Es wird Zeit: Licht an!

Es ist der 17.06.2015, mittlerweile schon nach 23 Uhr, die Müdigkeit steckt in meinen Knochen. Eigentlich ist alles, wonach ich mich gerade sehne, mein kuscheliges Bett, doch in meinem Kopf blinkt es wie eine Leuchtreklame in grellrot: Ich will unbedingt bloggen.

Wieso? Wieso die lange Pause? Wieso gerade jetzt?

Verdammt gute Fragen, nicht wahr? Ich möchte sie gerne beantworten. Für euch und für mich.

Vielleicht erst einmal, warum ich eine so lange Pause gemacht habe. Bisher habe ich noch keinen einzigen Eintrag für das Jahr 2015 verfasst, der letzte Blogbeitrag stammt tatsächlich aus Dezember 2014. Der Grund hierfür ist eigentlich recht simpel. Aus der „kleinen“ Versuchs-Autorin mit Blog nebenher ist eine Vollzeit-Autorin geworden, die mittlerweile sehr viel Zeit ins Schreiben steckt – nur eben nicht für den Blog, sondern in handfeste Bücher. Dazu hat besagte Vollzeit-Autorin eine Homepage eröffnet, die aus Marketingzwecken und rein pragmatisch betrachtet besser geeignet ist als ein Blog. Letzterer ist ideal dafür, Geistesblitze zu bestimmten Themen, Ergüsse aller Art oder längere Leseproben zu erfassen, nicht jedoch für Blitznews, Gästebuch und co.

Denkt die Vollzeit-Autorin. Die dann auch noch „nebenbei“ deutschsprachige Literaturen und Medienwissenschaften studiert, was irgendwie doch mehr Zeit beansprucht als gedacht, und dazu gerne und mit Leidenschaft durch Deutschland jettet.

Der Punkt ist, und jetzt komme ich zu der spannenden Frage, warum ich genau jetzt wieder mit dem Bloggen beginne: Hier lebe ich mich auf eine ganz andere Art und Weise aus. Ich möchte an Beiträge erinnern, die mir so sehr am Herzen lagen, wie zum Beispiel der Umgangston im sozialen Netzwerk oder auch die Preisgestaltung. All das sind Themen, mit denen ich mich ausführlich beschäftigt habe und es auch immer noch tue, und diese sind hier perfekt aufgehoben. Meine Welt der Gedankenschlösser. Hier kann ich niederschreiben, was mir durch den Kopf fließt, kann Worte aneinanderreihen, die sonst nirgendwo Platz finden und doch ihre Daseinsberechtigung haben. Hier kann ich debattieren, vorschlagen, erinnern, resümieren, mich freuen, mich ärgern, Wortakrobatik betreiben, nachdenklich sein und zum Nachdenken anregen. Und deshalb wird dieser Blog auch niemals brach liegen. Vielleicht hat er längere Zeit nichts zu berichten, doch deshalb hört er nicht auf zu existieren.

Es ist nur so: Um zu bloggen, muss mich etwas packen. Ein Thema, eine Emotion, ein Wunsch. Dann erfasst mich ein Feuer, dann spüre ich es kribbeln, dann tippe ich drauflos. Was genau ich dabei schreibe, weiß ich erst, wenn es kommt – und das ist gut so.

Warum also jetzt? Ich sitze hier auf meiner Couch, in meiner Kuschelecke. Meine Glieder sind müde, mein Kopf eigentlich auch, doch das Feuer ist da. Ich muss einfach etwas bloggen. Dabei ist es nicht einmal so, dass ich euch etwas Hochtrabendes, Moralisches mitteilen möchte. Meine Hauptaussage an diesem heutigen Abend ist: Hallo, ich bin wieder da! Ich war eigentlich niemals weg! Mein Fokus lag nur woanders. Denn zwei Bücher im ersten halben Jahr veröffentlichen und das dritte vorbereiten (erscheint nächsten Monat), dazu Studium, Besuche in Mannheim, Berlin, Leipzig, Düsseldorf, an der Nordsee … und ein kleines bisschen Freizeit sind dann vielleicht doch ein bisschen zu viel. Dass ich letzteres nicht noch weiter verkürzt habe, liegt an meinem Partner. Der schimpft dann doch zwischendurch. 🙂 Im übrigen soll das hier gerade kein Jammern sein, denn ich muss nun aus vollstem Herzen betonen: Ich LIEBE, was ich tue. Was ich tun darf!

Das ist übrigens auch der Ursprung meiner Bloggerflamme, die gerade wieder beginnt zu züngeln. Ich habe heute ein paar alte Interviews durchgelesen, die ich im Laufe des vergangenen Jahres beantworten durfte, habe verglichen, was ich vor einem Jahr so geschrieben habe, als „gerade einmal“ Lina das Licht der Welt erblickt hatte. In Kombination mit dem Wissen, dass ich vor einem Jahr um diese Zeit auch noch in der Klinik gesteckt habe … bin ich erfüllt von Demut und Dankbarkeit. Immer wieder laufe ich durch die Gegend und predige den Leuten, dass sie tun sollen, wovon sie träumen, um glücklich zu werden. Und ich weiß, meist ist das leichter gesagt als getan. Im Grunde sogar immer. Mein Weg hierher war auch kein Spaziergang im Flachland, aber wenn ich zurückdenke und mein Leben vor dem Schreiben mit dem Jetzigen vergleiche, dann weiß ich, dass jede Sekunde Fleiß und Schweiß sich gelohnt hat. Meine Lebensqualität ist gestiegen, ich bin glücklich, voller Energie. Ich kann schneller als jemals gedacht meine Medikamente herunterdosieren und fühle mich wirklich und wahrhaftig besser. Natürlich gebe ich dennoch Acht, ich muss aufpassen, nicht wieder rückfällig zu werden, aber gerade bin ich so zuversichtlich! Mein Leben ist so schön wie lange nicht mehr, wenn überhaupt jemals, und dafür kann ich jeden Tag aufs Neue glücklich in den Spiegel strahlen.

(Kurzer Einschub: Ich KANN strahlen, muss es aber auch nicht. Wenn ich mal wieder eine kurze Nacht hatte, schaue ich manchmal auch ganz schön knautschig drein, aber das heißt ja nicht, dass ich unglücklich über mein Leben bin!)

Und das alles nur, weil ich nicht nur geträumt habe, sondern gehandelt. Am vergangenen Donnerstag war ich auf der AmazonAcademy und dort hat ein bekannter Blogger gesagt: „Man muss nicht der Beste sein, man muss es nur einfach tun!“ Und das lässt sich auf die Träume übertragen. Hey, wir müssen unsere Träume nicht hochstilisieren. Wir müssen sie einfach umsetzen. Alles, was geht. DAS macht uns glücklich, es steigert die Lebensqualität. Damit unterscheiden wir uns nämlich von den anderen. Die einen reden nur, wir tun es! 🙂

Was habe ich gelernt? Ich achte mehr auf mich und darauf, dass ich Dinge tue, die ich tun will. Die mir gut tun. Die Lebensqualität kommt dann wie von alleine. Klinge ich betrunken? Vermutlich ja, denn diese Glückshormone können sowas mit einem anstellen.

Ich hoffe, ich werde es schaffen, euch wieder ein bisschen mehr zu erzählen. Mir schweben ein paar Dinge vor, die ich ansprechen könnte. Jetzt, wo mein neues Projekt bei den Korrekturlesern liegt, habe ich ja auch wieder mehr Luft, dann kriege ich das auch hin. Freundschaft, Familie und Liebe wird auf jeden Fall dazugehören!

Ich möchte noch Bezug nehmen auf eine wahnsinnig wichtige Person in meinem Leben, die mich vor kurzem auf den Blog angesprochen hat. Sie vermisse meine Beiträge, hat sie gesagt. Meine liebe Petra, hier bin ich. Auch du hast ein paar Scheite auf das Feuer geworfen, das nun endlich wieder brennt. Ich hoffe, du freust dich darüber! Ich drück dich ganz lieb.

Im übrigen drücke ich euch mal alle, so ganz spontan. Die Rührseligkeit schiebe ich auf die Endorphine!

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend bzw. eine gute Nacht!

Eure Emma

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Schlaflosigkeit

Wenn man nachts wach liegt, die Welt um einen herum im tiefen Schlaf versunken und man selbst ohne Zutritt ins Reich der Träume, hat der Kopf viel Zeit, Gedanken in unterschiedlichste Richtungen wandern zu lassen.

Ich finde Schlaflosigkeit wirklich grausam. Kennen tut es vermutlich jeder – wer hat nicht schon einmal wach gelegen, belastet oder aufgewühlt von den Ereignissen des Tages, aufgekratzt oder nicht ausgelastet genug. Mit purer Willenskraft versucht man, sich zu entspannen. Man schließt seine Augen, hält sie zugekniffen in der Dunkelheit, weil es heißt, dass man dann schneller einschläft. Oder man zählt Schäfchen, im wahren oder übertragenen Sinne.

Oftmals hat man solche Phasen für eine kurze Zeit, man schlägt sich durch die Erschöpfungen des Tages, die so viel größer erscheinen, wenn einem der erholsame Nachtschlaf nicht erlaubt ist, aber wenn die aktuelle Belastung bzw. der Grund für die Schlaflosigkeit sich aufgelöst haben, lösen sich auch besagte Störungen in Wohlgefallen auf.

Ich selber hatte solche Phasen ebenfalls schon. Am schlimmsten war es zu meiner Abiturzeit, als ich in die mündliche Nachprüfung musste. Die Wochen davor habe ich panisch so viel gelernt, dass ich keine Zeit mehr zum Schlafen hatte. Nicht, dass es meinem Notenschnitt geschadet hatte, wohl aber meinem Ehrgeiz, weshalb ich eine Schüppe draufgelegt und unbewusst mein Vermögen zum Schlafen heruntergeschraubt hatte.

Und als die Prüfung vorbei war, fiel ich in einen erholsamen Schlaf der Erleichterung.

Doch was ist, wenn diese Erleichterung ausbleibt? Weil die Störungen tiefergehender sind, weil  die Ursache nicht einfach so aufzudecken und wegzuzaubern ist?
Sagen wir – was ist, wenn die Schlafstörungen schon 6 Monate anhalten?
Seit einiger Zeit fällt es mir schwer, nachts einzuschlafen. Und wenn ich schlafe, dann oscarreif. Ich denke, ich könnte vielen Regisseuren interessanten Stoff für Thriller und dergleichen liefern. Ich habe aufgegeben über die wahre Bedeutung dieser Träume nachzudenken, denn sie erschließt sich mir so oder so nicht.

Doch wenn ich entscheiden muss zwischen diesen Träumen und dem Nicht-Schlafen, erscheint das Nicht-Schlafen manchmal doch als die bessere Lösung.

Heute Nacht war dann mein absoluter Tiefpunkt. Um 6:30 Uhr habe ich versucht, endlich doch ein wenig Schlaf zu finden, nicht zum ersten Mal in dieser Nacht, aber zum ersten Mal erfolgreich. Und um kurz vor elf war ich wieder wach. Erstaunlicherweise bleibt heute das matschige Gefühl aus, auch wenn ich nicht behaupten kann, heute zu wahren Kraftakten in der Lage zu sein. Immerhin war Fensterputzen drin. Für gewöhnlich stolpere ich nämlich nach solchen Nächten wie ein Zombie durch die Gegend, und das meine ich wortwörtlich. Ich stolpere und ich sehe aus wie ein Zombie, nur nicht so blutig, vielleicht aber ein bisschen verzweifelt und manisch. Einzig meine Empfindlichkeit der Augen ist da, was es mir schwer macht, das schöne Wetter draußen zu genießen, leider Gottes.
An die Schatten unter den Augen habe ich mich gewöhnt; nie war ich zu so etwas veranlagt, doch jetzt sind sie ein Teil von mir geworden. Und die kleine Entzündung am Auge, die nach besonders schlechten Nächten immer wieder aufflammt, ist eben auch mit mir verwachsen.

Ich weiß nicht, ob ich mich so langsam daran gewöhne, an diesen anderen Rhythmus, der mir oftmals physische Schmerzen in sämtlichen Körperregionen zufügt, da ich nun einmal nicht jeden Tag bis mittags schlafen kann und der Schlafmangel sich dann unschön in mein Bewusstsein zwängt. Ist es die radikale Akzeptanz, die von mir verlangt, mich dem verkorksten Schlafen anzupassen, mein Leben anzupassen, zu akzeptieren, dass ich nun wortwörtlich eine Nachteule bin? Sicherlich hat die Ruhe der Nacht ihren ganz eigenen Zauber, wenn man glaubt, ganz alleine auf der Welt zu sein, insbesondere in der Zeit zwischen vier und fünf Uhr morgens. Man spielt Ping Pong mit den Gedanken im Kopf, liest leise vor sich hin (ein Hoch auf die Technik der beleuchteten Ebook-Reader) oder lauscht in sich hinein, lauscht dem eigenen Herzschlag, dem pulsierenden Blut im Kreislauf, der eigenen Seele, die leise klagend durch die Hallen des Körpers eilt und den Umstand bejammert. Wach neben dem eigenen Freund, dessen regelmäßiges Schnarchen die einzige Klinge in der meterdicken Stille ist, in der Lage, zumindest kleine Löcher in den Kokon zu ritzen, der einen sonst vom Rest der Welt abschirmt.

Heute Nacht kam mir plötzlich ein Gedanke, der Gedanke, der mich schlussendlich auch dazu motivierte, diesen Eintrag zu schreiben, der viel mehr persönliche Einblicke erhält, als ich sie eigentlich zu geben bereit bin.  Während ich so dalag, hin- und hergerissen zwischen den Fragen, ob ich einfach das Kapitel Nacht überschlagen und aufstehen oder ob ich weiterhin versuchen sollte, wenigstens einen kurzen Einblick in die Schlafwelt zu erhaschen, überraschte er mich. In völliger Klarheit schoss er mir durch den Kopf, als hätte er ein Eigenleben, wäre lebendig und eigenständig.

Die Nacht kann tiefe Gräben reißen zwischen den Schlafenden und den Nichtschlafenden, sie lässt eine eigene Welt entstehen, mit straffen Grenzen und wenig Freiraum für die, die hinaus möchten.

Der Gedanke ist sicherlich nicht neu auf der Welt, er ist nicht bahnbrechend oder hilfreich, aber irgendwie ist er wahr. Ich lebe nachts in meiner ganz eigenen Welt, nur sehr schwer kann ich mich daraus lösen. Und scheinbar ist auch diese Welt schuld an dem Kommunikationsproblem mit außen – denn auch wenn ich die vielen gut gemeinten Ratschläge schätze, das Mitgefühl meiner Freunde, irgendwie ist es doch so, dass es nicht nachvollziehbar ist für diejenigen, die dieses Problem nicht kennen. Denn tatsächlich, eine heiße Milch mit Honig hilft mir nicht. Es ist mein Kopf, der nicht abschaltet, da kann ich physisch noch so müde sein. Und mein Kopf ist nicht dumm, er kennt all diese Tricks, mit denen man sich einen Schnellzugang in die Traumwelt erschleichen kann, und hebelt sie kurzerhand aus, einfach so. Das ist kein Vorwurf, das ist nur meine Botschaft: es ist unerklärbar und schwer zu händeln, aber danke für eure Bemühungen!

Also doch Akzeptanz? Mache ich es mir also gemütlich auf meinem Fleckchen Einsamkeit, in meinem Kokon, umschlossen von tiefen Gräben, bis etwas in mir Klick macht und ich zu den anderen gleiten kann, in eine Traumwelt die mir nicht mehr so glanzvoll erscheint wie einst?

In den letzten Tagen und Wochen habe ich vermehrt von Menschen gehört, die ähnliche Probleme haben. Irgendwie tut es gut zu wissen, nicht ganz alleine da zu stehen, mit diesem auf Dauer doch zermürbenden Gefühl, dass da etwas schief läuft. Und vielleicht gibt es ja doch irgendwo den universellen Trick, wie man seinen Kopf ausknocken kann. Ich habe ihn mir noch nicht erschlossen. Etwa jemand von euch? Gerne dürft ihr mir mitteilen, was ihr in solchen Situationen macht, ob ihr sowas kennt, denn auch wenn die gängigen Tricks mir nicht helfen (vorneweg die Schäfchen, die sich einfach wehren, über den Zaun zu springen und anfangen mit mir zu diskutieren, warum ich so einen Mist von ihnen verlange), ich bin doch stets bereit, neues auszuprobieren. Denn eigentlich schlafe ich ja gerne.

Ich möchte auch nicht, dass ihr voller Mitleid erstarrt und glaubt, dass ich eure Aufmerksamkeit erhaschen will.  Vielleicht möchte ich euch einfach zeigen: Es gibt  Probleme, die im Schleier der Dunkelheit verschwinden, scheinbare Einzelschicksale, die vom Kokon der Nacht erstickt werden. Doch obwohl jeder auf seiner kleinen Insel irgendwie einsam ist – es gibt genug andere Menschen dort draußen, die ebenso wach liegen, wie erstarrt unter der Last der Gedanken. Irgendwie finde ich diesen Gedanken tröstlich. Denn er schlägt Brücken über Gräben, die tiefer erscheinen als man glaubt, ritzt weitere Löcher in die Stille, und macht alles vielleicht ein bisschen erträglicher – für den Moment.

Puh. Das war jetzt ganz schön harter Tobak, nicht wahr? Doch ich kann nicht abstreiten, dass es mir gut tat, diese Gedanken von der Seele zu schreiben, es hat etwas heilsames, einfach mal in die Welt zu rufen, was mich Nacht für Nacht wach hält, ohne genau sagen zu können warum und wie. Wenn ihr es bis hierhin ausgehalten habt: Danke. Danke fürs Zuhören und vielleicht sogar verstehen. Ich hoffe von Herzen, dass ihr diese Schlafprobleme nicht habt.

Habt einen wunderschönen, frühlingshaften Start in die Woche!

Eure Emma