Sonnenliebe

Hallo, meine Lieben!

Eine neue Runde, eine neue Wahnsinnsfahrt – oder, besser gesagt, eine neue Fortsetzung!

Ist das Wetter nicht unglaublich schön? Ich habe die letzten Tage leider nicht ganz so viel davon gehabt, da ich ja nicht so gut geschlafen habe und wahnsinnig lichtempfindlich war. Aber ich hatte dann zumindest alle Fenster und die Balkontür offen und habe alles schön durchgelüftet, konnte dem „Lärm“ aus dem Park nebenan und den Vögeln lauschen, traumhaft! Dazu gabs dann noch den Frühlingsputz und ein bisschen Frühlingsdeko, und jetzt habe ich auch meine Winterschuhe weggepackt. Jetzt ist wieder Zeit für Ballerinas und co!

Heute war ich dann mal ein bisschen draußen. Einfach durch die Stadt bummeln und die Verrückten betrachten (Shorts und T-Shirt, jetzt schon, hallo??), ein bisschen durch Läden tingeln und ein Eis auf dem Rückweg. Toll! Ich merke richtig, wie mein Vitamin-D Speicher wieder aufgefüllt und mein Herz gleich leichter geworden ist. Überall die bunten, sprießenden Blumen, so viele Menschen, die am Fluss sitzen oder auf den Wiesen im Park, jeden Sonnenstrahl inhalieren… selbst die Verkäufer strahlen, man merkt, wie sehr das gute Wetter aufs Gemüt schlägt. Wunderbar! 🙂

Deshalb ist es wohl auch kein Wunder, dass es Lina unbedingt nach draußen zieht. Immer drinnen zu sein kann sehr bedrücken. Was, wann, wo und wie – das könnt ihr jetzt lesen!

Habt viel Spaß dabei und genießt das tolle Wetter, so lange es noch da ist!!

Liebe Grüße,

eure Emma

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Als Lina am frühen Nachmittag wieder wach wurde, hatte Eric nur leidlich viel geschafft. Es war ein Fehler gewesen, mit Deutsch anzufangen, da dies seine Gedanken nur wieder auf die Reise geschickt hatte – zum Beispiel auf die Suche nach Hinweisen, die er trampelig übersehen hatte. Zu seinem großen Entsetzen war sie sofort hellwach und verlangte ihre eigenen Lernmaterialien, damit sie gemeinsam weiter machen konnten. Auf sein mürrisches entgegnen, er hätte schon genug gelernt, schüttelte sie lediglich den Kopf und erinnerte ihn daran, dass es nur noch drei Wochen bis zur ersten Prüfung waren und sie in den letzten Tagen schon genug Lernzeit verpasst hätten.
„Als wenn es dir schaden würde, so gut wie du bist“, murrte er leise, folgte aber ihren Wünschen.
„Nächste Woche haben wir unsere letzten Veranstaltungen“, stellte Eric plötzlich fest. „Am Samstag ist eine inoffizielle Abschlussfeier.“
Lina blickte ihn an. „Und?“
„Ich würde mich freuen, wenn du mit mir hingehen würdest. Es sind noch zehn Tage. Bis dahin sollte es dir wieder deutlich besser gehen.“
(Darum würde er sich schon kümmern)
Sie zögerte nur minimal. „Ich bin nicht in der Laune zu feiern.“
„Ich weiß. Das sind wir beide nicht. Aber trotzdem sollten wir es tun. Es gehört dazu. Mein Gott, wir machen Abi, die Prüfungen stehen bevor, und das soll unsere letzte Feier sein. Sie findet in der alten Fischerhütte statt, das ist gar nicht so furchtbar weit von hier. Na komm schon, wir können doch wenigstens mal vorbeischauen, oder?“ Mit großen Augen blickte er sie an.
Lina seufzte auf. „Na gut, wenn es mir dann wirklich besser geht, können wir hingehen.“ Sie hatte schließlich eh keine andere Wahl, oder?
„Schön!“, stellte er vergnügt fest.
Als sich der Nachmittag dem Ende neigte, wurde Lina unruhig. Sie wünschte sich nichts mehr, als sich endlich mal wieder ein bisschen bewegen zu können, etwas anderes zu sehen als ein kleines Zimmer und mehr zu spüren als die knisternde Bettwäsche.
Eric war verschwunden
(klar, er hat ein eigenes Leben, auch er hat Dinge zu erledigen)
und konnte sie somit nicht zurückhalten.
Das würde er mit Sicherheit, so übervorsichtig wie er ist, stellte sie mit einem schmalen Grinsen fest. Sie ging zu dem Fenster und blickte auf die menschenleere Straße. Was für ein friedliches Viertel, voller großer Einfamilienhäuser und Gärten. Eine Gegend, in der Lina sich niemals gesehen hätte, und nun wohnte sie mehr oder minder hier. Das übliche ungute Gefühl beschlich sie. Sie lag anderen Menschen auf der Tasche, und das passte ihr gar nicht. Leider musste sie sich eingestehen, dass es momentan nicht zu ändern war. Ins Zeitlos zu gehen, um durch Überstunden mehr Geld zu verdienen, war derzeit nicht möglich. Vermutlich würde sie unter einem vollen Tablett zusammenbrechen. Die andere Option war also lediglich, wieder in die alte Wohnung zurück zu kehren, doch…
… sie erschauderte. Nein. Eric würde es sicherlich nicht zulassen, und sie selber würde den Gedanken auch nicht ertragen, wieder unter einem Dach mit ihm zu wohnen. Ab dem Moment, als sie Eric, verletzt und verzweifelt, nach dem Übergriff angerufen hatte, war ein Prozess  zum Laufen gebracht worden, der nicht mehr zu stoppen war. Diesen Schritt würde sie nicht mehr rückgängig machen können.
Doch was sollte sie tun?
Die Sonne blitzte sie freundlich an, tiefstehend lugte sie über die letzten Dächer und versprach einige wenige Sonnenstrahlen, bevor sie sich der Nacht ergab. Plötzlich spürte Lina das große Verlangen, nach draußen zu gehen. Raus in den Garten, irgendwohin.
Sie wusste, dass sie dem Schein nicht trauen durfte, und schlüpfte in ihre Jacke. Dann atmete sie noch einmal tief durch, und verließ das Zimmer. Das Haus war menschenleer. Vorsichtig und langsam tastete sie sich ihren Weg zum Wintergarten. Dort angekommen merkte sie, wie der Schwindel ihr zu Kopfe stieg, und schwer atmend ließ sie sich auf die Fensterbank sinken.
Wow, schoss es ihr durch den Kopf, bei dem Tempo schaffe ich es vor morgen früh nicht ans Ende des Gartens! Ihr Körper pulsierte. Tatsächlich hatte sie das Gefühl, dass sie noch nie zuvor so angeschlagen gewesen war wegen…
Kopfschüttelnd schob sie den Gedanken zur Seite und konzentrierte sich ganz darauf, nach draußen in die spätnachmittägliche Sonne zu gelangen. Es würde ihr sicherlich wieder etwas Energie verschaffen, wenn sie an die frische Luft gelangen würde. Mit diesem Ziel vor Augen ignorierte sie ihre weichen Knie und steuerte die Tür an.
Tatsächlich merkte sie, wie ihr leichter ums Herz wurde, schon als sie den ersten Schritt vor die Tür setzte. Langsam umrundete sie die Rasenfläche und steuerte schließlich eine Holzbank an, die in einer Art Pavillon stand. Rosenstängel rankten an den Eisenstreben hoch und gaben einen Hinweis darauf, wie schön dieser Ort bald schon werden würde. Leichte Vorfreude keimte in ihr auf und sorgte für ein angenehmes Kribbeln in ihrer Magengegend. Die kühle Luft tat nach all der Zeit im Haus und Krankenzimmer gut und schien jeden Zentimeter ihrer freiliegenden Haut zu kitzeln. Froh darüber, sich den dicken Mantel angezogen zu haben, setzte Lina sich auf die Bank und kam sich dabei vor wie eine alte Frau.
Alt, gebrechlich, und kaum in der Lage, sich zu bewegen, schalt sie sich selbst. Dann zog sie ihre Beine an und legte ihren Kopf auf die Knie. Ein wenig ausruhen kann ich mich ja jetzt ruhig. Nur fünf Minuten…

 Eric fand sie, als er aus der Stadt wiederkam. Schon von weitem sah er ihre zusammengekauerte Gestalt, und eine Mischung aus Sorge und Freude verwirbelten sein Innerstes. Er wusste, eigentlich müsste er seine Empfindungen zügeln, doch je mehr Zeit er mit Lina verbrachte, desto mehr fühlte er sich zu ihr hingezogen – sowohl emotional, als auch körperlich. Es kostete ihn viel, sich dies einzugestehen. Verdammt, er hatte einfach zu lange schon keine intime Beziehung zu einem Mädchen gehabt, geschweige denn eine Affäre! Aus dieser Phase war er längst heraus, und dennoch hatte er seit dem Zeitpunkt, als er sich dies eingestanden hatte, keinen Kontakt mehr zu anderen Frauen aufgenommen.
Und jetzt das.
Er wohnte mehr oder weniger mit dem Mädchen zusammen, das seine Gefühle vollkommen in Beschlag genommen hatte, und anstatt sich diskret, aber zügig an sie heran zu machen, wähnte er sich nun schon seit Wochen, ja sogar Monaten, in Zurückhaltung. Wie gerne hätte er ihr gezeigt, dass körperliche Zärtlichkeit auch schön sein konnte… Eric bremste sich gezwungenermaßen, als er merkte, wie sich etwas bei ihm regte.
Das konnte er nun weiß Gott nicht auch noch gebrauchen!
Dankbar über die lang geschnittene Jacke betrat er das Grundstück und ging zu der zusammengekauerten Gestalt.
„Hey, was machst du denn hier?“, fragte er sie, doch Lina reagierte nicht. Er wartete einen Moment, dann runzelte er die Stirn. „Ha ha. Nochmal falle ich da nicht drauf rein!“ Er plumpste neben sie auf die Bank und schaute sie sich genauer an. Ihm fiel ihre ruhige Atmung auf, und plötzlich wurde ihm klar, dass sie diesmal tatsächlich schlief.
Unglaublich! Wie ein Faultier schläft sie selbst in unbequemsten Situationen!, stellte er amüsiert fest. Gleichzeitig überflutete Zärtlichkeit sein Herz. Vorsichtlich legte er einen Arm um ihre zusammengekauerten Schultern, um sie näher an sich zu ziehen. Als er jedoch merkte, wie kühl sie war, vertieften sich wieder die Furchen in seiner Stirn. Wie lange war sie schon hier draußen?
„Lina!“, rief er lauter und schüttelte sie sacht. „Aufwachen!“
Sie schreckte hoch – und zuckte zusammen, als sie merkte, wie steif sie war. „Wa… was?“
„Bist du eigentlich wahnsinnig geworden?“, schimpfte Eric sofort los. „Willst du krank werden?“
Verwirrt blickte Lina sich um. Dann erinnerte sie sich wieder. Die Bank im Pavillon, ihr Drang, an die frische Luft zu kommen. Leise stöhnend richtete sie sich auf.
„Was tust du hier eigentlich?“
Sie blinzelte ihn kurz an. Die Sonne war kurz davor, am Horizont zu verschwinden. „Ich musste einfach raus“, murmelte sie.
„Aha. Um draußen weiter zu schlafen. Lina, du bist noch längst nicht wieder fit! Willst du dir  eine Lungenentzündung holen?“
„Nein.“
Als Eric ihren verschämten Ton hörte, konnte er sich endlich wieder bremsen. In einem weniger aggressiven Ton fragte er: „Seit wann bist du denn hier?“
„Hm, keine Ahnung. Eine Weile.“
„Na komm.“ Er stand seufzend auf und zog sie auf die Beine. „Lass uns reingehen. Ich mache uns etwas Warmes zu trinken.“

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