, sondern einzig darum, dass sie gesund wurde!
Da Lina sich tatsächlich sehr schwach fühlte, leistete sie seinem Vorschlag Folge und sank auf die Matratze. Es handelte sich um ein extrabreites 1,60-Meter Bett. Eric hatte sich für kuschelige Frotteebettwäsche entschieden, und Lina fühlte sich direkt viel wohler als in dem steifen, schmalen Krankenhausbett. Eine Woche hatte sie dort gelegen. Sie erschauderte.
„Hier, der ist doch sicher bequemer“, rief Eric und warf ihr einen dünnen Jogginganzug zu. „Soll ich dir beim Umziehen helfen?“
Es war lieb gemeint, doch Lina errötete und schüttelte den Kopf. Schon im Krankenhaus hatte er ihr helfen wollen, und sie fand es auch wirklich nett von ihm
(er soll mich nicht nackt sehen mit all den Verletzungen, das eine mal hat gereicht),
doch egal wie groß die Schmerzen und wie schwach ihre Muskeln vom vielen Liegen waren, umziehen würde sie sich alleine.
„Okay, ich bringe kurz deine Sachen ins Bad“, bot er an, und verschwand.
Vorsichtig wechselte sie die Kleidung. Ihre Jeans, die schon wieder an ihren Hüften rutschte, landete ebenso auf einem Stuhl in der Ecke wie ihr großer, kuscheliger Pulli.
Ihre Rippenverletzung schmerzte fürchterlich, und Lina biss sich auf ihre Lippe, um nicht aufzustöhnen. Als sie schließlich in den Jogginganzug schlüpfte, den Eric ihr irgendwann besorgt hatte, fiel sie mit schweißnasser Stirn in die Kissen.
Kurz darauf kam er wieder und räumte ihre restlichen, kläglichen Überreste in die Schränke.
Als schließlich alles verstaut war, setzte er sich zu ihr auf das Bett. „So. Was kann ich dir jetzt Schönes bringen?“ Er zupfte ein bisschen an ihrer Decke. „Du hast abgenommen im Krankenhaus. Kein Wunder, bei dem Essen dort… aber das musst du dir jetzt wieder anfuttern. Noch ein bisschen dünner, und du hörst auf zu existieren!“
Lina schaute ihn nur an. Mit diesen furchtbaren, wunderschönen Augen, die viel zu groß waren für ihr Gesicht. Die, wenn man in ihre Tiefe blickte, stets etwas von dem Leid verrieten, das sie durchgestanden hatte. „Na komm, worauf hättest du Appetit?“
Für einen kleinen Moment zögerte sie, dann hellten sich ihre Augen auf. „Pfannkuchen.“
Eric musste grinsen. „Pfannkuchen?“
„Ja…“
„Also gut, die Dame wünscht Pfannkuchen. Und was möchtest du trinken?“
„Einfach nur Wasser.“
„Alles klar. Pfannkuchen und Wasser.“ Er beugte sich zu ihr hinunter und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann stand er auf und wandte sich zur Tür. „Bis gleich, meine Süße.“

Als er verschwunden war, schloss Lina ihre Augen. Er machte es ihr verdammt leicht. Sie rechnete es ihm hoch an, dass er all das für sie tat, und das, obwohl er sie im Grunde erst seit so kurzer Zeit kannte.
(Naja, immerhin liebt er dich!)
Wer weiß, welcher Mensch das noch durchgestanden hätte. Wer hätte sich nicht lieber vor der Verantwortung gedrückt, sich mit solch einem angeschlagenen Mädchen, mit Mangelware auseinanderzusetzen? Sie zuckte zusammen, als Freude und Einsamkeit miteinander rangen, und dann noch einmal, weil das Zusammenzucken in ihren Rippen geschmerzt hatte. Doch dann… siegte die Freude, und mit wachsendem Appetit freute sie sich das erste Mal seit Tagen auf eine Mahlzeit.

Bedächtig machte Eric eine große Portion Pfannkuchen, und bereitete ein Tablett vor. Marmelade, Apfelmus, Zimt und Zucker, Käse, Schinken… irgendetwas würde ihren Geschmack schon treffen, da war er sich sicher. Da er selber auch Hunger hatte, nahm er das Geschirr für zwei Personen mit. Zusammen mit den Getränken war er vollbeladen, und er betete inständig, nicht über seine eigenen Füße zu stolpern, während er die Treppe nach oben stieg und das Gästezimmer ansteuerte.
Linas Zimmer.
Sein Herz machte einen Sprung. Wie gut, dass seine offenherzigen Eltern einverstanden gewesen waren, als er gefragt hatte, ob Lina eine Weile bei ihnen unterkommen konnte. Die beiden hatten das ruhige, schüchterne Mädchen ins Herz geschlossen – nicht zuletzt, weil es ihren wilden Sohn so zur Räson gebracht hatte.
Als er nach kurzem Klopfen durch die Tür trat, merkte er, wie ihm das Herz bis zum Hals schlug. Da lag sie, inmitten von Deckenbergen, und schlief. Eine Haarsträhne war ihr über das Gesicht gefallen und schien die ganze Zeit ihre Nase zu kitzeln. Mit einer Hand hielt sie die Decke festumklammert, die andere war in den Tiefen des Bettes versunken.
Ihr bleiches Gesicht wurde von den langsam verblassenden Malen jener schrecklichen Nacht zerklüftet, wodurch sie nur noch zerbrechlicher wirkte. Ihre Haut war wie aus dünnem Kristallglas. Vorsichtig stellte er das Tablett auf den Schreibtisch, der unter dem Fenster stand, und trat an das Bett. Er sog ihren Anblick förmlich in sich auf – Lina, in einem Bett in seinem Zuhause. Es tat gut, sie zu sehen. Er wollte sie berühren. Nur einmal kurz ihre zarte Haut spüren, die trotz aller Verletzungen nie an ihrer Weichheit verlor…
…vorsichtig setzte er sich neben sie. Ganz langsam und zärtlich strich er über ihre Wange. Gerade, als er seine Hand zurückzog, öffnete sie ihre Augen und sah ihn an, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
Eric stutzte. Sie hatte nicht geschlafen, nur so getan!
„Hey, Dornröschen. Das Essen ist da.“
„Das wurde aber auch Zeit.“, grummelte Lina. Der Versuch, brummig zu sein, scheiterte jedoch an ihrem freundlichen Tonfall. Sie grinsten sich kurz an.
Eric half ihr, sich aufzurichten, und stopfte ihr ein paar Kissen in den Rücken. Dann setzte er sich, das Tablett in seinem Schoß, neben sie. Tatsächlich traf das Essen ihren Geschmack. Sie wählte vorwiegend süße Zutaten, und während er ihre Pfannkuchen mit Marmelade, Nutella, Zimt und Zucker bestrich, aß er selber Käse und Schinken.
Es gefiel ihm zu beobachten wie sie aß. Es war nahezu sinnlich wie sie einen Bissen nach dem anderen nahm und ihn wahrhaftig genoss.
Ich werde mich schon darum kümmern, dass du ein bisschen an Gewicht zulegst. Das wird dir sicherlich nicht schaden, nahm er sich fest vor und dachte darüber nach, dass sie, seitdem er sie kannte, schon immer viel zu dünn gewesen war. Tja, die meisten Mädels von heute würden sich dieses Problem wünschen. Wahrscheinlich würden sie das jedoch gar nicht mitbekommen…
Nachdem sie ganze drei Pfannkuchen gegessen hatte, ließ sie sich tiefer in die Kissen sinken und seufzte auf. Vorsichtig tätschelte sie ihren Bauch. „Jetzt bin ich pappsatt.“
„Was?“, empörte Eric sich scherzhaft, „Ich habe noch mindestens weitere drei Stück für dich eingeplant!“
Lina schüttelte den Kopf. „Willst du, dass ich platze?“
„Gib‘s zu, sie haben dir nicht geschmeckt.“, schmollte Eric weiter, und bekam, was er wollte: Lina lachte.
„Fishing for compliments, hm?“, stichelte sie zurück. „Natürlich haben sie geschmeckt, du Doofmann, sonst hätte ich nicht einmal einen einzigen ganz gegessen.“
Eric grinste sie an. Sie sah direkt etwas gesünder aus, nicht mehr so blass. Der blaue Fleck, der sich bisher so furchtbar abgehoben hatte, verblasste langsam zu einem hellen grün, nur am Auge war er noch immer sehr dunkel. Eric fragte sich, ob Lina das erste Mal, als sie sich selber im Spiegel gesehen hatte, zusammen gezuckt war. Oder ob sie den Anblick schon kannte. Etwas in ihm verhärtete sich wieder, und mit aller Macht kämpfte er diesen Gedanken zurück. Er wollte diesen kostbaren Augenblick nicht zerstören, in dem er sich wie ein ganz normaler, verliebter Junge fühlte, der mit seiner Freundin im Bett zu Mittag aß.
Lina entspannte sich immer mehr. Das Essen hatte ihr gut getan, und endlich einmal in einem wirklich bequemen Bett in privater Umgebung zu liegen hatte etwas sehr heilsames. Schon fühlte sie sich nur noch halb so invalide wie in der gesamten vergangenen Woche. Und was Eric betraf… er war wirklich nett zu ihr
(wieso auch nicht, das war er doch immer!)
und kümmerte sich um sie. Was hätte sie sich mehr wünschen sollen?
Eigentlich nichts…
Schließlich räumte Eric das Tablett zur Seite, und Lina, die langsam wieder schläfrig wurde, rutsche vorsichtig im Bett hinunter. Er musste nun lernen, wie er sich genervt eingestand. Kurzerhand holte er die benötigten Materialien, und verlagerte seinen Arbeitsplatz in das Gästezimmer. Er hatte das Bedürfnis, in Linas Nähe zu bleiben. In der Hoffnung, sie in Ruhe schlafen lassen zu können, setzte er sich an den sonnenüberfluteten Schreibtisch und begann mit Deutsch, dem Fach, mit dem alles begonnen hatte.

Advertisements

Hast du eine Meinung dazu?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s