Preisgestaltung … oder wie sich der Autor im Dilemma befindet.

Hallo meine Lieben.

Anlässlich meiner kommenden Veröffentlichung und einiger Diskussionen, die in der Vergangenheit stattgefunden haben, möchte ich euch gerne einmal meine Sicht der Dinge zum Thema „Preisgestaltung“ vermitteln.

Aber erst einmal etwas schönes – mein Cover *lach* Die letzten Tage waren so voll, dass ich kaum zu etwas gekommen bin. Jetzt möchte ich euch das nicht mehr vorenthalten!
ebookstolperfalle

Ist es nicht toll??? Ich bin absolut verliebt…! 🙂 Meine Coverdesignerin übertrifft sich immer wieder. Ich habe auch schon den groben Entwurf für die Fortsetzung – aber den verrate ich noch nicht so schnell 🙂 Er ist auf jeden Fall mindestens genauso schön!

Leider ist genau dieser Titel auch der Grund, warum ich leichte Bauchschmerzen habe, was die Preisgestaltung angeht.

In den letzten Wochen gab es vermehrte Diskussionen, ausgelöst durch unterschiedliche Aspekte, doch letztenendes drehten sie sich häufig um das leidige Thema „Preise von ebooks/Büchern“. Ich möchte mich gar nicht allzu sehr in diese Thematik vertiefen, euch nur ein paar Meinungen nennen, die meistens vordergründig waren.

1. Der verständnisvolle Leser. Er zahlt das Geld für das ebook oder das Taschenbuch (oder beides), weil er den Preis als solches akzeptiert und ihn gerne für seinen Autor und für sein Hobby ausgibt. (Ich muss wohl nicht betonen, dass mir diese Meinung am liebsten ist, nicht wahr?)

2. Der Ebook-Preis-Kritiker. Er versteht nicht, wieso – zumeist Verlags- – Ebooks fast so viel wie das Taschenbuch kosten und sieht es nicht ein, den Preis zu bezahlen. Dann lieber direkt das Taschenbuch. Preise im Bereich 2,99€ bis 4,99€ werden aber noch wohlwohllend akzeptiert. (Dieser Meinung kann ich mich selber übrigens aus Lesersicht nur anschließen).

3. Der Anti-Ebook-Leser. Ihm ist die Diskussion über Ebooks ein Dorn im Auge, da er diese nicht mag. Im schlimmsten Fall denkt er, dass Ebooks nichts kosten dürften, da sie ja keine Produktionskosten wie z.B. Buchdruck haben (der Wert des Inhalts wird also nicht gesehen). Im besten Fall ist ihm das alles egal, er kauft eh ein Taschenbuch.

4. Der Indie-Autor. Er ärgert sich über die Nicht-Bereitschaft, Geld für Ebooks auszugeben oder darüber, dass manche nur auf Verlosungen, Preisaktionen etc. warten. Er geht verständlicherweise subjektiv in die Diskussion und prallt meist zusammen mit:

5. Dem heimlichen Pirat: Er lädt sich die Bücher online und versteht die Diskussionen nicht.

Oder dem:

6. Zyniker: Er findet die Diskussion über Ebook-Dumping und Piraterie (letzteres wurde eben schon erwähnt und hier auch, weil dieses Thema untrennbar verbunden ist mit digitalen Dateien wie ebooks, MP3s usw.) sinnlos; insbesondere der Gedanke von Gesetzen zur Bestrafung von Piraten und deren Verfolgung; schließlich gäbe es wesentlich schlimmere Straftaten und Piraterie sei deshalb eine Bagatelle. Somit also die Raubkopie-Verbreitung von Ebooks?! (= kein Lohn für uns Autoren).

7. Newbies: Sie lernen gerade, dass Weitergabe von Ebooks einer Vervielfältigung gleichzusetzen sind und reagieren entweder verständnisvoll – oder nicht.

Ihr merkt: Es vermischen sich zwei Themen: Preisgestaltung von Ebooks und Piraterie. Beide jeweils alleine für sich schon extrem wichtig, aber hier kommt es zu einer Vermischung, da sich die Themen oft einander die Hand geben. Die Bereitschaft, Geld für das Buch auszugeben schließt in der Regel die Nutzung von Piraterie-Seiten aus – und andersherum.

(Zum Thema Piraterie durfte ich mal folgenden Satz hören: „Sei doch froh, dass dein Buch auf Piratenseiten erscheint. Normalerweise will doch keiner Indieautoren lesen und du kannst froh sein, dass dein Buch scheinbar doch als wichtig genug erachtet wird.“ $/%&==“!???? Mehr sage ich dazu nicht)

Ich will mich jetzt nicht verzetteln in meinem Beitrag, deshalb lasse ich das Thema Vervielfältigung und Piraterie jetzt auch wieder fallen; ich habe sie nur aufgenommen, weil sie in den Diskussionen immer, wirklich immer auch aufkamen. Vielleicht widme ich mich dem ein anderes Mal.

Jetzt geht es um die Preisgestaltung.

Als Indieautor ist man auf den Kauf durch Leser angewiesen. Genauso natürlich die Verlagsautoren, aber die haben in der Regel eine andere Reichweite, müssen, je nach Größe des Verlags, nicht so sehr um die Käufe „kämpfen“ und nicht so viel Eigen-PR betreiben. Ich weiß, ich verallgemeinere gerade, es gibt immer Ausnahmen, aber so ist es nunmal meistens. Das bedeutet auch, dass wir uns preistechnisch anpassen müssen. Wenn die Masse 2,99€ für das Standardebook nimmt, so wird man sich selbst in der Regel ebenso für diesen Preis entscheiden. Das habe ich ja schließlich auch bisher getan.
Diverse Autoren haben berichtet, dass die Verkäufe spürbar rückläufig waren, als sie den Preis auf 3,99 angehoben haben. Ein (1!!) Euro mehr war manchen Käufern dann zu viel. Wenn es um Preise geht, die an der zehn kratzen, kann ich das ja verstehen – aber in diesem Bereich?
Vielleicht ist es hilfreich, einmal aufzuschlüsseln, wie viel ein Autor bei einem Preis von 2,99€ verdient. (Ich beziehe mich hier nur auf Amazon und auf Selfpublisher!)
In meinem Fall ist es so: Ich bekomme 70% Tantiemen von Amazon, das heißt, mir bleiben circa 2€. Diese müssen dann jedoch noch versteuert werden – rechnet also nochmal ca 40-45% ab. Etwas über 1 Euro für ein Ebook. Jetzt könnt ihr euch ausrechnen, wieviele ein Autor dann verkaufen muss, um davon leben zu können. Zumal ja auch Kosten anfallen: Covergestaltung, Korrektorat und/oder Lektorat, Werbung, ganz abgesehen von der Zeit, die man investiert. Aber das tut man ja auch gerne.

An dieser Stelle möchte ich betonen: Ich schreibe NICHT, um reich zu werden, sondern weil ich es liebe. Wenn ich davon leben kann, habe ich mehr Zeit um zu schreiben. Wenn ich nebenher arbeiten muss, um mir den Luxus Schreiben gönnen zu können, schreibe ich dementsprechend weniger. Ich habe zum Glück super Leser, verkaufe für den Anfang echt klasse und kann vielleicht tatsächlich davon leben. EIN TRAUM. So geht es aber den wenigsten.

Als Vergleich nochmal die Einnahmen, wenn ich 99-Cent-Aktionen mache. Dann kriege ich nur noch 35% Tantiemen, das heißt, etwa 34 Cent. Die müssen dann auch versteuert werden … ihr versteht?

Beim Taschenbuch können keine allgemeinen Aussagen getroffen werden. Das hängt von der Dicke ab, denn je mehr Seiten, desto mehr Material, desto weniger Einnahmen …

Und jetzt kommen wir auch schon zu meinem „Problem“. Stolperfalle Liebe hat eine Seitenzahl von 409. Als ich, fröhlich wie ich war, bei Createspace das Buch eingerichtet habe und zur Preisgestaltung kam, bin ich fast vom Stuhl gefallen … CS zeigt einem nämlich, wie viel man bei Eingabe eines Preises dann tatsächlich verdient. Okay, wollt ihr raten? Ja? Nein? Also… es wären bei dem Preis von 9,99€ genau sieben (7!!!) CENT gewesen. Ja, pro Buch. Nein, nicht versteuert. 7 Cent Gewinn pro verkauftem Buch??
Meine Leser liegen mir sehr am Herzen, ebenso eine faire Preisgestaltung, bei der ich nicht abzocke, aber in diesem Fall konnte ich einfach nicht bei 9,99€ bleiben, auch wenn mich das schmerzt. Ich kann nicht beim Normpreis bleiben – und ich kann nicht einschätzen, wie das bei meinen Lesern ankommt. Ich hoffe, die meisten lesen das hier und verstehen, dass ich das nur mache, weil ich sonst quasi umsonst schreiben würde. Also habe ich den Preis auf 11,99€ angehoben. So habe ich dann einen Gewinn von 1,20€ pro Buch (unversteuert), das ist in Ordnung. Mir wurden sogar 12,99€ geraten, aber das wollte ich einfach nicht.

Nun habe ich aber auch noch ein zweites „Problem“. Amazon verändert zum 1.1.2015 die Mehrwertsteuerregelung bei Ebooks. Ich gehe nun nicht in die Tiefe, der Beitrag wird eh lang genug. Es bedeutet einfach, dass wir Autoren mehr vom Gewinn abgeben müssen, bzw. weniger an einem Ebook verdienen. Es gibt viele Diskussionen, wie wir damit umgehen sollen. Preis anpassen? Weniger verdienen?
Ich habe mich dazu entschieden, Stolperfalle Liebe nun für 3,99€ anzubieten. Erst einmal haben mir viele gesagt, dass ich sowieso mehr nehmen könnte (generell). Das mache ich jetzt aber nur wegen der Steuersache – UND: Lina und Sara bleiben bei 2,99€. Weniger Gewinn bei den beiden nehme ich gerne in Kauf, dafür, dass ich Lucy teurer mache.
Das sind meine Gedanken dahinter – dennoch habe ich ein schlechtes Gewissen und Angst, dass das viele doof finden.

Und ist das nicht das wirklich Schreckliche? Es geht um wenige Euros. Andere haben auch schon darüber geschrieben, Argumente vorgebracht wie „ein Ebook ist günstiger als ein Kaffee bei Starbucks und hält länger“ usw. Das greife ich jetzt nicht alles wieder auf. Es ist nur halt wirklich so: Für den Leser ist es ein Euro mehr, für mich aber nicht ein Euro mehr Gewinn. Dennoch hilft es mir, mich finanziell abzusichern (hoffentlich) oder geht zumindest in die richtige Richtung. Denn ich möchte soooo gerne weiterhin so viel für euch schreiben. Ich liebe es einfach.

Vielleicht sollte man einfach häufiger darüber nachdenken, welche Forderungen gerechtfertigt sind (Ebooks für Umme definitiv nicht!!), welche beeinflusst sind von dem Konsumwahn der Gesellschaft (immer mehr für immer weniger) und inwiefern man bereit ist, Geld für Qualität auszugeben. Denn – und hier kann ich zwar nur von mir sprechen, weiß aber, dass es bei vielen anderen Indie-Autoren auch so ist – ich gebe mein Bestes, um gute Arbeit abzuliefern, lese so lange Korrektur, bis mir mein Buch aus den Ohren kommt und tue alles, um euch schöne Stunden zu bereiten.
Das ist doch 3,99€ – oder 11,99€ wert, oder?

Ich hoffe es jedenfalls sehr!

Vorerst war es das von mir zu diesem Thema. Der Beitrag ist lang genug geworden. Danke, wenn du es bis hierher gelesen hast! Es macht mich froh und stimmt mich hoffnungsvoll.

Deine/Eure Emma

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6 Gedanken zu „Preisgestaltung … oder wie sich der Autor im Dilemma befindet.

  1. Hallo Emma,

    ich finde es erschreckend und traurig, dass dieses Preisthema momentan so aktuell ist. Warum wird es akzeptiert, dass eine ganze Pizza 5 Euro, ein Stück Pizza, was etwa 1/6 der vollständigen Pizza oder höchstens 1/4 ist 2,50 Euro kostet. Ein E-Book aber sollte möglichst für lau übern Ladentisch?! Man muss die Menschheit nicht verstehen.

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  2. Das hast du sehr treffend formuliert.
    Ich bin auch bereit dazu, mehr für tolle Bücher auszugeben.
    Bei Ebooks ist bei 5,99€ allerdings meine Schmerzgrenze, da kauf ich dann lieber das Printbuch 🙂
    3,99€ und 11,99€ finde ich vollkommen gerechtfertigt, schließlich musst du ja auch was verdienen. (Du musst ja Lina’s Vortsetzung schreiben 😀 )

    Mach dir keine Sorgen, ich denke deine Fans bleiben dir treu 🙂

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  3. Hallo Liebes!

    Bei dem Thema habe ich mich auch schon ganz oft beteiligt und muss auch immer wieder erschreckt feststellen, dass es immer die Indie-Autoren sind, die mit solchen Diskussionen anfangen (eben weil SIE für ihre Preispolitik noch Rechenschaft ablegen wollen/“müssen“). Daran ist so viel falsch. Ich habe noch keinen Verlag erlebt, der da mal tatsächlich auf die Wünsche seiner Leserschaft eingegangen ist. Alleine aus diesem Grund finde ich schon, dass Indie-Autoren großen Respekt verdient haben, weil sie sich immer wieder mit ihrer Leserschaft auseinandersetzen.

    Ich habe auch immer gesagt, dass ich für eBooks je nach Werk bereit bin bis zu 8 € zu bezahlen. Das halte ich für einen angemessenen Preis. Glücklich bin ich, wenn beispielsweise der Festa Verlag seine eBooks aber schon für 4,99 € anbietet und traurig bin ich, wenn ich sehe, dass einige Autoren sich wirklich gezwungen fühlen 99 Cent-Aktionen zu starten. Dann muss ich auch ehrlich zugeben, dass ich an der Qualität des Werkes zweifel. Denn man sollte sich NIEMALS unter seinem Wert verkaufen. Sicherlich nicht richtig von mir, dass ich dann etwas vorurteilsbehaftet bin, aber aus dem Sektor habe ich leider auch schon viel Schrott erlebt, was vielleicht auch anderen Lesern geschehen ist, so dass man vielleicht gerade bei Indie-Autoren, die hinter keinem großen Verlag stehen, skeptisch ist, ob die überhaupt zum, Schreiben und Veröffentlichen geeignet sind.

    Nichtsdestotrotz solltest du bei der Kalkulation deiner Preise wirklich schauen, was im Rahmen des bezahlbaren ist, gleichzeitig aber auch deine Unkosten deckt. Bei einem eBook-Preis von 3,99 € wäre es lächerlich rumzumeckern (außer das eBook ist gespickt mit Fehlern und schlechtem Schrieb). Bei dem Taschenbuch rate auch ich dir zu 12,99 €, denn 11,99 € wirken auf mich wie nichts Halbes und nichts Ganzes. Aber das bleibt natürlich dir überlassen! 12,99 € für ein normalqualitatives Taschenbuch ist in jedem Fall nicht überteuert.

    Jetzt beende aber auch ich mal meinen Roman hier 😀

    Viele Grüße ❤
    Melanie

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