Wirf deine Geda…

Wirf deine Gedanken wie Herbstblätter in einen blauen Fluss, schau zu, wie sie hineinfallen und davontreiben, und dann vergiss sie.

(Zen-Weisheit)

Hallo meine Lieben.

Während ich heute so ein bisschen durch die Weiten des Internets geschwommen bin, ist mir oben stehendes Zitat unter die Nase gekommen. Ich musste es dreimal durchlesen und noch immer rührt es mich ganz tief in meinem Inneren an.

Es steckt so vieles in diesen wenigen Worten, dieser Zen-Weisheit, die vermutlich nur wenige von uns kennen. Ich bin kein Verfechter des Buddhismus, ebenso wenig wie von irgendeiner anderen Religion. Nicht, dass ich ungläubig wäre, doch ich denke, dass das, woran ich glaube, nur schwer in Worte zu fassen ist. Dieses zu erläutern wäre jedoch zu umfangreich und nicht Teil meines heutigen Beitrages.
Was ich in jedem Fall unterstreichen kann, ist jedoch, dass der Buddhismus viele wichtige Kernaspekte hat, die man sich immer wieder vor Augen führen sollte, gerade in der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft, die so vieles verlangt, ohne auch nur ansatzweise genug zu geben.
Ich selber gehöre ganz klar zu jener Sorte Mensch, die sich zu viele Gedanken um viel zu viele Dinge macht. Es fällt mir unglaublich schwer, etwas einfach nur hinzunehmen, die „Fürs“ und „Widers“ flitzen durch meinen Kopf wie Eichhörnchen auf Speed (oder Zucker, falls ihr den Film „Ab durch die Hecke“ kennt). Ich mache mir Gedanken um alles und jeden, um mögliche Auswirkungen und mache mir damit das Leben eindeutig schwerer, als es sein müsste.
Theoretisch ist mir das alles klar, praktisch kann ich diese wohlmeinenden Erinnerungen nicht dazu nutzen, mich zu bessern. Dabei sagt zum Beispiel gerade der Buddhismus, dass man seinen Gedankenfluss zwar wahrhaben und betrachten, ihn aber gleichzeitig auch davontreiben lassen soll.
Und im Endeffekt ist das unglaublich wahr. Pauschal würde ich das natürlich nicht behaupten, es gibt vieles, was man sich immer wieder in Erinnerung rufen sollte, doch welchen Sinn und Zweck hat es, immer und immer wieder auf alten Schuhsohlen rumzukauen? Es belastet mehr, als dass es hilft, es bindet Energien, die man viel sinnvoller einsetzen könnte – und es kann auf Dauer zermürben. In diesem Zusammenhang möchte ich auf meinen Beitrag aus der letzten Woche verweisen, den zum Thema Schlaflosigkeit. Denn insbesondere in der Nacht ist es so, dass meine Gedanken fortwährend in einem Karussel durch meinen Kopf schwirren, mir eine lange Nase zeigen und mich nicht in Ruhe lassen. Die Vorstellung, mich mental an einen Fluss stellen zu können, die Gedanken hineinzuwerfen und ihnen dann lächelnd hinterherzuwinken ist natürlich sehr reizvoll für mich. Andererseits kenne ich mich und mein verkopftes Denken – ob es einfach so machbar ist, weiß ich auch nicht. Ich schaffe es ja nicht einmal, mir Schäfchen vorzustellen, die brav über einen Zaun springen – und das ist im Endeffekt auch nichts anderes. Ein gedankliches Fantasiekonstrukt, um sich zu fokussieren und Ruhe zu finden. Schon eine Ironie des Schicksals, dass ich Geschichten erdenken kann wie ich will, als hätte ich einen mentalen, nie verendenden Fantasiebrunnen; doch wenn es mir hilfreich sein soll, stellt mein Kopf sich stur, das gemeine Ding.

Manchmal ist es vielleicht ganz hilfreich, andere Zugänge zu einem Dilemma zu finden. Ich habe gestern ein langes Gespräch mit meinen Eltern geführt, über die Schlafstörungen und auch über meine Zukunft. Und die wohl wichtigste Quintessenz möchte ich euch nicht vorenthalten. Genau genommen sind es sogar zwei.

1. Finde einen positiven Zugang zu der Sache.
Wenn mein Körper und mein Geist nicht schlafen wollen, muss ich sie beschäftigen, denn vielleicht ist es eine Botschaft an mich. Ich sollte also aufhören, ins Dunkle zu starren und stattdessen meine kleine Insel verlassen. Ich kann ja zum Beispiel herrlich schreiben in der Nacht, Ruhe habe ich dann allemal. Ich werds versuchen; eine dauerhafte Lösung ist das jedoch nicht. Schließlich bin ich kein Vampir/Werwolf/Nachtmensch, der die Nacht zum Tage machen will und andersherum…

2. Schaue nicht zurück, denke nicht über geschehene Fehler nach.
Auch eine sehr schlaue Sache. Natürlich heißt das nicht, dass man aus Fehlern nicht lernen sollte, ganz im Gegenteil. Aber alles im Leben bringt einen dorthin, wo man sich gerade befindet, dazu gehören auch Entscheidungen, die man im Nachhinein am liebsten rückgängig machen würde. Immerhin ist Irren menschlich, wir sind keine perfekt geölten und programmierten Maschinen, die immer alles richtig machen. Doch wären wir dann an der Stelle, an der wir uns gerade befinden?
Lernen ja, grübeln und in der Vergangenheit leben: NEIN!

Diese zwei Aspekte versuche ich zu verinnerlichen, insbesondere der letzte sollte mir in meiner Grübelproblematik eigentlich helfen. Eigentlich. Und vielleicht kann ich mir ja helfen, indem ich mir dabei diesen blauen Fluss vorstelle, der leise plätschernd durch die Wiesen fließt und allerlei Laub mit sich trägt. Es bedeutet, loslassen zu können, und das muss ich vermutlich noch lernen. Denn Altlasten trage ich auf jeden Fall eine Menge mit mir herum, und längst nicht alles davon ist tatsächlich nötig.

Ihr seht, Einsicht habe ich eine ganze Menge. Schön theoretisch das alles, aber immerhin bedeutet es: Ich habe mir Gedanken gemacht. Und all das durch oben genanntes Zitat, das meine kleinen grauen Zellen zum Rotieren gebracht hat. Vielleicht sollte ich häufiger den kleinen Fluss in unserer Stadt besuchen, der praktischerweise direkt vor meiner Haustür vorbeifließt. Die Symbolik umsetzen und tatsächlich kleine Blätter ins Wasser schmeißen – oder, noch viel praktischer, für jeden Gedanken ein Stück Brot, das die hübschen Enten fressen können. So hätte das ganze einen praktischen Mehrwert, und die Enten werden auch satt. Und die Gedanken sind im wahrsten Sinne des Wortes gefressen…

… einen Versuch wäre es wert, oder?

Wie steht ihr dazu? Seid ihr auch solche Grübelmenschen wie ich? Habt ihr Strategien entwickelt, wie ihr damit umgehen könnt, damit nicht ständig in den unpassendsten Momenten blöde Grübeleien aufkommen? Seht ihr das etwa ganz anders und findet es schön? Oder habt ihr einen mentalen „Gedanken-Stopp“, wenn ihr merkt, dass der Strudel euch erfasst?

Ich freue mich über eure Meinungen und wünsche euch eine gute Woche!

Eure Emma

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4 Gedanken zu „Wirf deine Geda…

  1. Warum sollte man diese Weisheit nicht kennen? Die hat doch schon der gute Paolo Coelho für sich entdeckt. Der ließ zwar Papier und Steine in den Fluss werfen, das Grundprinzip bleibt.

    Und wie schaltet man Gedanken ab? Man denkt sie einfach nicht. Es ist doch ganz einfach: Du hast ein Ziel. Autorin werden, Essen zu gehen, neue Wollsocken zu kaufen. Was also hindert dich daran dieses Ziel umzusetzen? Oder eins davon. Nehmen wir das Essen. Kühlschrank auf, Essen raus und … 😀 Bei den Socken kann es schwerer werden, wenn die Farbe nicht gefällt. Oder du vielleicht vorher noch etwas essen musst, aber nichts im Haus hast, da du momentan zur Autorin wirst. Verstehst du den Punkt? Ein Schritt nach dem anderen. Die Gedanken auf ein Ziel richten. Sich nicht ablenken lassen und dann „zuschlagen.“ Punkt. Das wars.

    Ich habe im Alter von 5 Jahren mit meinem Vater zu trainieren begonnen. Das half. Er ließ mich gewähren und führte mich mit sanfter Hand zum Ziel. Das Buch der fünf Ringe von Miyamoto Musashi begleitet mich seit dieser Zeit. Auch durch dieses Buch habe ich gelernt sehr nüchtern und effektiv zu denken und mich nicht immer im Kreis zu drehen. Was ich möchte mache ich. Natürlich in Absprache mit meiner Frau. Sonst wirft sie mir Kissen an den Kopf. 😉

    Natürlich denke ich auch nach. Aber niemals wochenlang. Ich stand letztes Jahr vor der Entscheidung einen anderen (Lebens)Weg zu gehen. Wir haben die für uns unbefriedigende Berufssituation analysiert, Alternativen gesucht und auch gefunden. Das hat Verzicht auf sehr viel Geld bedeutet. Aber es hat uns nicht gestoppt.

    Nicht jeder Mensch kann so wie ich denken, oder sollte es tun. Das erfordert Übung und eine Seele, wie die meine. Ich bin nicht so normal, wie die meisten Menschen. Und das hat nun nichts mit lesbisch sein zu tun. Für mich ist das ja normal. Aber ich kann einfach anders denken. Präzise, analytisch. Und trotzdem habe ich mir meine Emotionen bewahrt und meine wieder erwachte Kreativität. Und du kannst das auch!

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  2. Liebe Nandalya,

    zunächst einmal Danke für deine Antwort! Es mag sein, dass du dich selbst als „nicht so normal“ bezeichnest (und ehrlich gesagt – ich wäre niemals auf die Idee gekommen, das mit deiner sexuellen Orientierung zu verbinden, wieso auch?) – aber prinzipiell ist es doch gar nicht schlecht, nicht so normal zu sein. Oder, anders formuliert: Wer sagt denn, dass normal immer gut ist?

    Ich habe ja bereits in deinen Blog reingeschnuppert, deinen Kommentar aufmerksam gelesen und das Buch gesucht, das du erwähnt hast. Ich empfinde deine Denkweise als sehr positiv. Du hast Recht, ein Schritt nach dem anderen, sofern das geht. In mir steckt in jedem Fall auch die Fähigkeit dazu, selbst wenn ich mich gerne als leicht verplant betrachte. Momentan, und daran orientiert sich dieser Blogeintrag, ebenso wie der zum Thema Schlaflosigkeit, muss ich jedoch erst wieder lernen, Gedanken loszulassen und startegisch vorzugehen. Krankheitsbedingt (Depressionen) fällt mir das derzeit nicht immer leicht – aber ich arbeite daran. Und es tut gut, Worte wie deine zu hören, denn sie ruckeln an meinem Tunnelblick, der immer wieder mein Blickfeld einengt. Das soll jetzt nicht klingen, als würde ich die Verantwortung für mein Tun, in diesem Fall insbesondere für mein Denken und Fühlen, abgeben – ich arbeite. Ich arbeite an der Krankheit (oder eher gegen), an mir und an meiner Perspektive. Nennen wir es einfach einen erhöhten Schwierigkeitsgrad. Das Leben ist eben nicht immer einfach, und wenn doch wäre das sehr langweilig.

    Witzigerweise steht auch bei mir eine berufliche Veränderung an, da ich mit meiner Situation sehr unzufrieden war. Zumindest dieses Ziel habe ich ganz klar vor Augen und arbeite mich konsequent dorthin – das ist doch schonmal eine große, gute Sache.

    Bis dahin erprobe ich mich als Autor, lerne jeden Tag dazu und genieße es, solch wertvolle Kommentare wie den deinen lesen zu können!

    Ganz liebe Grüße,
    Emma

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    • Das Buch der fünf Ringe ist von dem berühmstesten japanischen Samurai geschrieben worden und handelt von Kampf und Krieg. Aber … und das sollte man wissen, es ist und bleibt auch in heutiger Zeit für andere Lebenslagen ein Standardwerk. Für japanische Manager ist es Pflichtlektüre. Die Gegner heute heißen nicht Samurai. Heute sind es andere Konzerne, aber eben immer noch der „Feind.“ Und die Prinzipien eines Duells kann man auch aufs Wirtschaftsleben übertragen.

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