Anker

Hallo meine Lieben!

Die Aufregung hat sich ein bisschen gelegt. Alltag ist aber dennoch nicht eingekehrt. Das hat nicht etwa damit zu tun, dass ich nun aufgeregt wie ein typischer Ersti durch die Gegend renne, sondern weil mein Leben derzeit – im wahrsten Sinne des Wortes – Kopf steht. Vier Hochzeiten in einem Monat, ein riesiger Umzug und diverse andere Termine führen dazu, dass ich kaum ein paar Tage am Stück zu Hause bin. Ich schlafe wieder schlechter, spüre den Stress, beiße auf Granit und mache weiter – denn anders geht es nicht. Die „frohe Botschaft“ bezüglich des Studiums war eines der Lichtblicke, die ich derzeit dringend benötige, um nicht ganz durchzudrehen.

Ich verankere mich in meinem Leben, indem ich immer wieder Atempausen  suche, während derer ich mich mit meinem Grundbedürfnis auseinandersetzen kann – dem Schreiben. Leider kommt es wesentlich seltener vor, als ich es momentan benötigen würde, dafür schätze ich die Zeiten umso mehr. Wenn ich mich mit dem Schreiben beschäftige, werde ich wieder ruhiger. Und das umfasst alles: Die Textarbeit, die gerade überwiegt, da ich ja im September die Geschichte von Sara veröffentlichen möchte, Werbeaktionen, „Fanpflege“, Bücherversand (der erfreulicherweise ganz schön angestiegen ist!!), Plotten und Schreiben … einfach alles. Hauptsache ich kann Emma sein.

14 Tage noch. Heute in zwei Wochen werde ich zurückblicken auf die vergangenen sechs Wochen und werde mich lächelnd daran erfreuen, diese Meisterprobe bestanden zu haben – denn das war und ist es. Nach einem zehnwöchigen Krankenhaus derart mit der stressigen Realität konfrontiert zu werden, ohne Pause, das ist wahrlich ein Grenzakt der schmerzlichen Sorte – wie es mir meine Gesundheit beständig zuflüstert. Aber so ist das nunmal im Leben – man kann sich nicht immer die Pausen nehmen, die man braucht, selbst wenn einem der Therapeut das vorher mit erhobenem Zeigefinger angemahnt hat. Egal. Ich beiße mich da durch. Zwei Wochen noch, 14 Tage. In dieser Zeit hoffe ich, dass ich meine Überarbeitung von „Sara“ abschließe und meine Korrekturleser füttern kann. Und ich hoffe, dass ich über Wasser bleibe, irgendwie. Zum Glück habe ich einen tollen Partner, der mich pflegt und auf mich aufpasst.

Ich will euch heute ein kleines Geschenk bereiten, weil ihr euch so tapfer mein Gejammer anhört. Völlig aus dem Kontext heraus erhaltet ihr einen Textschnipsel von Sara, von der Stelle, an der ich gerade arbeite. Einfach zum Reinschnuppern. Okay, vielleicht möchte ich euch auch neugierig machen. Wie auch immer – viel Spaß beim Lesen und noch einen schönen Abend, meine Lieben!
Ich hoffe sehr, eure Zeit ist weniger stressig…

Alles Liebe,

eure Emma

 

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Als Sara an diesem Morgen – oder eher gesagt Mittag – die Augen aufschlug, strömten sämtliche Erinnerungen an den vergangenen Abend auf sie ein.
Felix.
Der Kuss.
Stöhnend presste sie ihr Gesicht ins Kissen.
Wie sehr hätte sie sich gewünscht, schwarze Erinnerungslücken in ihrem Gedächtnis vorzufinden, doch gerade heute musste ihr das erspart bleiben. Zum Teufel mit dem blöden Wasser!
Was habe ich mir dabei nur gedacht? Nicht einmal ein übler Kater war ihr vergönnt. Nichts lenkte sie von der Erinnerung an den vergangenen Abend ab. Eilig griff sie nach ihrem Handy und überprüfte das Display. Keine Nachricht von Felix, keine Nachricht an ihn.
Gott sei Dank.
Dann fiel ihr ein, dass sie ihm nie ihre Nummer gegeben hatte und sie atmete tief durch. Immerhin das blieb ihr erspart. Stöhnend rieb Sara sich ihr Gesicht, versuchte, sich gegen die Erinnerung zu wehren, doch das Bild von Felix, kurz bevor er sie das erste Mal an sich riss, wollte nicht aus ihrem Kopf verschwinden. Dieser leidenschaftliche, entschlossene Blick. Ganz eindeutig wollte er mehr von ihr als ein bisschen Spaß am Abend, und das konnte sie ihm einfach nicht geben. Tränen brannten in Saras Augenwinkeln, als das Kribbeln in ihrem Bauch stärker wurde. Sie war einfach nicht bereit dazu!
Seufzend kletterte sie aus ihrem Bett. Sie schlüpfte in ihren Bademantel und tapste zum Badezimmer. Ein Blick durch die Wohnzimmertür zeigte Jennifers mit der Decke verknotete Glieder. Ein leises Schnarchen bestätigte den ersten Eindruck, dass sie nach wie vor schlief. Schwach zuckten Saras Mundwinkel. Wahrscheinlich war es auch besser so – Jennifer würde bestimmt nicht von einem Kater verschont bleiben. Nicht nach den Mengen von Alkohol, die sie am vorigen Abend vertilgt hatte.
Eilig sprang Sara unter die Dusche. Die warmen Strahlen prasselten warm auf ihre Haut, belebten ihre tauben Nerven. Ihr Innerstes konnten sie dennoch nicht auftauen.
Sorgfältig legte sie Make-up auf, tuschte ihre hellen Wimpern, bis sie lang und schwarz ihre Augen umrahmten. In Gedanken plante sie den weiteren Tag – und stöhnte plötzlich laut auf.
Ihre Eltern!
Zur Hölle, das hatte sie ja völlig vergessen!
Schon zuckte ihre Hand zu ihrem Handy, gewillt, diese Verabredung abzusagen. Sich mit ihren Eltern auseinanderzusetzen war wirklich das Allerletzte, was sie nun gebrauchen konnte. Doch die Verabredung abzusagen würde unendlich viele Diskussionen nach sich ziehen, zu denen Sara sich nicht stark genug fühlte. Ihre großen Augen schimmerten verzweifelt, als sie sich im Spiegel betrachtete.
Hörte das alles denn nie auf?
Dieser Tag ist sowieso nicht mehr zu retten, resignierte sie. Dumpf schlüpfte sie in bequeme Kleidung, schnappte sich ihre Tasche und verließ die Wohnung, um frische Brötchen zu holen. Draußen war es frisch, aber wenigstens trocken. Ein typischer Frühlingstag, der sich dem Sommer näherte. Dennoch konnte Sara sich nicht an den Sonnenstrahlen erwärmen. Sie passierte die Stelle, an der sie und Felix sich innig geküsst hatten, und spürte ein Ziehen tief in ihrem Bauch. Nun wusste Felix also, wo sie wohnte. Niemand würde ihn davon abhalten können, sie zu besuchen, wenn er das wollte.
Vielleicht war es ja doch ganz gut, wenn sie heute nicht zu Hause wäre.
Und heute Abend würde sie sich vollkommen abschießen, soviel stand fest. Erinnerungen im Nachhinein zu löschen würde ihr zwar nicht gelingen, doch für den Moment vergessen, das wäre möglich. Und genau das brauchte sie.

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