Dem Ende

Liebe Leser,

heute werde ich etwas tun, wofür mich vermutlich viele von euch hassen werden.

(Na gut, das ist jetzt übertrieben – aber trotzdem!)

Heute wird die vorerst letzte Fortsetzung von mir online gehen – zumindest, was Lina betrifft. Mittlerweile dürften die meisten von euch bemerkt haben, dass es Lina seit zwei Wochen sowohl als Printbuch, als auch als Ebook zu erwerben gibt. Damit zumindest ein kleiner Anreiz vorhanden ist, Lina in eure Bücherregale einziehen zu lassen, habe ich mich dazu entschieden, die letzten zwei Kapitel nicht auf meinem Blog zu veröffentlichen. Ich möchte, dass Lina viel von der Welt sehen kann.

Natürlich fiel mir diese Entscheidung nicht leicht, insbesondere weil es zunächst gar nicht so geplant war. Andererseits – ursprünglich habe ich ja auch kaum zu hoffen gewagt, dass ich es eines Tages tatsächlich schaffen würde, meinen Traum zu verwirklichen und Lina in Buchform groß werden zu lassen.

Manch einer von euch ist seit Beginn meines Bloggens bei mir. Als ich im vergangenen Juli dieses Projekt gestartet habe, war mir noch gar nicht bewusst, welche Tragweite diese Entscheidung entwickeln würde. Dass ich, kein Jahr später, tatsächlich eine buchstäbliche Autorin sein würde, mit Veröffentlichung, Fanbase und einer neuen Zukunftsperspektive. Ihr alle habt mich auf diesem Weg begleitet, ihr habt mir mit eurem unermüdlichen Zuspruch immer wieder Mut gemacht, wenn ich zauderte oder wenn meine Zuversicht schwankte.

Auch meine Krankheit hat ihren Teil dazu beigetragen. Ich bin mir mittlerweile sehr sicher, dass ich früher oder später auf diesen Weg gekommen wäre, doch ich schätze, dass es wesentlich länger gedauert hätte, wenn Schwester Depression nicht ihren mahnenden Zeigefinger erhoben hätte. Ja, auch aus Krisen kann man einen Nutzen ziehen – in meinem Fall die Besinnung auf einen ursprünglichen Weg, auf den einen Weg, den ich von Anfang an hätte gehen sollen.

Und auch diese Krankheit hat jene, die davon wussten, nicht davon abbringen lassen, treu und aufmunternd an meiner Seite zu bleiben, weshalb ich euch wirklich ewig zu Dank verpflichtet bin – so kitschig das jetzt auch klingen mag.

Ich möchte euch von Herzen danken. Dafür, dass ihr da wart. Dafür, dass ihr da seid. Und dafür, dass ihr hoffentlich da bleiben werdet. Ein letztes Mal für die nächste Zeit werde ich euch deshalb eine Fortsetzung schenken – und hoffe, dass ihr nicht allzu enttäuscht seid. Schaut trotzdem weiterhin auf meinem Blog vorbei, denn leise wird es hier sicherlich nicht werden!

Ach ja – falls ihr Lina gerne hättet, aber noch keine Lust habt, Geld dafür auszugeben – noch bis morgen, 20 Uhr, könnt ihr auf meiner Facebookseite an einem Gewinnspiel teilnehmen und Lina als Print- und zweimal in Ebookform gewinnen!

Jetzt wünsche ich euch jedoch erst einmal viel Spaß mit der Fortsetzung und noch einen schönen Donnerstag!

Alles Liebe,

eure Emma

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Innerlich jubelnd und frohlockend stürmte Eric aus dem Klassenzimmer. Endlich, endlich hatte er die Prüfung hinter sich gebracht! Am liebsten hätte er laut aufgelacht. Doch noch viel wichtiger war es ihm nun, seine geliebte Lina zu finden. Dieses wundervolle Mädchen, in das er sich bis über beide Ohren verliebt hatte, das seine Welt wirklich mehr als umgekrempelt hatte und das gar nicht allzu lange vor ihm den Prüfungsraum verlassen hatte. Ein breites Lächeln erhellte seine Züge, als er an ihre flüchtige Berührung dachte, an das Kribbeln, das quer durch seinen ganzen Körper gewandert war. Sein Lächeln wurde noch breiter. Im Flur zögerte er nur kurz; er konnte sich denken, dass sie draußen in der Sonne auf ihn warten würde. Das war nur natürlich und ganz abgesehen davon auch so abgesprochen. Schnell versuchte Eric, die stillen, aufgrund der Abiturprüfungen abgesperrten Flure hinter sich zu lassen. In Gedanken ging er die weiteren Pläne für den Nachmittag durch. Der Tag war noch jung und Eric hatte vor, Lina in ein kleines, italienisches Restaurant ausführen.
Voller Energie platzte er durch die Flügeltür und setzte schon zum Jubel an – als er verdutzt stehen blieb. Keine Lina.Klar, kein Thema. Bestimmt hatte sie nicht vor, direkt vor der Tür zu stehen und zu warten, dachte Eric und schaute sich um. Sein Blick wanderte nach links, wo ein paar Grundkursler hockten und ihm Grüße zuriefen, doch weil er nirgendwo zwischen ihnen Linas blonden Schopf entdeckte, wanderte sein Blick ohne Reaktion weiter. Er überflog den gesamten Platz vor ihm und blickte nach rechts Richtung Straße.
Keine Lina.
Eric runzelte die Stirn. Vielleicht war sie auf der Toilette? Ja, wahrscheinlich…
„He, suchst du Lina?“, riss ihn plötzlich jemand aus den Gedanken. Eric blickte einen seiner Schulkameraden aus dem Leistungskurs an.
„Ja, klar. Hast du sie gesehen?“
„Jo, sie wurde gerade abgeholt. Von ihrem Alten schätze ich mal-“
„Wo sind sie hin?“, blaffte Eric ihn an. Er fühlte sich, als wäre sein gesamtes Inneres erstarrt.
Der Junge zog seine Stirn kraus. „Entschuldige mal!“
„Wo?“
Er schnaubte. „Zum Parkplatz-“
Mehr brauchte Eric nicht. Mit pumpenden Armen, zitternd vor Wut und vor Angst, rannte er los und ließ seinen beleidigten Noch-Mitschüler stehen. Es war ihm scheißegal.

Lina war auf Autopilot. Sie konnte und wollte nicht darüber nachdenken, was Eric glauben würde, wenn er sie nicht mehr vorfand. Würde er schnell auf den Gedanken kommen, dass sie bei Ihm war?
Nein, wieso auch?
Weiter konnte sie ihre Gedanken nicht ausführen, zu verwirrt flatterten verschiedene Bilder durch ihren Kopf. Zu deutlich spürte sie seine Hand, die ihren Oberarm derart fest umklammerte, dass sich schon rote Abdrücke seiner langen, starken Finger bildeten. Kleine blaue Sprenkelchen entwickelten sich und kündigten einen späteren großen Bluterguss an. Das spürte sie, das kannte sie.
Mit stählernem Griff zog er sie quer über den Parkplatz zu seinem Auto.
Ein kleiner Teil in ihrem Herzen begann abzusterben. Vielleicht genau der Teil, der sich auf Eric eingelassen hatte. Angst nistete sich ein.
All das würde nicht passieren, wenn ich mich nicht auf ihn eingelassen hätte, schoss es Lina durch den Kopf. Wenn ich nie weggelaufen wäre. Jetzt ist er böse. Sehr böse…
Obwohl sie innerlich zu Eis erstarrte, stahl sich eine kleine Träne in ihren Augenwinkel. Diese eine Träne würde sie sich gestatten. Sie weinte um das letzte bisschen Zeit, das sie noch mit Eric hätte verbringen können und das ihr nun auch gestohlen wurde.

Als Eric um die Ecke des Schulgebäudes bog, sah er sie sofort. Am anderen Ende des Parkplatzes näherten sie sich einem dunkelroten, alten Kombi. Der Mistkerl zog Lina förmlich hinter sich her.
Keuchend rannte er noch schneller. Sein Blickwinkel begann zu flackern, sein Herz pochte vor Wut. Ganz bestimmt würde er nicht zulassen, dass er sie ihr wegnahm. Nicht jetzt. Nicht wieder. Nie wieder.
Fünfzehn Meter, er holte schnell auf. Die Muskeln seiner Arme traten stählern hervor, so fest ballte er seine Fäuste. Vor Augen hatte er im schnellen Wechsel Linas Lächeln und ihren zerschundenen Körper, damals, als er sie aus dieser Hölle gerettet hatte. Ein weiterer Adrenalinstoß schoss durch seine Adern, Schweiß perlte von seiner Stirn.
Zehn Meter. Er sah, dass sie fast am Auto angekommen waren. Seine Brust brannte, jeder Atemzug fühlte sich an wie ein Dolch in seinem Hals. Er erkannte, wie fest Stefan ihren Arm hielt. Sah, wie Linas weiche Haut nachgab.
Fünf Meter. Mit einem unartikulierten Schrei überwand er das letzte Stück und sprang auf das Monster zu.

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