Autorenvorstellung: Violet Truelove

Ihr Lieben.

Heute habe ich etwas ganz besonderes für euch. Als ich vor zwei Wochen auf der AmazonAcademy in Berlin war, hatte ich das große Vergnügen, einige sehr liebe und tolle Kollegen kennenzulernen. Eine von ihnen ist Violet Truelove, vergleichsweise noch ein junger Hüpfer unter den Autoren aber dafür schon ein verdammt guter und erfolgreicher! 🙂

Ich würde sie euch gerne ein bisschen näher vorstellen, denn meiner Meinung nach ist sie ein toller Mensch und ich glaube, dass sie auch euch überzeugen wird – sowohl auf persönlicher Ebene, als auch auf Autorenebene. Parallel zu diesem Beitrag ist heute auf meiner Facebookseite eine Vorstellung gelaufen, die sich inhaltlich ziemlich mit diesem Beitrag deckt – ich möchte sie nur gerne einfach auch hier auf meinem Blog haben – auf einen Blick, sozusagen! 🙂
Im folgenden habe ich einen Steckbrief, ein Interview und eine Buchvorstellung ihres Erstlings „Ein Surfer zum Verlieben“ für euch!
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 Steckbrief

Name: Violet Truelove

Spitzname: Vio

Haustiere: Leider keine

Größte Marotte: Ich bin ein absoluter Kontrollfreak, echt ganz schlimm!

Lieblingsfarbe: Türkisblau, oder sonniges gelb

Lieblingsessen: Das wechselt bei mir ganz oft und keine Ahnung, habe zur Zeit wenig Hunger.

Lieblingsautor: Stephen King

Vorbild: Ehrlich, ich habe keins. Es gibt Leute, die ich recht cool finde, aber niemanden, zu dem ich aufschaue und der eine Art Vorbild wäre.

Das mag ich gerne: Regenbogen, Harmonie, das Meer, Sonne, Wellen, Ruhe

Das mag ich gar nicht: Stress, Krieg, Hass, Intoleranz

Lebensmotto: True love conquers all – Wahre Liebe überwindet alle Hindernisse.

Frühaufsteher oder Nachteule? Nachteule

Tee oder Kaffee? Tee

Schokolade oder Lakritz? Super schwierig und auch im steten Wechsel … heute: Lakritze

Nordsee oder Südsee? Liebe beides, aber letztendlich Südsee

Ein erster, kleiner Eindruck, wer Violet so ist. Zur Vertiefung hatten ich dann auch noch das Vergnügen, ein Interview mit ihr zu führen, welches ihr nun nachlesen könnt.

Liebe Violet, wir zwei haben uns in Berlin auf der AmazonAcademy kennengelernt, worüber ich sehr froh bin! Nun habe ich die Ehre, dich auf meiner Seite vorzustellen. Vielleicht möchtest du dich ja zu Beginn kurz vorstellen, damit die Leser wissen, worum es geht. Bitte erzähl doch, wie dich deine Freunde beschreiben würden – möglichst in drei Sätzen!
Meine Freunde? Welche Freunde? Ich glaube, weil es niemanden außer meinem Mann gibt, der mich wirklich gut kennt, würden sie sagen, dass ich ein ungeheuer positiver Mensch bin – woran ich arbeite und was nicht immer stimmt. Sie würden sagen, dass ich jede Menge schmutziger Witze mache, lustig und frech bin und oft übers Ziel hinausschieße.

Würdest du sagen, du bist ein typischer Künstler?
Was ist das Bild des typischen Künstlers? Ist es der von Weltschmerz gepeinigte Trinker? Oder die vereinsamte Liebesroman-Autorin, die zuvor bei ALDI an der Kasse gearbeitet hat?
Ich für meinen Teil weigere mich einem dieser Klischees zu entsprechen. Allerdings lebe ich ein Stück weit in meinen eigenen Welten, führe Unterhaltungen in meinem Kopf mit Personen, die nicht da sind habe manchmal Schwierigkeiten in dieser Welt zu sein.

Die Protagonistin aus „Ein Surfer zum Verlieben“, Lindsay Lovejoy, ist ebenfalls Teil unserer Runde. Liebe Lindsay, was würdest du über Violet sagen?
Lindsay: „Mmmh, das ist schwierig. Ich will jetzt auch nichts Falsches sagen. Schließlich hat Violet mich für einen zweiten Teil von Ein Surfer zum Verlieben angeworben und ich habe Angst, sie könnte mich sterben lassen, wenn ich jetzt was Böses sage.“
Violet: „Du sollst auch nichts Böses sagen, sondern die Wahrheit.“
Lindsay: „Eben. Und du behandelst uns nicht gerade gut.“
Violet: „Was? Entschuldige mal, du bist so gut wie mit Warden verheiratet. Hey, weißt du, was ich dafür geben würde, mit so einem heißen, hawaiianischen Surfer zusammensein zu dürfen? Und der mindblowing Sex, den ihr habt! Und Warden, der kann drei Mal am Tag! Das ist nicht wie bei mir zu Hause. Nee, also, bitte! Du kannst dich wirklich nicht beschweren.“

Violet, erzähl doch bitte etwas aus deiner Kindheit!
Dir ist aber schon klar, Emma, dass ich dieses Ablenkungsmanöver durchschaue, oder? Okay, meine Kindheit. Die war sehr prägend, beispielsweise in Bezug auf meine Vorliebe für schnelle Autos. Mein Papa fuhr jahrelang einen Porsche. Ist jetzt nicht mein Traumauto, doch der Mustang Shelby schon. Gibt es natürlich in Deutschland nicht und ich fahre stattdessen einen Windelbomber.

Liebe Violet, bist du glücklich?
Seit ich mich für eine Laufbahn als Schriftstellerin entschieden habe, bin ich mega
glücklich.

Wie anstrengend ist die Zusammenarbeit mit deinen Charakteren?
Kommt drauf an. Zur Zeit schreibe ich als Ava Innings und Brad ist gerade ziemlich anstrengend, aber wir liegen in den letzten Zügen und gerade auch zusammen im Bett … Also er und Joe und nicht ich und er natürlich 😉

Und andersherum – wie anstrengend ist es für dich, Lindsay?
Lindsay: „Kein Kommentar!“
Violet: „Hör auf zu schmollen und rede mit Emma.“
Lindsay: „Willst du wirklich, dass ich von deinen Ideen erzähle, Violet? Was du mit uns vorhast, dass …“
Violet: „Okay! Okay! Du hast gewonnen. Ich schreibe einfach irgendwelchen langweiligen Kram ohne Spannungsbogen, dramatischen Höhepunkt und eine charakterliche Entwicklung. Ist dir das lieber?“
Lindsay: „Pah! Schau, Emma, immer muss sie das letzte Wort haben.“
Violet: „Im Surfer hast immer du es und nervst den armen Warden damit.“

Ihr seid wirklich herrlich miteinander! Sag, wo und wie schreibst du am liebsten?
In meinem Arbeitszimmer. Ist echt klein und kuschelig 😉

Hast du einen Lieblingscharakter (Lindsay, bitte weghören)?
Als Violet liebe ich Warden, als Ava liebe ich Brad. Ich glaube, Lindsay kann damit ganz gut leben, schließlich liebt sie Warden ja auch.

Was war dein erster Schreibversuch?
Eine Ponygeschichte, in der ich die Jahreszeit geändert habe, weshalb meine Frösche dann im Winter quakten. War blöd, als alle gelacht haben, aber damals war ich erst zwölf, wie ich zu meiner Verteidigung einwerfen möchte.

Wer ist nun dein größter Kritiker?
Ich selbst. Selbstzweifel gehören scheinbar zur Jobbeschreibung dazu.

Was macht ein Autor in der Freizeit (Schreiben zählt nicht!)?
Yoga, Lesen, Surfen, Fotografieren

Welches Buch liest du gerade? Hast du überhaupt Zeit zum Lesen?
Ich habe viel zu wenig Zeit zum Lesen. Aber gerade lese ich Aprikosenküsse von Claudia Winter

Etwas sehr persönliches und doch wunderschönes zum Ende: Was ist die schönste Liebeserklärung, die du je erhalten hast?
Mein Mann, er ist ganz traumhaft, hat neulich zu mir gesagt: „Ich bin so froh, dass ich dich gefunden habe. Ohne dich war ich schrecklich einsam und alleine.“ Und das, obwohl wir seit 15 Jahren zusammen sind.

Wie schön! 🙂 Da geht einer Frau doch das Herz auf. Zu guter Letzt: Wie können deine Leser Kontakt zu dir aufnehmen?
Per Mail und über Facebook, oder indem sie ein Ticket für die Hummerparty gewinnen und auf den Messen

(Das wäre dann zum Beispiel hier oder hier.)

Im Anschluss habe ich nun auch noch meine Meinung zu „Ein Surfer zum Verlieben“, welches ihr hier erstehen könnt, und eine exklusive Leseprobe für euch!

11541597_10207325159473919_151861291_oBeschreibung:

Das Leben der Bestsellerautorin Lindsay Lovejoy könnte so schön sein, gerade erst wurde sie von der Romance Writers Hall of Fame ausgezeichnet, und ihr vierter Roman übertrifft alle Erwartungen. Außerdem hat sie sich ihren lang ersehnten Traum erfüllt und ein Haus auf der wunderschönen hawaiianischen Insel Kauai gekauft, doch bereits am Tag ihres Einzugs realisiert Lindsay, dass sie ein echtes Problem hat, denn ihr Nachbar ist kein geringer als der attraktive Surfstar Warden Palmer. Eben jener Warden Palmer, der bei der Charaktererschaffung ihrer berühmten Romanfigur (warum hatte sie diese nur ausgerechnet Palmer Warden genannt) Pate stand.
Lindsay kann nur darauf hoffen, dass Sportler keine romantischen Frauenromane lesen, denn sie hat keine Ahnung, wie sie dem Sonnyboy all die expliziten Sexszenen – in denen er ganz offensichtlich die Hauptrolle spielt – erklären soll.
Palmer seinerseits hat ganz andere Probleme. It-Girl Vera Snider hat dem Bad Boy den Laufpass gegeben, er hat einen Haufen Schulden, und sein Hauptsponsor hat ihn ebenfalls abgesägt – und ohne einen neuen Geldgeber kann der Prosurfer nicht auf Worldtour gehen. Palmer, der eigentlich nichts mehr liebt als seine Privatsphäre, weiß, er braucht jetzt Publicity – und davon möglichst viel.
Eben jene Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit wird scheinbar seiner neuen sexy Nachbarin zu teil, wie Palmer bald herausfindet, doch auch wer sie ist, bleibt kein Geheimnis. Dank Manager Josh gewinnt Palmer Einblick in die Handlung der Lovejoy-Romane und weiß, dass er es war, der die Fantasie der Autorin beflügelt hat. Es dauert nicht lange, bis Gerüchte über eine Affäre zwischen Lindsay und dem Surfer die Runde machen. Schon bald titeln die Zeitungen „Die Lovestory des Jahrzehnts“ und Lindsay erklärt sich – auf Drängen ihrer Agentin, aber vor allem, weil sie dem Schönling längst verfallen ist – bereit, die willkommene PR zu nutzen.
Schnell muss Lindsay jedoch erkennen, dass das Leben an der Seite eines solchen Mannes seine Schattenseiten hat. Mit der allgegenwärtigen Anwesenheit von Groupies hat sie gerechnet, jedoch nicht, dass ihr eines Tages ein angesagtes It-Girl den Krieg erklärt. Vera Snider will ihren Ex nämlich plötzlich zurück – und das mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln. Lindsay muss sich fragen, ob Palmer all die Aufregung wert ist, und ob er derjenige ist, den sie wirklich möchte – denn die wahre Liebe hat sie sich gänzlich anders vorgestellt.

Meine Meinung:

Ich muss zugeben, dass es mir zunächst wie eine Pflichterfüllung erschien, Violets Roman zu lesen. Ich wusste, ich möchte sie euch vorstellen und ich möchte einfach gerne wissen, worüber ich rede. Dass ich in dem Zusammenhang einen Liebesroman lesen „muss“, war für mich insofern ein Problem, als dass ich derzeit privat eigentlich nur, und damit meine ich ausschließlich!!, Psychothriller oder Horror lese. Warum? Kann ich euch nicht sagen, ist aber so. Ich habe verschiedene Liebesromane begonnen und wieder abgebrochen, einfach, weil sie mich derzeit nicht so packen.

Der Surfer hat mich zum ersten Mal wieder dazu animiert, einem Buch dieses Genres eine Chance zu geben und am Ball zu bleiben. Das ist im Grunde auch das höchste Kompliment, das ich aussprechen kann, denn meine Lesezeit ist knapp geworden und ich sehr wählerisch! 🙂

Die Geschichte handelt, wie ja bereits deutlich geworden ist, von der Bestsellerautorin Lindsay Lovejoy (ist der Name nicht genial??) und dem heißen, wenn auch etwas verzweifelten Warden Palmer. Jetzt mal ganz unter uns, Mädels, wer hätte so jemanden wie ihn nicht als Nachbar? Geschweige denn mehr? Die irrigen Wege, die diese beiden Personen zusammenführen, sind manchmal so irre, dass man herrlich lachen muss. Ich will nicht zu viel von der Story verraten – nur soviel, dass sie wirklich erfrischend neu ist, mal etwas anderes, sie hebt sich aus dem Einheitsbrei der Liebesromane hervor!

Womit dieses Buch besonders besticht, ist die Schreibweise. Herrlich locker, leicht, herzerwärmend und so absolut auf dem Boden geblieben schickt Violet uns in Situationen, die man sich eins zu eins vorstellen kann. Die Dialoge, die Konfrontationen – alles wirkt zu 100% richtig, ganz so, als würde es genauso geschehen, und man fängt an, die Protagonisten richtig ins Herz zu schließen. Wie gut, dass es weitere Bände der Reihe gibt, die zwar alle in sich abgeschlossen sind, aber durchaus ein Wiedersehen mit alten Bekannten ermöglichen, denn ich sage euch schon jetzt: ich werde die beiden vermissen!

Ebenso wie bei mir spielt die Liebe eine große Rolle in Violets Büchern. Besonders hervorzuheben ist dabei jedoch, dass es nicht um die märchenhafte Traumliebe geht, die mit Feenstaub alle Probleme löst – nein. Es geht um Liebe in all ihren Facetten, um die Schwierigkeiten, die sich einem frischen Pärchen stellen können, um Altlasten, die JEDER Mensch in irgendeiner Form mit sich trägt und um die sich gekümmert werden muss. Eine wunderschöne Geschichte mit Ecken und Kanten – das ist „Ein Surfer zum Verlieben“. Ich muss sagen, dass ich angefixt wurde und ich freue mich wahnsinnig auf die nächsten Bücher, ganz besonders jedoch auf „Ein Fotograf zum Verlieben“, wird hier doch die Thematik Missbrauch angesprochen, die mir sehr am Herzen liegt. Wie blöd, dass ich als Autor so wenig Zeit zum Lesen habe!!

Ihr seht – es lohnt sich!! Ich lasse euch auch hier die Leseprobe da. Habe ich euer Interesse geweckt? Dann stattet der lieben Violet doch einen Besuch ab oder lest in ihre Bücher. Sie bzw wir werden uns riesig freuen! 🙂

Habt noch einen schönen Abend, ihr Lieben!!

Eure Emma

************

>> „Ich schätze, Sie haben mir einiges zu erklären“, raunte er noch, ehe er sich ihr Handgelenk schnappte und sie hinter sich her auf die Terrasse zog. Sein Griff war nicht schmerzhaft, jedoch eisern – Lindsay wurde klar, dass sie in ernsthaften Schwierigkeiten steckte. Warden schloss die gläserne Schiebetür hinter ihnen. Breitbeinig baute er sich vor ihr auf, die Arme verschränkt, einen unergründlichen Ausdruck auf dem Gesicht. Lindsay konnte mit einem Mal gut verstehen, dass sich Gegner im Heat mit ihm einschüchtern ließen. Lindsays Knie fühlten sich an wie Gummi, ihr Herz hämmerte stakkatoartig, und ihr wurde ganz mulmig zu Mute.
„Also?“, brachte Warden mühsam beherrscht hervor.
Sie hob trotzig das Kinn. „Was also?“, fragte sie provokant, und hatte keine Ahnung, wo sie die innere Stärke dafür hernahm.
Warden trat neben sie, umklammerte das Geländer und blickte auf das Meer hinaus. Seine Fingerknöchel traten weiß hervor, so fest war sein Griff. Gefährlich leise sagte er: „Verarschen Sie mich nicht. Ich will wissen, was diese kranke Scheiße soll.“ Seine Stimme klang so eiskalt, dass ihr noch eine Nuance schlechter wurde.
Lindsay, die mit dem Rücken zum Geländer stand, konnte sehen, wie die wenigen anwesenden Gäste und die Angestellten die Szene gebannt verfolgten. Sie schaute zur Seite und sah Warden an. Er hatte die Zähne aufeinander gepresst, und atmete scharf aus. Lindsay drehte sich langsam in die gleiche Richtung um und wand den Schaulustigen somit den Rücken zu. Sie sah, wie Warden sich zusammenriss, wie sehr er um seine Fassung bemüht war, und sie hatte zugegeben Angst vor ihm. In seinem Zorn war er verdammt erschreckend. Lindsay schluckte schwer.
„Ich weiß nicht, was ich sagen soll“, gestand sie kleinlaut.
Warden schnaubte verärgert. „Sie sollen gar nichts sagen und bloß nichts schreiben! Wie können Sie nur! Sie sollten sich in Grund und Boden schämen!“
„Hören Sie, Warden, ich wusste nicht, dass wir uns irgendwann sehen würden“, log sie. Denn natürlich hatte sie gefürchtet, dass so etwas früher oder später passieren könnte. Sie hatte Nächte lang wachgelegen und überlegt, wie sie es ihm erklären konnte, doch nichts, was sie zu sagen gehabt hätte, klang zufriedenstellend. Lindsay hätte sich niemals vorstellen können, dass Warden derart wütend sein würde. Er hatte getrunken, sie konnte seine Fahne riechen, und er war ganz offensichtlich unberechenbar.
„Und das macht es besser, oder wie? Sie machen aus mir eine Lachnummer! Ein anregendes Lesevergnügen?“ Er betonte das ‚anregend’ ebenso wie sie selbst zuvor. „Fuck, ich kenne Gina, ich trinke hier jeden Tag meinen verschissenen Kaffee“, knurrte er. Seine Stimme zitterte vor Anspannung. „Ich will wirklich nicht wissen, was in Ihrem mickrigen, kranken Hirn vor sich geht“, blaffte er. Sie wollte etwas erwidern, ihn beruhigen, doch er fiel ihr ins Wort. „Sie sind wirklich das Letzte! Ich habe so die Schnauze voll von euch notgeilen, dämlichen Weibern!“
Lindsay starrte ihn fassungslos an. Tränen traten in ihre Augen, doch sie rang sie tapfer nieder. Niemals würde sie sich die Blöße geben und vor Warden Palmer weinen. Ihr Palmer Warden hätte unter keinen Umständen so mit ihr geredet. Die Hauptfigur ihrer Romane war ein netter Kerl, hilfsbereit und fürsorglich. Er wäre nie im Leben betrunken Auto gefahren, oder hätte sich verhaften lassen, oder seine Frau betrogen, oder einen Sportwagen im Hotelpool versenkt. Er hatte wirklich nichts gemein mit diesem fiesen Kerl, der wie ein wütender Stier vor ihr herumtobte. „Das ist Rufschädigung“, zischte Warden gerade aufgebracht. Die Finger seiner rechten Hand trommelten auf dem Geländer herum – seine nervöse Energie machte sie ganz krank. „Ich werde Sie verklagen, meine Anwälte werden mit Ihnen den Boden aufwischen, Sie …“, doch Lindsay hatte nicht vor, sich weitere Gemeinheiten anzuhören.
Sie wirbelte herum und lief, so schnell sie konnte, die Treppe zum Strand hinunter. Sie rannte über den weichen Sand Richtung Parkplatz, mahnte sich dann jedoch zur Ruhe, zwang sich dazu langsam zu gehen. Es ist alles gut, beruhigte sie sich in Gedanken. Erst jetzt ließ die beklemmende Furcht nach, die sie zur Untätigkeit verdammt hatte. Plötzlich lagen ihr eine ganze Reihe spitzer Erwiderungen auf der Zunge. Nur leider hatte ihre Schlagfertigkeit in Anwesenheit ihres Traumtypen furchtbar gelitten gehabt. Naja, darin, dass er ihr Traumtyp war, hatte sie sich gründlich geirrt. Aber verdammt, er war schlicht und ergreifend imposant, und obwohl er nur einen knappen Kopf größer war als sie, wirkte seine Präsenz einschüchternd. Er vibrierte förmlich vor unkontrollierter, hyperaktiver Energie. Sein Selbstzerstörungstrieb war beinahe so ausgeprägt wie ihr eigener. Dieser Typ war nicht gut für sie und sie sollte ihn ein für alle Mal aus ihren Gedanken verbannen. Es war genau wie Alex ihr immer gesagt hatte, sie hatte sich da in etwas hineingesteigert. Lindsay beschleunigte ihre Schritte und hatte bereits den halben Weg zum Parkplatz zurückgelegt, als sich eine Hand auf ihre Schulter legte … was nun geschah, hatte sie nicht geplant.
Die Reflexe und jahrelanges Kampfsporttraining übernahmen die Kontrolle. Wardens Hand lag auf ihrer linken Schulter, sie riss den rechten Arm hoch, und wirbelte in die gleiche Richtung herum. Mit ihrem rechten Oberarm stieß sie seine Hand weg, er taumelte ins Leere. Ehe sie es schaffte, sich zu bremsen, hatte sie ein Bein hinter ihn gestellt, quer über seine Brust gegriffen und ihn – mit Hilfe ihres eigenen Körpergewichts – zu Boden geworfen. Die Verblüffung stand Warden ins Gesicht geschrieben. Lindsay brachte noch ein leises ‚Scheiße!’ hervor, während sie fielen und sie endgültig realisierte, wen zur Hölle sie von den Beinen geholt hatte. Warden, der immer noch völlig überrumpelt war, schlug hart auf, und blieb erst einmal liegen. Der Sand war weich und feucht, Warden hatte sich nichts getan, doch er hatte auch nicht die Geistesgegenwart besessen, sich auf den Aufprall gefasst zu machen. Es presste ihm die Luft aus den Lungen, als er auf seinem Rücken landete. Lindsay lag halb auf ihm drauf und hatte auch nicht die Absicht, von ihm runter zu gehen – am Boden war er nämlich deutlich weniger furchteinflößend.
„Es tut mir leid“, sagte sie und suchte Blickkontakt. Seine blauen Augen funkelten wütend und er sah aus, als würde er jeden Augenblick explodieren. „Es tut mir wirklich furchtbar, furchtbar leid, Warden.“
„Heben Sie sich das für den Gerichtssaal auf“, würgte Warden sie ab. Er versuchte sich aufzusetzen. Lindsay dachte nicht daran, von ihm runterzugehen, um ihn auf die Beine kommen zu lassen.
„Ich würde mir einen teuren, zeitaufwendigen Prozess sparen“, riet sie. „Nicht umsonst steht in Romanen in der Regel ‚Alle Handlungen und Personen sind frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt’.“
„Das ist doch blanker Hohn“, knurrte er, „das bin eindeutig ich. Palmer Warden, lächerlich! Und jetzt runter von mir!“
Sie schnaubte. „Nur wenn Sie versprechen, sich zu benehmen.“„Was wissen Sie schon von gutem Benehmen?“, konterte Warden. „Runter jetzt!“, befahl er energisch.<<

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