Liebe = Selbstverständlich?!

Hallo ihr Lieben!

Vielleicht staunt ihr gerade genauso sehr wie ich: keine zwei Tage nach dem ersten Blogeintrag kommt schon Nummer zwei.

Woran kann das liegen? Nun, die Antwort ist im Grunde naheliegend und einfach: Ich habe Zeit! Jawohl, ich habe Zeit, meine Gedanken so flattern zu lassen, dass sich Themen formen, über die ich schreiben möchte. Die wohl passendste Umgebung hierfür ist die Nordsee, denn genau hierhin hat es mich verschlagen. Seit vergangenem Jahr leben meine Eltern hier, weshalb ich nun regelmäßig in den Genuss komme, dort zu Besuch zu sein, wo andere Urlaub machen. Meiner Meinung nach ist das ein absoluter Luxus und ich hoffe sehr, dass ich nicht so schnell eine allzu große Selbstverständlichkeit darin sehe, keine 700 Meter entfernt vom Meer bei Regenprasseln auf dem Dachfenster und Sturmböen einschlafen zu können (im Trockenen und Warmen, natürlich!).

Schon im vergangenen Sommer, als hier vor allem Umzugs- und Umbauarbeiten anstanden, hatte sie mich hier fest im Griff, die Muse, und seitdem hat sich nicht viel geändert. Kaum hat meine letzte Pore die einzigartige Atmosphäre absorbiert, prickeln meine Finger, rasen meine Gedanken, und ich würde am liebsten schreiben. Egal was, hauptsache Schreiben, Gedanken formen, Sätze bilden, meine Gefühle umwandeln. Dass das nicht immer ein Segen ist, brauche ich vermutlich nicht extra zu erwähnen, denn ich komme ja auch durchaus mal hierher, um einfach abzuschalten. Das war auch dieses Wochenende der Fall. Ich habe mir fest vorgenommen, nichts zu tun. Immerhin habe ich erst diese Woche mein aktuelles Manuskript an meine Korrekturleser geschickt, das neue hätte theoretisch noch Zeit. Ich habe mir Lesestoff mitgenommen und ein Bündel voller Vorsätze, die sich um vieles ranken, nicht jedoch ums Arbeiten.

Schon im Vorfeld haben mir einige gesagt, dass es sowieso nicht funktionieren wird – und sie hatten recht.

Der Grund dafür ist so lapidar und doch traurig: Ich habe eine unmittelbare Inspiration.

Meine Eltern haben einen Hof mit Tieren. Ziegen, Pferde, Lamas, Alpakas (ich höre eure erstaunten Ausrufe!), Hunde und Katzen. Seit diesem Jahr nehmen sie regelmäßig sogenannte Workawayer auf, junge Leute aus der ganzen Welt, die ihnen bei der Arbeit zur Hand gehen und dafür kostenlos bei ihnen wohnen können. Ein schönes Prinzip, wenn ihr mich fragt. Aktuell ist ein junges Mädchen da (ich hätte nie gedacht, so schnell so über eine 19-Jährige zu denken). Sie ist super lieb, wenn auch echt schüchtern, und sie hat einen Schicksalsschlag hinter sich, der mich wirklich schlucken lässt.

Valentine ist ein Papakind. Im Grunde nichts, weshalb man verwundert die Augenbrauen hochziehen sollte, doch der springende Punkt kommt nun; der, der mich, uns alle, so berührt. Valentine hat ihren Vater sozusagen zwei Mal verloren. Einmal, als sich ihre Eltern vor vier Jahren trennten, und dann ein zweites, endgültiges Mal, als ihr Vater vor zwei Jahren plötzlich verstarb. Als ich davon hörte, musste ich sehr schlucken, denn ich erfuhr es recht ungewöhnlich. Sie hat sich ein sehr schönes Tattoo auf ihr Handgelenk machen lassen und als ich sie nach der genaueren Bedeutung fragte, erklärte sie mir schüchtern etwas von Liebe und Ewigkeit. Erst beim zweiten Blick sah ich, dass auch das Wort „Papa“, eingebunden in die Schlaufe der Ewigkeit, in ihrer Haut verewigt wurde. Dass ebendieser nicht mehr lebt, erklärte mir mein Vater, der mit uns am Tisch saß.

Alleine diese Geste brachte so viel in mir in Bewegung. Nicht nur, dass meine kommende Geschichte von der Trauer um einen tödlichen Verlust gehen wird (und das war bereits geplant, bevor ich Valentine kennenlernte) und ich direkt das Bedürfnis bekam, die ersten Sätze zu schreiben … viel mehr noch ergreifen mich meine eigenen, persönlichen Gedanken.

Wieso muss man erst jemanden kennenlernen, der einen solchen Verlust erleiden musste, gar sogar selbst jemanden verlieren, um zu bemerken, wie wichtig er ist? Warum nehmen wir Menschen allzu viel selbstverständlich, verlieren dadurch den Bezug zur Bedeutung?

Immer wieder schaue ich nun meinen Vater an, meine Mutter, und bin einfach nur froh, sie noch zu haben. Sie leben, nicht nur in meinem Herzen, sondern real. Wir haben ein gutes Verhältnis zueinander, haben uns lieb, haben Kontakt. Ich muss nicht auf einen Friedhof gehen, wenn ich mit ihnen reden möchte, dafür setze ich mich in den Zug oder greife nach dem Handy. Ich kann meinen Papa in den Arm nehmen, ihm ein Buch schenken und mir deshalb sein Meckern anhören, ich kann mit meiner Mutter in trauter Einigkeit am Tisch sitzen, beide vertieft in Arbeit, und mir geht es dabei gut. Wie selbstverständlich ich das nehme, wie wenig ich dankbar dafür bin, wird mir einmal mehr bewusst, und das macht mich nachdenklich.

Besonders ergreifend war es übrigens heute, als wir einen Ausflug in eine Stadt gemacht haben. Valentine wollte kleine Mitbringsel besorgen, was, sagte sie jedoch nicht. Als sie in einem Rossmann zwei (doch recht offensichtliche) Grablichter mitnahm, fragten wir sie, für wen das ist. Im gebrochenen Deutsch erklärte sie, dass sie für ihren Vater wären und ich musste weggehen, Tränen in den Augen.

Das ist Liebe in all ihren Facetten. Liebt man einen Menschen, kann man sich so glücklich schätzen, man kann Freudensprünge machen oder in trauter Einigkeit beisammen sein. Genauso gut kann sie einem das Herz zerfetzen, wenn der geliebte Mensch plötzlich nicht mehr da ist, nicht mehr erreichbar auf herkömmlichem Wege. Valentine besorgte Kleinigkeiten für Familie und Freunde. Postkarten von der Nordsee, regionale Spezialitäten, Grabkerzen aus Deutschland für ihren Vater, der sich an Irdischem nicht mehr erfreuen kann. Wie sehr muss sie ihn lieben? Wie sehr muss sie ihn vermissen? Liebe und Schmerz liegen so verdammt nahe beieinander, ihr gemeinsamer Nenner die Trennungsangst, und doch ist es das Natürlichste der Welt, immer wieder aufs Neue das Wagnis einzugehen. Wieso auch nicht? Ich möchte behaupten, dass Liebe den Menschen erst zu dem macht, was er ist, ihn erfüllt, ihn groß macht, ihn ganz macht. Liebe zur Familie, Liebe zu Freunden, Liebe zum Partner. Liebe zum Haustier, zu wem auch immer. Und obwohl wir wissen, dass jede Liebe zwangsläufig zu Schmerzen führt, führen kann, lassen wir uns darauf ein. Verdammt nochmal, wir blicken unserem Schicksal in die Augen und machen es trotzdem nicht anders. Das ist auch richtig so, daran will ich gar nicht rütteln, doch es erschüttert mich, dass ich meine Beziehungen als allzu selbstverständlich betrachte.

Ich habe einfach noch nicht viele endgültige Verluste erleben müssen.

Ja, mein Blogbeitrag begann nicht so ernst, wie er sich entwickelt hat. Nun sitze ich hier mit Kloß in der Kehle.

Habt ihr heute eurem Partner schon gesagt, dass ihr ihn liebt, in Gesten oder in Worten? Habt ihr an die Menschen, die euch am Herzen liegen, gedacht? Gibt es jemanden, mit dem ihr schon länger keinen Kontakt mehr hattet, an den ihr immer wieder denkt, und der sich vielleicht über eine Nachricht freut? Vielleicht ist jetzt ein guter Zeitpunkt, ihm/ihr zu schreiben.

Ich  jedenfalls genieße die Zeit bei meinen Eltern. Immer wieder blicke ich sie an und freue mich, dass sie leben. Ich habe mir fest vorgenommen, bald wiederzukommen. Ich schaue meinen Partner an und freue mich. Und in Gedanken zünde ich eine Kerze an für all jene, die nicht mehr bei uns sind – auch für Valentines Vater, der hoffentlich weiß, wie sehr er geliebt und vermisst wird.

Ihr Lieben. Ich hoffe, ich habe eure Laune nicht gedrückt. Ich musste einfach loswerden, was auf meiner Brust lastet. Danke fürs Zuhören bis hier her. Habt noch ein schönes Wochenende!

Eure emotionale Emma ❤

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Es wird Zeit: Licht an!

Es ist der 17.06.2015, mittlerweile schon nach 23 Uhr, die Müdigkeit steckt in meinen Knochen. Eigentlich ist alles, wonach ich mich gerade sehne, mein kuscheliges Bett, doch in meinem Kopf blinkt es wie eine Leuchtreklame in grellrot: Ich will unbedingt bloggen.

Wieso? Wieso die lange Pause? Wieso gerade jetzt?

Verdammt gute Fragen, nicht wahr? Ich möchte sie gerne beantworten. Für euch und für mich.

Vielleicht erst einmal, warum ich eine so lange Pause gemacht habe. Bisher habe ich noch keinen einzigen Eintrag für das Jahr 2015 verfasst, der letzte Blogbeitrag stammt tatsächlich aus Dezember 2014. Der Grund hierfür ist eigentlich recht simpel. Aus der „kleinen“ Versuchs-Autorin mit Blog nebenher ist eine Vollzeit-Autorin geworden, die mittlerweile sehr viel Zeit ins Schreiben steckt – nur eben nicht für den Blog, sondern in handfeste Bücher. Dazu hat besagte Vollzeit-Autorin eine Homepage eröffnet, die aus Marketingzwecken und rein pragmatisch betrachtet besser geeignet ist als ein Blog. Letzterer ist ideal dafür, Geistesblitze zu bestimmten Themen, Ergüsse aller Art oder längere Leseproben zu erfassen, nicht jedoch für Blitznews, Gästebuch und co.

Denkt die Vollzeit-Autorin. Die dann auch noch „nebenbei“ deutschsprachige Literaturen und Medienwissenschaften studiert, was irgendwie doch mehr Zeit beansprucht als gedacht, und dazu gerne und mit Leidenschaft durch Deutschland jettet.

Der Punkt ist, und jetzt komme ich zu der spannenden Frage, warum ich genau jetzt wieder mit dem Bloggen beginne: Hier lebe ich mich auf eine ganz andere Art und Weise aus. Ich möchte an Beiträge erinnern, die mir so sehr am Herzen lagen, wie zum Beispiel der Umgangston im sozialen Netzwerk oder auch die Preisgestaltung. All das sind Themen, mit denen ich mich ausführlich beschäftigt habe und es auch immer noch tue, und diese sind hier perfekt aufgehoben. Meine Welt der Gedankenschlösser. Hier kann ich niederschreiben, was mir durch den Kopf fließt, kann Worte aneinanderreihen, die sonst nirgendwo Platz finden und doch ihre Daseinsberechtigung haben. Hier kann ich debattieren, vorschlagen, erinnern, resümieren, mich freuen, mich ärgern, Wortakrobatik betreiben, nachdenklich sein und zum Nachdenken anregen. Und deshalb wird dieser Blog auch niemals brach liegen. Vielleicht hat er längere Zeit nichts zu berichten, doch deshalb hört er nicht auf zu existieren.

Es ist nur so: Um zu bloggen, muss mich etwas packen. Ein Thema, eine Emotion, ein Wunsch. Dann erfasst mich ein Feuer, dann spüre ich es kribbeln, dann tippe ich drauflos. Was genau ich dabei schreibe, weiß ich erst, wenn es kommt – und das ist gut so.

Warum also jetzt? Ich sitze hier auf meiner Couch, in meiner Kuschelecke. Meine Glieder sind müde, mein Kopf eigentlich auch, doch das Feuer ist da. Ich muss einfach etwas bloggen. Dabei ist es nicht einmal so, dass ich euch etwas Hochtrabendes, Moralisches mitteilen möchte. Meine Hauptaussage an diesem heutigen Abend ist: Hallo, ich bin wieder da! Ich war eigentlich niemals weg! Mein Fokus lag nur woanders. Denn zwei Bücher im ersten halben Jahr veröffentlichen und das dritte vorbereiten (erscheint nächsten Monat), dazu Studium, Besuche in Mannheim, Berlin, Leipzig, Düsseldorf, an der Nordsee … und ein kleines bisschen Freizeit sind dann vielleicht doch ein bisschen zu viel. Dass ich letzteres nicht noch weiter verkürzt habe, liegt an meinem Partner. Der schimpft dann doch zwischendurch. 🙂 Im übrigen soll das hier gerade kein Jammern sein, denn ich muss nun aus vollstem Herzen betonen: Ich LIEBE, was ich tue. Was ich tun darf!

Das ist übrigens auch der Ursprung meiner Bloggerflamme, die gerade wieder beginnt zu züngeln. Ich habe heute ein paar alte Interviews durchgelesen, die ich im Laufe des vergangenen Jahres beantworten durfte, habe verglichen, was ich vor einem Jahr so geschrieben habe, als „gerade einmal“ Lina das Licht der Welt erblickt hatte. In Kombination mit dem Wissen, dass ich vor einem Jahr um diese Zeit auch noch in der Klinik gesteckt habe … bin ich erfüllt von Demut und Dankbarkeit. Immer wieder laufe ich durch die Gegend und predige den Leuten, dass sie tun sollen, wovon sie träumen, um glücklich zu werden. Und ich weiß, meist ist das leichter gesagt als getan. Im Grunde sogar immer. Mein Weg hierher war auch kein Spaziergang im Flachland, aber wenn ich zurückdenke und mein Leben vor dem Schreiben mit dem Jetzigen vergleiche, dann weiß ich, dass jede Sekunde Fleiß und Schweiß sich gelohnt hat. Meine Lebensqualität ist gestiegen, ich bin glücklich, voller Energie. Ich kann schneller als jemals gedacht meine Medikamente herunterdosieren und fühle mich wirklich und wahrhaftig besser. Natürlich gebe ich dennoch Acht, ich muss aufpassen, nicht wieder rückfällig zu werden, aber gerade bin ich so zuversichtlich! Mein Leben ist so schön wie lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, und dafür kann ich jeden Tag aufs Neue glücklich in den Spiegel strahlen.

(Kurzer Einschub: Ich KANN strahlen, muss es aber auch nicht. Wenn ich mal wieder eine kurze Nacht hatte, schaue ich manchmal auch ganz schön knautschig drein, aber das heißt ja nicht, dass ich unglücklich über mein Leben bin!)

Und das alles nur, weil ich nicht nur geträumt habe, sondern gehandelt. Am vergangenen Donnerstag war ich auf der AmazonAcademy und dort hat ein bekannter Blogger gesagt: „Man muss nicht der Beste sein, man muss es nur einfach tun!“ Und das lässt sich auf die Träume übertragen. Hey, wir müssen unsere Träume nicht hochstilisieren. Wir müssen sie einfach umsetzen. Alles, was geht. DAS macht uns glücklich, es steigert die Lebensqualität. Damit unterscheiden wir uns nämlich von den anderen. Die einen reden nur, wir tun es! 🙂

Was habe ich gelernt? Ich achte mehr auf mich und darauf, dass ich Dinge tue, die ich tun will. Die mir gut tun. Die Lebensqualität kommt dann wie von alleine. Klinge ich betrunken? Vermutlich ja, denn diese Glückshormone können sowas mit einem anstellen.

Ich hoffe, ich werde es schaffen, euch wieder ein bisschen mehr zu erzählen. Mir schweben ein paar Dinge vor, die ich ansprechen könnte. Jetzt, wo mein neues Projekt bei den Korrekturlesern liegt, habe ich ja auch wieder mehr Luft, dann kriege ich das auch hin. Freundschaft, Familie und Liebe wird auf jeden Fall dazugehören!

Ich möchte noch Bezug nehmen auf eine wahnsinnig wichtige Person in meinem Leben, die mich vor kurzem auf den Blog angesprochen hat. Sie vermisse meine Beiträge, hat sie gesagt. Meine liebe Petra, hier bin ich. Auch du hast ein paar Scheite auf das Feuer geworfen, das nun endlich wieder brennt. Ich hoffe, du freust dich darüber! Ich drück dich ganz lieb.

Im übrigen drücke ich euch mal alle, so ganz spontan. Die Rührseligkeit schiebe ich auf die Endorphine!

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend bzw. eine gute Nacht!

Eure Emma

Heller Stern

Hallo meine Lieben!

Es ist Donnerstag und somit wieder Zeit für die neue Fortsetzung. Heute, wie ich euch mit Freude mitteilen kann, steht diese unter einem ganz besonderen Stern.
Unter dem Stern einer Freundin von mir, die heute Geburtstag hat!
Eine sehr liebe Frau, die mir in den vergangenen Monaten stets mit weisem Rat zur Seite gestanden und mir bei vielen Entscheidungen geholfen hat. Eine Frau, die immer wieder aufs neue deutlich macht, dass Freundschaft nicht an Distanzen zu messen ist und auch nicht über „Altersunterschiede“ stolpern muss.
Herzlichen Glückwunsch und alles, alles Liebe zum Geburtstag! Ich hoffe, du hast einen wunderschönen Tag und ich kann dir mit dieser Widmung ein kleines Lächeln auf die Lippen zaubern!

Zum Glück handelt es sich heute auch um einen wesentlich „schöneren“ Beitrag als in den letzten Wochen. Einmal durchatmen ist erlaubt, für mich, für euch, für Lina und Eric. Lina und Eric dürfen sich eine kleine Insel schaffen inmitten dieser stürmischen See, eine kleine Rettungsinsel um durchzuschnaufen und sich zu besinnen. Denn, ich denke das ist uns allen klar, die Zeit ist alles andere als einfach für die beiden.

Versetzt euch in die Lage zurück, als ihr das erste Mal so richtig verliebt wart – sofern euch dieses Glück bereits ereilt hat. Stellt euch vor, wie es euch ging, als ihr euren Schwarm das erste Mal richtig beschützend in die Arme nehmen konntet, erste gemeinsame Holprigkeiten genommen habt und euch in der frischen Sicherheit des gegenseitigen Vertrauens zurücklehnen konntet.
SO fühlen sich Lina und Eric. Und für eine kurze Zeit dürfen sie einfach nur das sein, was sie sind: Ein frisches, verliebtes Pärchen.

Müsst ihr gerade lächeln, so wie ich? Dann wird es Zeit, diese Fortsetzung zu lesen! Und denkt dabei vielleicht das ein oder andere Mal an meine liebe Freundin, die heute ihren Ehrentag hat!

Viele Grüße,

eure Emma

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Am nächsten Morgen machte ihnen der Arzt während der Visite kaum Schwierigkeiten. Linas Verletzungen verlangten vor allem Ruhe, die sie, wie Eric hoch und heilig versprach, im eigenen Bett ebenfalls zur Genüge bekommen würde. Da das Personal Eric regelmäßig bei Lina gesehen hatte und ihnen klar war, dass er nur ihr Bestes wollte, stimmten sie schließlich zu, und in rasender Eile packte Eric ihre Sachen zusammen, während der Arztbrief geschrieben wurde.
Als sie endlich im Auto neben ihm saß, atmete er tief durch. Mit jedem Kilometer, den er sich seinem Zuhause näherte, spürte er, wie der Druck von ihm abfiel. Stefan wusste nicht, wo er wohnte, weshalb es für Lina momentan kaum einen besseren Rückzugsort gab.
Lina war hin und her gerissen. Natürlich fand sie es merkwürdig, nun mehr oder weniger in das Haus der Jansens zu ziehen, doch irgendwie war es auch…
… befreiend. Für den Moment vielleicht.
Erics Hand schob sich auf die ihre und drückte sie aufmunternd, ganz leicht und vorsichtig, als sie schließlich das Haus betraten. Sie waren alleine, da seine Eltern arbeiten waren, und Lina war das nur recht. Er begleitete sie in das Zimmer, in dem sie zukünftig schlafen würde, und ihr Herz machte einen kleinen Satz, als sie sah, wie er mit den wenigen Sachen, die er aus ihrem Zimmer an jenem Morgen mitgenommen hatte, vertrauliche Atmosphäre geschaffen hatte.
„Ähm. Am besten legst du dich direkt ins Bett. Ich räume alles weg. Du hast nebenan ein kleines Gästebad mit Toilette und Dusche, wenn du aber baden willst, bist du bei mir herzlich willkommen“, erklärte Eric etwas unbeholfen. Jetzt, da Lina da war, wurde ihm so richtig bewusst, was das bedeutete. Er versuchte seine Gefühle und Hoffnungen herunter zu kämpfen – nun ging es nicht darum, sie zu umwerben, sondern einzig darum, dass sie gesund wurde!
Da Lina sich tatsächlich sehr schwach fühlte, leistete sie seinem Vorschlag Folge und sank auf die Matratze. Es handelte sich um ein extrabreites 1,60-Meter Bett. Eric hatte sich für kuschelige Frotteebettwäsche entschieden, und Lina fühlte sich direkt viel wohler als in dem steifen, schmalen Krankenhausbett. Eine Woche hatte sie dort gelegen. Sie erschauderte.
„Hier, der ist doch sicher bequemer“, rief Eric und warf ihr einen dünnen Jogginganzug zu. „Soll ich dir beim Umziehen helfen?“
Es war lieb gemeint, doch Lina errötete und schüttelte den Kopf. Schon im Krankenhaus hatte er ihr helfen wollen, und sie fand es auch wirklich nett von ihm
(er soll mich nicht nackt sehen mit all den Verletzungen, das eine mal hat gereicht),
doch egal wie groß die Schmerzen und wie schwach ihre Muskeln vom vielen Liegen waren, umziehen würde sie sich alleine.
„Okay, ich bringe kurz deine Sachen ins Bad“, bot er an, und verschwand.
Vorsichtig wechselte sie die Kleidung. Ihre Jeans, die schon wieder an ihren Hüften rutschte, landete ebenso auf einem Stuhl in der Ecke wie ihr großer, kuscheliger Pulli.
Ihre Rippenverletzung schmerzte fürchterlich, und Lina biss sich auf ihre Lippe, um nicht aufzustöhnen. Als sie schließlich in den Jogginganzug schlüpfte, den Eric ihr irgendwann besorgt hatte, fiel sie mit schweißnasser Stirn in die Kissen.
Kurz darauf kam er wieder und räumte ihre restlichen, kläglichen Überreste in die Schränke.
Als schließlich alles verstaut war, setzte er sich zu ihr auf das Bett. „So. Was kann ich dir jetzt Schönes bringen?“ Er zupfte ein bisschen an ihrer Decke. „Du hast abgenommen im Krankenhaus. Kein Wunder, bei dem Essen dort… aber das musst du dir jetzt wieder anfuttern. Noch ein bisschen dünner, und du hörst auf zu existieren!“
Lina schaute ihn nur an. Mit diesen furchtbaren, wunderschönen Augen, die viel zu groß waren für ihr Gesicht. Die, wenn man in ihre Tiefe blickte, stets etwas von dem Leid verrieten, das sie durchgestanden hatte. „Na komm, worauf hättest du Appetit?“
Für einen kleinen Moment zögerte sie, dann hellten sich ihre Augen auf. „Pfannkuchen.“
Eric musste grinsen. „Pfannkuchen?“
„Ja…“
„Also gut, die Dame wünscht Pfannkuchen. Und was möchtest du trinken?“
„Einfach nur Wasser.“
„Alles klar. Pfannkuchen und Wasser.“ Er beugte sich zu ihr hinunter und hauchte ihr einen Kuss auf die Wange. Dann stand er auf und wandte sich zur Tür. „Bis gleich, meine Süße.“

Als er verschwunden war, schloss Lina ihre Augen. Er machte es ihr verdammt leicht. Sie rechnete es ihm hoch an, dass er all das für sie tat, und das, obwohl er sie im Grunde erst seit so kurzer Zeit kannte.
(Naja, immerhin liebt er dich!)
Wer weiß, welcher Mensch das noch durchgestanden hätte. Wer hätte sich nicht lieber vor der Verantwortung gedrückt, sich mit solch einem angeschlagenen Mädchen, mit Mangelware auseinanderzusetzen? Sie zuckte zusammen, als Freude und Einsamkeit miteinander rangen, und dann noch einmal, weil das Zusammenzucken in ihren Rippen geschmerzt hatte. Doch dann… siegte die Freude, und mit wachsendem Appetit freute sie sich das erste Mal seit Tagen auf eine Mahlzeit.

Bedächtig machte Eric eine große Portion Pfannkuchen, und bereitete ein Tablett vor. Marmelade, Apfelmus, Zimt und Zucker, Käse, Schinken… irgendetwas würde ihren Geschmack schon treffen, da war er sich sicher. Da er selber auch Hunger hatte, nahm er das Geschirr für zwei Personen mit. Zusammen mit den Getränken war er vollbeladen, und er betete inständig, nicht über seine eigenen Füße zu stolpern, während er die Treppe nach oben stieg und das Gästezimmer ansteuerte.
Linas Zimmer.
Sein Herz machte einen Sprung. Wie gut, dass seine offenherzigen Eltern einverstanden gewesen waren, als er gefragt hatte, ob Lina eine Weile bei ihnen unterkommen konnte. Die beiden hatten das ruhige, schüchterne Mädchen ins Herz geschlossen – nicht zuletzt, weil es ihren wilden Sohn so zur Räson gebracht hatte.
Als er nach kurzem Klopfen durch die Tür trat, merkte er, wie ihm das Herz bis zum Hals schlug. Da lag sie, inmitten von Deckenbergen, und schlief. Eine Haarsträhne war ihr über das Gesicht gefallen und schien die ganze Zeit ihre Nase zu kitzeln. Mit einer Hand hielt sie die Decke festumklammert, die andere war in den Tiefen des Bettes versunken.
Ihr bleiches Gesicht wurde von den langsam verblassenden Malen jener schrecklichen Nacht zerklüftet, wodurch sie nur noch zerbrechlicher wirkte. Ihre Haut war wie aus dünnem Kristallglas. Vorsichtig stellte er das Tablett auf den Schreibtisch, der unter dem Fenster stand, und trat an das Bett. Er sog ihren Anblick förmlich in sich auf – Lina, in einem Bett in seinem Zuhause. Es tat gut, sie zu sehen. Er wollte sie berühren. Nur einmal kurz ihre zarte Haut spüren, die trotz aller Verletzungen nie an ihrer Weichheit verlor…
…vorsichtig setzte er sich neben sie. Ganz langsam und zärtlich strich er über ihre Wange. Gerade, als er seine Hand zurückzog, öffnete sie ihre Augen und sah ihn an, ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
Eric stutzte. Sie hatte nicht geschlafen, nur so getan!
„Hey, Dornröschen. Das Essen ist da.“
„Das wurde aber auch Zeit.“, grummelte Lina. Der Versuch, brummig zu sein, scheiterte jedoch an ihrem freundlichen Tonfall. Sie grinsten sich kurz an.
Eric half ihr, sich aufzurichten, und stopfte ihr ein paar Kissen in den Rücken. Dann setzte er sich, das Tablett in seinem Schoß, neben sie. Tatsächlich traf das Essen ihren Geschmack. Sie wählte vorwiegend süße Zutaten, und während er ihre Pfannkuchen mit Marmelade, Nutella, Zimt und Zucker bestrich, aß er selber Käse und Schinken.
Es gefiel ihm zu beobachten wie sie aß. Es war nahezu sinnlich wie sie einen Bissen nach dem anderen nahm und ihn wahrhaftig genoss.
Ich werde mich schon darum kümmern, dass du ein bisschen an Gewicht zulegst. Das wird dir sicherlich nicht schaden, nahm er sich fest vor und dachte darüber nach, dass sie, seitdem er sie kannte, schon immer viel zu dünn gewesen war. Tja, die meisten Mädels von heute würden sich dieses Problem wünschen. Wahrscheinlich würden sie das jedoch gar nicht mitbekommen…
Nachdem sie ganze drei Pfannkuchen gegessen hatte, ließ sie sich tiefer in die Kissen sinken und seufzte auf. Vorsichtig tätschelte sie ihren Bauch. „Jetzt bin ich pappsatt.“
„Was?“, empörte Eric sich scherzhaft, „Ich habe noch mindestens weitere drei Stück für dich eingeplant!“
Lina schüttelte den Kopf. „Willst du, dass ich platze?“
„Gib‘s zu, sie haben dir nicht geschmeckt.“, schmollte Eric weiter, und bekam, was er wollte: Lina lachte.
„Fishing for compliments, hm?“, stichelte sie zurück. „Natürlich haben sie geschmeckt, du Doofmann, sonst hätte ich nicht einmal einen einzigen ganz gegessen.“
Eric grinste sie an. Sie sah direkt etwas gesünder aus, nicht mehr so blass. Der blaue Fleck, der sich bisher so furchtbar abgehoben hatte, verblasste langsam zu einem hellen grün, nur am Auge war er noch immer sehr dunkel. Eric fragte sich, ob Lina das erste Mal, als sie sich selber im Spiegel gesehen hatte, zusammen gezuckt war. Oder ob sie den Anblick schon kannte. Etwas in ihm verhärtete sich wieder, und mit aller Macht kämpfte er diesen Gedanken zurück. Er wollte diesen kostbaren Augenblick nicht zerstören, in dem er sich wie ein ganz normaler, verliebter Junge fühlte, der mit seiner Freundin im Bett zu Mittag aß.
Lina entspannte sich immer mehr. Das Essen hatte ihr gut getan, und endlich einmal in einem wirklich bequemen Bett in privater Umgebung zu liegen hatte etwas sehr heilsames. Schon fühlte sie sich nur noch halb so invalide wie in der gesamten vergangenen Woche. Und was Eric betraf… er war wirklich nett zu ihr
(wieso auch nicht, das war er doch immer!)
und kümmerte sich um sie. Was hätte sie sich mehr wünschen sollen?
Eigentlich nichts…
Schließlich räumte Eric das Tablett zur Seite, und Lina, die langsam wieder schläfrig wurde, rutsche vorsichtig im Bett hinunter. Er musste nun lernen, wie er sich genervt eingestand. Kurzerhand holte er die benötigten Materialien, und verlagerte seinen Arbeitsplatz in das Gästezimmer. Er hatte das Bedürfnis, in Linas Nähe zu bleiben. In der Hoffnung, sie in Ruhe schlafen lassen zu können, setzte er sich an den sonnenüberfluteten Schreibtisch und begann mit Deutsch, dem Fach, mit dem alles begonnen hatte.