Freunde

Hallo liebe Leser,

heute gibt es die Fortsetzung von Lina ein bisschen später, da ich heute Nachmittag meinen Geburtstagsgutschein für eine professionelle Maniküre eingelöst habe. Ich tippe nun also mit frisch behandelten, ultraweichen und sanft nach Orchideen duftenden Fingern diese Zeilen.

Könnt ihr euch diesen wundervollen Geruch vorstellen?

Ja, ich hatte Geburtstag, und zwar gestern. Es war ein wundervoller Tag für mich, der beste seit langem, wenn ich ehrlich bin. Das hat viel damit zu tun, dass ich ganz gelöst und frei Zeit mit lieben Freunden und mit meinem Liebsten, meinem Partner, verbringen konnte. So viele schöne Wünsche haben mich erreicht, und ich wurde tatsächlich so reich beschenkt wie noch nie. Ich möchte damit gar nicht prahlen, ich möchte einfach nur deutlich machen, wie überwältigt ich davon bin. Dieser Tag wird mir noch sehr lange im Gedächtnis bleiben!

Ein Grund dafür hat sich bereits am Morgen ereignet, als ich mit ein paar sehr lieben Freunden frühstücken war, eine Tradition, die ich gerne an meinem Geburtstag auslebe. Mein Bruder und seine Freundin waren natürlich auch mit dabei. Und von ihnen, genauer gesagt von der Freundin meines Bruders, habe ich das Geschenk erhalten, das mich fast dazu gebracht hat, in aller Öffentlichkeit zu weinen: Vor Freude, vor Glück, vor Rührung, weil es die Erfüllung eines ganz großen, geheimen Wunsches von mir war.

Könnt ihr euch noch an das Gewinnspiel Ende letzten Jahres erinnern? Das erste, das ich veranstaltet habe, jenes, bei dem man den Elfenanhänger gewinnen konnte, den Lina an Weihnachten von Eric erhält?
Um zu gewinnen, musste ein kreativer Beitrag geleistet werden, der von einem Gedicht über eine Geschichte bis hin zu einem Bild alles sein konnte – und ein Bild wurde tatsächlich eingereicht. Die Freundin meines Bruders ist unglaublich kreativ und hat damals ein Bild von Lina und Eric gemalt, das meiner Meinung nach zu einhundert Prozent die Stimmung auffängt, die zwischen den beiden herrscht. Ich möchte euch gar nicht genauer beschreiben, was ich meine, um euch nicht zu lenken, aber ihr erhaltet natürlich von mir die Möglichkeit, euch dieses Bild selber anzuschauen und eure eigenen Eindrücke zu sammeln.

Betrachtet das Kunstwerk selber:

Bild

 

Ist es nicht wunderbar? Schon ab dem Moment, als das Bild im Zuge des Gewinnspieles bei Facebook hochgeladen wollte, war ich wie gebannt. Ich durfte (und darf) nicht parteiisch sein, weil das Gewinnspiel durch die Mehrheit entschieden wurde (die meisten Likes kührten den Gewinner), doch für mich war das Bild sofort mein Favorit. Der Gewinner meines Herzens, hatte es doch sofort mein Herz berührt. Ich mag jetzt sehr rührselig klingen, doch Lina (und ihre Geschichte) ist nun einmal mein Baby, mein Erstling, ich habe so viel in sie hineingesteckt. Dann ein Bild zu sehen, das Lina und Eric derart (mir fehlen gerade die Worte…) wahnsinnig gut (lahme Lösung, was anderes fiel mir nicht ein) darstellt… es ist unfassbar. Es ist einzigartig. Und seit gestern ist es meins. 🙂

Ich bin unendlich glücklich. Das Bild hat seinen Platz gefunden, im Wohnzimmer über dem Fernseher, zentral und für alle sichtbar und einfach perfekt.

Ich danke dir von Herzen, dass ich dieses Bild nun besitzen darf, es bedeutet mir mehr, als ich in Worten fassen könnte. Dir, und nur dir, widme ich den heutigen Beitrag, meine Liebe!

Dieses Bild hat die Weichen für den Tag gestellt, der von Minute zu Minute immer schöner wurde, und ich möchte einfach sagen, wie dankbar ich bin, Menschen wie dich, wie euch alle zu kennen.

Danke!

Natürlich kommt jetzt noch die Fortsetzung und ich will euch gar nicht weiter mit meinen Rührseligkeiten ablenken. In jedem Fall wünsche ich euch viel Spaß beim Lesen – und genauso tolle Freunde, wie ich sie habe. Denn sie bedeuten mir die Welt!

Alles Liebe,

eure Emma

 

***************************

 

„Mensch Lina, geht’s dir endlich wieder gut? Wir haben uns wirklich Sorgen um dich gemacht!“ Besorgt blickten Marina und einige andere sie an.
Lina hatte ihr erstes – nicht wenig alkoholisches – Getränk schon intus, ein zweites, volles Glas in der Hand. Die ersten Minuten hatte Marina damit verbracht, sich von Lina in Kurzform auf den neuesten Stand der Dinge bringen zu lassen. Dabei hatte sie sich tatsächlich mit den von Lina aufgetischten Lügengeschichten abspeisen lassen, ohne auch nur einmal die Augenbraue zu heben. Danach hatte Marina ihrerseits einen kurzen Abriss der Geschehnisse der letzten Schulwochen gegeben. Nun standen sie an die Fensterbank gelehnt am anderen Ende des Raumes mit Blick auf die Tanzfläche. Marinas Füße wippten im Takt, und auch Lina merkte, wie der Alkohol warm durch ihre Adern floss und sie etwas entspannte.
Lina beugte sich zu Marinas Ohr. „Ja, schon. Manchmal zwickt es noch an der ein oder anderen Stelle, aber das geht schon.“
Dass sie von einem Auto erwischt worden war, als sie, unvorsichtig wie sie manchmal sein konnte, schnell die Straße überqueren wollte, hatte man ihr tatsächlich ein wenig zu schnell abgenommen.
Wie auch immer.
„Meinst du denn, du kannst tanzen?“
Lina hob ihr Glas an die Lippen und nahm einen langen, kräftigen Schluck. „Wenn du mir noch ein bisschen mehr hiervon besorgst?“
Marina juchzte auf. „Nichts lieber als das!“
Linas Blick wanderte durch die Menge, während Marina für Nachschub sorgte. Wo war bloß Eric? So ziemlich jeder aus dem Jahrgang war erschienen und tanzte mehr oder minder ausgelassen. Oder stand zumindest mit einem Bier in der Hand irgendwo herum und wirkte zufrieden.
Mein Gott. Das war’s schon?, fragte sich Lina, und ihr schauderte es. Schon ein komisches Gefühl, all diese Leute bald nicht mehr zu sehen. Auch wenn sie mit den wenigsten etwas zu tun gehabt hatte.
Schließlich entdeckte sie Eric, wie er zusammen mit Thomas und zwei anderen Mitschülern am Kicker stand und in ein scheinbar sehr aufwühlendes Spiel verwickelt war. Seine Zähne blitzten, als er lauthals lachte, Thomas zuprostete und ein erzieltes Tor durch einen großen Schluck Bier feierte. Lina seufzte. Sollte so jemand sich wirklich ernsthaft für sie interessieren? War das wirklich die Person, die ihr noch vor zwei Tagen angeboten hatte, ihr das Studium mitzufinanzieren? Während sie ihn so betrachtete, wuchsen wieder die schmerzhaften Zweifel in ihr, die zwar stets im Hintergrund vorhanden waren, in Erics Nähe aber meist auch genau dort blieben.
„So, da bin ich wieder!“ Marina riss sie aus ihren Gedanken, indem sie ihr ein weiteres Glas in die Hand drückte. „Hier, trink das, und dann gehen wir abspacken. Das Lied ist einfach nur genial!“
Den Klumpen im Magen ignorierend trank Lina das ihr angebotene Getränk auf ex –
„So ist’s richtig, Süße!“ –
und folgte Marina auf die Tanzfläche. Ein paar der anderen Mädels schlossen sich ihnen jubelnd an und Lina tat das einzig Richtige: Sie schaltete ihre Gedanken ab und gab sich ganz dem Rhythmus der Musik hin.
Und dem doch irgendwie schönen Gefühl, mit Marina und den anderen zusammen tanzen zu können.

„Sieh an, unser stilles Mädchen wird wieder zur Furie!“, schmunzelte einer der Jungs und stupste Eric in die Seite. „Hast du sie schon einmal so erlebt?“
„Wen?“, verwundert drehte Eric sich um und folgte den Blicken der anderen Jungs um sich herum.
Und erstarrte.
Mitten auf der Tanzfläche, im freien Blickfeld, da sich um sie herum eine Art Kreis gebildet hatte, tanzten Marina, ein paar weitere Mädels und Lina, als gäbe es kein Morgen.
Sein Mund wurde ganz trocken, als er sah, wie grazil, wie rhythmisch, wie erotisch Lina sich zu dem schnellen Takt des aktuellen Liedes bewegte. Insbesondere sie und Marina tanzten miteinander, als hätten sie ihr Leben lang nichts anderes getan.
„Mein Gott, ein herrlicher Anblick!“, tönte eine Stimme hinter ihm.
„Mir wird echt heiß!“
Eric war sprachlos. So hatte er Lina tatsächlich noch nie gesehen. Es fiel ihm sehr schwer, sie mit dem Mädchen in Einklang zu bringen, das ihm so unwillig auf die Party gefolgt war.
„Wahnsinn, oder?“ Thomas trat neben ihn und reichte ihm eine weitere Flasche Bier.
Eric schüttelte nur den Kopf. „Ist das wirklich Lina, oder ein sehr ähnlich aussehender Zwilling?“
Thomas lachte. „Nein, das ist Lina. Und dass selbst du diese Seite von ihr noch nicht kennst, soll was heißen.“ Thomas zwinkerte. „Weißt du, so ein, zwei Mal im Jahr, wenn Marina sie mal wieder auf irgendeine Party schleppen konnte und wenn der Alkoholpegel stimmt… dann passiert das mit ihr. Schätze, das ist der Grund, warum wir alle auch im Endeffekt wissen, dass sie genauso ein Mensch ist wie wir auch.“
Obwohl Eric diese letzte Aussage gehörig gegen den Strich ging, sah er sich noch immer nicht in der Lage zu reden. Das war einfach zu abwegig, passte gar nicht zu dem Bild, das er von der Kleinen hatte. Niemals hätte er geahnt, dass so viel Energie in ihr stecken konnte. Und seit wann störte es sie nicht, so im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen? Es musste ihr doch bewusst sein, dass man sie beobachtete…
„Willst du mal hingehen?“
Eric überlegte kurz. Dann schüttelte er jedoch den Kopf. „Nein, dieses Spektakel möchte ich mir erst noch ein Weilchen anschauen.“

„Und?“, schrie Marina ihr ins Ohr. „Hat Eric auch wirklich so einen Mordskörper wie es scheint, oder hat sich die Hälfte des Jahrgangs unnütze Gedanken gemacht?“
Lina lachte verlegen auf. Sie machten gerade eine kurze Trinkpause. „Woher soll ich das wissen?“
Marina blickte sie gekünstelt unschuldig an. „Wie, habt ihr bisher etwa nur Händchen gehalten?“
Linas Alarmglocken begannen zu schrillen, doch sie ertränkte sie schnell mit Wodka E. „Nein, ja… nein.“
„Lina, tu nicht so kokett!“ Marina kicherte los.
Lina senkte ihren Kopf. „So ist das nicht…“ Sie wusste, dass Marina mehr erwartete. „Aber… oh, du kannst dir einfach nicht vorstellen, wie gut er küssen kann!“
Diese Antwort reichte Marina vollkommen, und bevor sie für das nächste Lied die Tanzfläche stürmten, brachen beide in ein von Alkohol geleitetes Gelächter aus.

Ob Eric wirklich so einen Mordskörper hat? Es war geschehen. Marina hatte diesen Gedanken in ihren Kopf gepflanzt. Schweren Herzens musste Lina zugeben, dass sie schon genügend Einblicke bekommen hatte
(seine Beine am Mittwoch!!),
um diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten zu können. Und tatsächlich hatte ihr Körper begonnen, auf diese untrüglichen Reize zu reagieren. Doch was hätte zwischen ihnen schon passieren können? Lina war sich nicht einmal sicher, ob Eric überhaupt ein derartiges Interesse an ihr hegte – erst recht nach jener Enthüllung im Krankenhaus. Ja, je mehr Lina in ihrem angeheiterten Zustand darüber nachdachte, desto sicherer wurde sie sich, dass Erics Interesse auf sexueller Ebene schlichtweg nicht vorhanden war. Wie auch, wenn er stets darüber nachdenken musste, was sie alles schon mit Ihm getan hatte?
Obwohl Lina innerlich immer unglücklicher wurde, merkte man ihr dies auf der Tanzfläche nicht an. Im Gegenteil, je düsterer ihre Gedanken wurden, desto extrovertierter wurde sie.
Das beobachtete Eric und hielt es immer weniger aus, nur zuzuschauen.
Was zur Hölle ist nur mit ihr passiert? Nicht nur, dass ich sie so noch nicht gesehen habe… Wenn sie so weiter macht, wird ihr ganzer Körper morgen nur aus Schmerzen bestehen! Sie war doch noch gar nicht richtig gesund…
Lina, Marina und die anderen tanzten. Sie tanzten und tanzten. Sie tranken Wodka E, lachten und tanzten weiter. Tatsächlich spürte Lina die Aufmerksamkeit, die ihnen geschenkt wurde, doch von Lied zu Lied wurde es ihr immer mehr egal. Ihre Rippen begannen zu schmerzen, aber statt einen Gang zurückzufahren, tanzte sie noch wilder mit Marina. Irgendwann, als sie schon längst ihren Sinn für Zeit verloren hatte, stolperten sie wieder einmal von der Tanzfläche, um sich ein weiteres Getränk zu holen. Einige ihrer Haare hatten sich aus ihrem Zopf gelöst und klebten in kleinen Löckchen an ihrer verschwitzten Stirn, ihr Top lag ihrem Körper an wie eine zweite Haut. Nach außen hin sah sie für viele im Raum vollkommen natürlich aus, vollkommen normal, doch in ihr drin herrschte dieses furchtbare Vakuum. Außen- und Innenwelt passten mal wieder so gar nicht zusammen, und alles hatte begonnen mit der Anspielung auf Erics Mordskörper.
Es war zum Verrücktwerden.
Gerade trank Lina einen großen Schluck aus ihrem Glas, als jemand sie am Arm packte.
„Du hast ja ganz schönen Durst heute Abend!“
Linas Herz machte einen großen Sprung, als sie sich umdrehte (nicht, ohne dabei etwas von ihrem Wodka über Erics Arm zu schütten), um dem Besitzer dieser Stimme in die Augen zu schauen. Nur kurz, dann wich sie seinem Blick wieder aus. Und spürte ihren Schwips nur zu deutlich.
Eric senkte seinen Kopf und murmelte ihr ins Ohr. „Alles okay bei dir? Du wirkst irgendwie so… aufgekratzt.“ Dabei wanderte seine Hand über ihren Rücken und blieb kurz über ihrem Hintern stehen.
(Klar, wieso sollte er dich dort auch berühren wollen?)
Der kleine Klumpen in ihrem Magen wurde größer. „Klar doch. Und jetzt entschuldige mich bitte, ich glaub wir wollen weitertanzen!“ Und mit einem bedeutungsschweren Blick schaute sie Marina an.
Doch spätestens jetzt spürte Eric, dass wirklich etwas nicht stimmte, und er hielt sie fest. „Ich glaube, du kannst eine kleine Pause ganz gut gebrauchen.“ Jetzt schaute er Marina an. „Du entschuldigst sie doch kurz?“
Marina nickte, blickte Lina aber mit einem entschuldigenden Blick an, der gleichzeitig so viel hieß wie „Das klingt nach Schwierigkeiten“.
Entschlossen zog Eric Lina zur Tür und trat mit ihr an die frische Luft.
So plötzlich im Freien zu stehen, die Musik nur noch gedämpft im Hintergrund, brachte Linas Kopf zum Schwimmen. Nachdem Eric sie ein paar Meter mit gezogen hatte, lehnte sie sich schließlich an die Hauswand. Die raue, kühle Verkleidung rieb an ihrer Haut und verursachte ihr eine tiefe Gänsehaut.
Für einen kurzen Moment schloss sie ihre Augen und versuchte, wieder einen klaren Gedanken fassen zu können, doch dummerweise verstärkte das den Schwindel zusätzlich. Ihre Ohren rauschten. Als sie wieder aufblickte, stand Eric mit verschränkten Armen vor ihr und sah ziemlich finster aus.
„Also, was gibt’s?“, brachte sie schließlich mühsam hervor – und musste ein plötzlich aufkommendes, hysterisches Kichern unterdrücken.
„Eventuell sollte ich das wohl eher dich fragen!“
Lina riss die Augen weit auf. „Ähm?“
„Ich kann es nicht fassen! Wie viel hast du getrunken?“, regte Eric sich auf. „So habe ich dich ja noch nie erlebt!“
Das Stichwort nutzend, hob sie ihr fast vergessenes Glas an die Lippen und trank es in einem Schluck aus, bevor Eric es ihr entreißen konnte.
„Hast du so den ganzen Abend verbracht? Findest du das gut? WodkavE exen und tanzen, als wolltest du sämtliche Jungs, die in dem Raum da versammelt sind, auf dich scharf machen?“
Nur kurz spürte Lina Scham in sich aufkommen, doch das unterdrückte sie sofort. Sie war nicht bereit, sich von Eric alles kaputt machen zu lassen. Also ging sie in die Offensive. „Was, darf ich nicht einmal Spaß haben auf der Party, zu der du mich geschleppt hast?“
Das saß, das sah Lina sofort, doch sie bereute ihre Worte nicht. Morgen vielleicht, wenn sie wieder nüchtern war.
„Das nennst du Spaß haben? Morgen wirst du dich fühlen als wärst du tot! Du hast vor zwei Wochen noch im Krankenhaus gelegen!“
Schlagartig wurde Lina stocksteif. Er hatte es wieder einmal angesprochen. „Darf ich deshalb die Party nicht genauso genießen wie meine Mitschüler? Wie meine Freundin Marina?“, murmelte sie leise.
Sofort bekam Eric ein schlechtes Gewissen. „So war das nicht gemeint. Ich mache mir doch nur Sorgen um dich und um deine Rippen und…“
Doch Lina wandte sich schon von ihm ab. Aber statt, wie er fast erwartet hätte, wieder zur Party zu gehen, entfernte sie sich weiter von ihr und ging auf die dunkle Straße zu.
„Wo willst du hin?“
Lina gab keine Antwort. Eric trabte ihr schnell hinterher. Auch er merkte seinen Alkoholpegel, doch gerade war er niedriger, als ihm lieb war. „Lina, bleib stehen!“ Er packte ihre Schulter, und als er sah, wie sie zusammen zuckte, tat ihm das mehr weh, als hätte ihm jemand direkt eine Faust in den Bauch gerammt. „Es tut mir leid, okay? Das war unfair von mir, dich so anzufahren.“ Hilflos und unwissend, ob das das Richtige war, zog er sie in seine Arme. Als er spürte, dass sie sich nicht wehrte, fiel ihm ein riesiger Stein vom Herzen. Fest umschloss er sie. „Hey, du bist ja ganz kalt. Es war eine dumme Idee, rauszugehen. Lass uns wieder ins Warme gehen.“
„Und dann? Soll ich dann den Rest des Abends an der Seite stehen, Wasser trinken und brav stehen bleiben?“
Eric seufzte. „Nein, natürlich nicht. Ich weiß auch nicht, was gerade mit mir los ist. Es ist nur… du bist irgendwie so anders. So, wie du sein solltest. So locker und extrovertiert. Das ist schön zu sehen… aber irgendwie auch befremdlich, weil ich dich so nicht kenne.“
„Da wirst du nicht der Einzige sein“, seufzte sie leise. „Aber ich habe dann ein bisschen Spaß, weißt du? Es ist selten. Mach mir das nicht kaputt.“
(Als wenn er das nicht schon längst getan hätte – Mordskörper!!!)
Eric zog sie noch näher an sich und ging langsam mit ihr zum Bootshaus zurück. „Ich weiß. Es tut mir leid. Lass uns noch ein bisschen feiern. Aber jetzt will ich auch mittanzen!“
Und das taten sie. Marina zog sich ebenfalls Thomas zur Seite, und schon bald wurde aus der reinen Mädchengruppe ein bunt gemischter Haufen. Zwischendurch zwinkerte Marina ihr zu, und während Lina sich wieder immer mehr dem Rhythmus der Musik hingab, sah so ziemlich jeder das, was Linas eigener Wahrnehmung verschlossen blieb: Erics hungrige Augen, die sie von Kopf bis Fuß verschlangen.

 

*******************

 

 

 

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2 Gedanken zu „Freunde

  1. Ein sehr schönes Bild! Da hat sich das warten drauf ja gelohnt! =)
    Und der Abschnitt von Lina ist natürlich auch wieder sehr gut! Freut mich immer wieder von Lina und Eric zu lesen! Nur ganz so wie auf dem Bild hatte ich die beiden nicht vor Augen 😉

    Gefällt 1 Person

    • Ich danke Dir!
      So liebe Worte, ich freue mich sehr!! 🙂
      Es würde mich ja so sehr interessieren, welches Bild du vor Augen hast, aber das wird wohl schwer umsetzbar sein, oder? Hihi. Oder schlummert in Dir auch ein Zeichentalent? 😀
      Liebe Grüße!

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